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»Planerischer Größenwahn« mit gravierenden Folgen

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Die Nabu Ortsgruppen Gießen und Heuchelheim sind vehement gegen die Wohnbebauung auf der Hardt, wie sie im Regionalplan 2020 vorgesehen ist. 20 Hektar würden versiegelt.

Gießen (red). Die Hardt ist im westlichen Gießener Umland die einzige größere Fläche ohne Bebauung, ein zusammenhängender Naturraum. Genau hier, an der Grenze zu Heuchelheim, ist im Entwurf zum Regionalplan 2020 eine großflächige Wohnsiedlung im Umfang von knapp 20 Hektar geplant. Darauf weisen die Nabu-Gruppen Gießen und Heuchelheim hin und kritisieren in einer Pressemitteilung: »Statt im Verbund mit der vorhandenen bebauten Fläche zu planen, mit Anbindung an die vorhandene Infrastruktur, wird eine neue Insellage beplant - mit allen negativen Problemen. Das ist eigentlich äußerst unprofessionell und eine planerische Bankrotterklärung«. Die großzügige Flächenversiegelung von 19 ha entspricht der Fläche von knapp 27 Fußballfeldern, »ein planerischer Größenwahn und ein Anachronismus angesichts der heutigen Umweltprobleme«, so die Naturschutzverbände.

Anachronismus

Nach Ansicht der Nabu-Gruppen stellt die Planung eine Vernichtung der letzten Freifläche im Gießener Westen dar, und greife auch in landwirtschaftlich genutzte Flächen über. Dabei könne nur - wie die aktuellen politischen Entwicklungen zeigten - der heimische Anbau von Getreide und anderen Kulturpflanzen eine eigenständige Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherstellen. Die Wohnungsbauplanung auf der Hardt ist nach der Einschätzung des Vorsitzenden des Nabu Heuchelheim-Kinzenbach, Dr. Peter Ströde, auch mit gravierenden Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt verbunden. Außerdem würde die Lehr- und Versuchseinrichtung Oberer Hardthof der Justus-Liebig-Universität große Flächenverluste erleiden, was für die Futterversorgung der Nutztiere und den Getreideanbau äußerst kritisch zu sehen sei.

Der Nabu appelliert: »Die großräumige Bebauung der Hardt muss deshalb verhindert werden, an die Planer kann hier nur appelliert werden, Abstand von einer Planung zu nehmen, die mit Multiplikatoreffekten ganze Landschaftsbereiche zerstört. Die im Entwurf des Regionalplans eingezeichnete Wohnbebauung sollte gelöscht werden. In Gießen speziell sollte man Wohnbebauung im Anschluss an die vorhandene Bebauung entwickeln, statt auf gigantischen Flächen stadtnah Logistikzentren zu planen, die auch abseits der Mittelzentren Platz hätten«, heißt es.

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