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Auch im Wald am Alten Steinbacher Weg wurden Kleingewässer angelegt.

Planschbecken für die Bergunke

Gießen. Zehn Kleingewässer hat Stadtförster Ernst-Ludwig Kriep im Gießener Stadtwald angelegt. Bei einem Ortstermin stellte Kriep gemeinsam mit Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich, dem Leiter des Amtes für Umwelt und Natur, Dr. Gerd Hasselbach, und Gerrit Oberheidt vom Regierungspräsidium (RP) Gießen die durchgeführten Maßnahmen in den Bereichen »Badenburg, Hangelstein, Schiffenberg, Europaviertel« vor.

Seit mittlerweile fünf Jahren werden jährlich zehn solcher Kleingewässer zugunsten von Gelbbauchunke und anderer Amphibienarten angelegt. Die Stellen werden in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Gießen der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) ausgewählt.

8000 Euro vom RP

Die Maßnahme erfolgte im Rahmen der Hessischen Biodiversitätsstrategie und wurde so durch das RP mit maximal 8000 Euro gefördert. Allerdings entfällt die Hälfte der Fördermittel auf die vorgeschriebene Kampfmittelsondierung. Die andere Hälfte ist für den Baggereinsatz an den Standorten einschließlich der nötigen Nebenarbeiten bestimmt. Wie Kriep erläuterte, umfasst der Gießener Stadtwald eine Fläche von 1500 Hektar, wovon 11,7 Prozent als Naturschutzgebiet gelten.

Ziel der gestarteten Kleingewässermaßnahmen sind »1000 Gewässer«, wie Kriep und Weigel-Greilich verrieten, denn den Kleingewässern kommen gleich mehrere Aufgaben zu. Zum einen soll damit auch dem Klimawandel entgegengewirkt werden, zugleich ein Hochwasserschutz erfolgen und das Wasser länger im Wald gehalten und hier abgeleitet werden. Wie Hasselbach ausführte, habe sich die jährliche Niederschlagsmenge in den letzten Jahren keinesfalls verringert, sie sei konstant geblieben. Allerdings verteilten sich die Niederschläge verstärkt auf wenige Ereignisse. Deshalb müssten die zu diesen Ereignissen starken Niederschläge länger zurückgehalten werden. Eine Mahnung war der Stadt das Hochwasser im Mai 2018, als sich in der Licher Straße die Wassermassen auf der Straße wie auch in der Vitos-Klinik stauten. Deshalb werde nicht mehr im Wald ein schnelles Abfließen in die städtische Kanalisation und letztendlich die Weiterleitung in die Lahn verfolgt. Vielmehr soll das Wasser durch die nun geschaffenen Kleingewässer länger im Wald gehalten werden. »Wir wollen keine Regenrückhaltebecken, sondern eben solche Kleingewässer etablieren«, so Kriep. Durch die Maßnahmen sei sichergestellt, dass bei einem Überlaufen dieser Kleingewässer das Wasser zunächst gestaut ins nächste Areal übergeleitet und damit ein Abfluss verzögert werde. »Wir müssen das Wasser zurückhalten, weil vielleicht wochenlang nichts mehr kommt«, so Hasselbach.

Im September wurde mit der Umsetzung der Maßnahme begonnen, auch weil dann die Brut- und Setzzeit beendet sein sollte. Die Umsetzung erfolgte durch die Mittelhessischen Wasserbetriebe (MWB). Die neuen Kleingewässer dienen als Trittsteine zur Vernetzung bestehender Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Gelbbauchunke im Stadtgebiet. Diese findet sich noch im Schiffenberger Tal sowie im Bereich des Europaviertels und auf der Hohen Warte. Die nächsten bekannten größeren Vorkommen finden sich auf dem Motocrossgelände in Langgöns, ansonsten haben die Bestände der Art in Hessen in den letzten 20 Jahren außerordentlich abgenommen.

Auch Bäume leiden

Wie Matthias Korn (Linden) vom HGON erläuterte, benötigen Gelbbauchunken, die auch Bergunken genannt werden, flache und vegetationsarme Laichgewässer, die nur temporär Wasser führen. Um dies zu gewährleisten, müssen in der heutigen Landschaft immer wieder Maßnahmen ergriffen werden, um neue Laichgewässer für die Art zu schaffen. Doch auch den anderen Amphibien des Gießener Waldes soll so geholfen werden. Denn beispielsweise auch der Grasfrosch leide in den letzten Jahren immer mehr unter der Trockenheit und dem zu frühen Austrocknen der Gewässer. Dem entgegenzuwirken wurden ebenfalls etwas tiefere und größere Gewässer angelegt, die auch den anderen Arten, wie etwa Teichmolch, Bergmolch und Erdkröte als Laichhabitat dienen sollen.

Im Bereich des Stadtwaldes rund um die Licher Straße konnte der Feuersalamander nachgewiesen werden, der neben Fließ- auch Stillgewässer zur Larvenaufzucht wie die zahllosen Bombentrichter der Gießener Wälder nutzt. Nachweise von rund 1600 Laichballen konnten in den 50 untersuchten Gewässern im Waldbereich im Südosten Gießens nachgewiesen werden. Allerdings zeigte die Erfassung, dass viele der Laichgewässer in diesem Jahr viel zu früh trockengefallen sind. Auf diese Problematik ging Kriep ein, der trotz der Regenfälle darauf verweist, dass es im Wald immer noch viel zu trocken ist. Das aufgesuchte Kleingewässer im Schiffenberger Wald biete kein repräsentatives Bild, »denn eigentlich sollte Ende November das ganze Areal hier mit Wasser gefüllt sein«. Vor allem aber auch die Bäume, wie etwa die Buche, leiden darunter, denn diese habe sich an eine Wassermenge gewöhnt und benötige diese auch. Sechs dieser kleinen Tümpel wurden im Alten Steinbacher Weg geschaffen. Kriep betont: »In so einem Tümpel sollten 60 bis 80 Kubikmeter Wasser sein, wenn diese gefüllt sind«.

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