+
Shademan Souri hat seinen Traum verwirklicht. Bis zu 3000 Pizzen werden am Tag im Ursulum gebacken.

Auf Wachstumskurs

Pizza aus Gießen für 2000 Supermärkte

Shademan Souri produziert in seiner Fabrik im Gießener Ursulum Tiefkühlpizza. Ab Mitte Januar beliefert er 2000 Supermärkte. Auch fürs Restaurant hat er sich ein »geiles Konzept« überlegt.

Gießen. Flink werkeln zwei Hände an der Pizza, bevor die nächste herannaht. Neben 120 Metern Laufband prägen im Hintergrund zwei große Öfen das Bild, das vom Rattern eines Kompressors konturiert wird. Rund 50 Mitarbeiter sind derzeit in dieser Pizza-Fabrik unterwegs, mit der sich Shademan Souri einen Traum erfüllt hat. »Die Idee zur Tiefkühlpizza hatte ich während des ersten Lockdowns. Angefangen haben wir im Mai 2020 mit zehn Stück am Tag in der ›Pizza Wolke‹. Heute produzieren wir täglich 2500 bis 3000 Stück«, erklärt der Geschäftsführer. Offiziell begonnen hat die Produktion im Ursulum am 9. Dezember 2021.

Produkte kommen aus Italien

Ein Aufenthaltsraum im Ursulum: Stille - zumindest bis der Kompressor wieder loslegt. Shademan Souri lässt sich auf seinem Stuhl nieder. Mit einem Leuchten in den Augen. »Momentan schlafe ich wenig. Fünf Stunden maximal. Aber ich liebe das, was ich hier mache. Mein Ziel war es von Kindesbeinen an zu zeigen, dass wir ein Gastrounternehmen aufbauen können. Das tue ich hier mit einem Produkt, das ich sehr liebe. Ich esse meine eigene Pizza viel zu oft«, lacht der bekannte Gießener Gastronom. Bereits im Juni 2020 habe er gemerkt, dass sich das erst einen Monat zuvor gestartete Tiefkühlpizza-Projekt sehr positiv entwickelt.

Eine Art Startschuss für das Thema Fabrik: »Im August 2020 habe ich meine Mail-Signatur von Geschäftsführer in Pizza-Ingenieur geändert. Seitdem habe ich mich in die Anlagentechnik und Anlagenplanung eingearbeitet - zusammen mit absoluten Fachleuten. Gemeinsam mit einer der größten Anlagenplanungsfirmen in Deutschland haben wir unsere Anlage geplant, die nur zu 30 Prozent automatisiert ist. Wenn es andersherum und die Produktion zu 70 Prozent automatisiert wäre, dann würde mein Produkt einfach an Seele verlieren. Man muss sehen, dass Hände diesen Teig verarbeiten und diese Pizza machen«, meint der Chef der »Pizzabande«.

Er sei überzeugt, dass die Pizza den Kunden schmecke, weil es »ein ehrliches Produkt« sei. »Wir stehen dahinter, hinter den Produkten, hinter der Machart. Und wir können eben stolz sagen, dass sie nur zu 30 Prozent automatisiert produziert wird«, betont Shadi. Derzeit habe man vier Sorten im Angebot. Zwei vegetarische und zwei mit Fleisch. »Aber, unfassbar, am besten verkaufen wir die Margherita. Normalerweise produzieren die großen Firmen gar keine Margherita. Weil die Kunden das nicht wollen. Unsere schon. Das ist die blankeste Pizza, was wiederum bedeutet, dass den Leuten die Produkte so gut schmecken.« Die Margherita sei der Verkaufsschlager und mache 45 Prozent der Umsätze aus. Zutaten wie Tomaten und Wurst kämen nach wie vor aus Italien, ebenso wie der Mozzarella, »der nach unserer Rezeptur gemacht wird«. Und: »Unser Mehl lassen wir in Heilbronn mahlen und das Gemüse kommt hier aus der Gegend.« Es stamme von zwei Bauern aus Nordhessen.

Restaurant wird wieder geöffnet

»Wir sind gerade dabei, unter den Bauern eine Vereinigung zu gründen. Denn ich fürchte, dass die beiden Bauern an ihre Grenze kämen, wenn wir weiter wachsen würden. Aber tatsächlich stellt sich die Frage, ob wir noch wachsen wollen auf 6000 oder 9000 Pizzen. Mal schauen, ob der Markt das hergibt.«. Die komplette Logistik, inklusive Auslieferung, übernehme eine beauftragte Firma. Souri verweist auf seinen ursprünglichen Plan, bis zum Jahresende 2021 rund 200 Supermärkte zu beliefern. Das hat sich geändert: »Ab dem 20. Januar liefern wir an 2000 Supermärkte. Dass es sich so entwickelt, habe ich nicht erwartet. Als Unternehmer brauchst Du Mut, Aber was wirklich aus einer Idee wird, kannst Du vorher nicht seriös in einem Businessplan prognostizieren.« Natürlich habe er an einem bestimmten Punkt gemerkt, dass sich Potenzial abzeichne. Und an genau dem Punkt brauche es unternehmerischen Mut, auch finanziell. »Ich bin mit jeder Hose und mit jedem T-Shirt hier dabei«, beschreibt Souri sein persönliches finanzielles Engagement in der Fabrik. Die Pandemie habe ihre Umsetzung beschleunigt: »Jede Krise bringt auch Möglichkeiten. Es kommt immer darauf an, wie man drauf schaut.«

Mit dem Umzug ins Ursulum ist die Produktion in der »Pizza Wolke« in der Wolkengasse beendet. Spätestens zur kommenden Terrassensaison werde er das Restaurant wieder öffnen. »Momentan ist der Laden komplett nackt. Da steht nichts mehr drin. Wir haben das alte Inventar komplett rausgerissen«, berichtet der Geschäftsführer. Ein Jahr Produktion von 1000 Pizzen am Tag habe man den Räumen letztlich angesehen. Wie genau die »Wolke« aussehen wird? Das verrät Souri nicht. Nur so viel: »Ich kann sagen: Ich habe das extra so weit hinausgezögert, weil wir keine halben Sachen machen wollen. Und das wäre es geworden, wenn wir die Fabrik mit der ›Wolke‹ gleichzeitig aufgemacht hätten. Jetzt haben wir uns so etwas Geiles einfallen lassen für die ›Pizza Wolke‹.« In den Räumlichkeiten der ehemaligen »Pasta Wolke« werde ein ganz neues Konzept an den Start gehen, das es in Gießen so nicht gebe.

Das könnte Sie auch interessieren