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Plastik tauschen gegen Essen

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Die Workshopteilnehmer samt Referentinnen vor dem UN-Flüchtlingszelt. © Czernek

Gießen. Welche Auswirkungen hat die globale Erderwärmung konkret auf die Menschen? Und welche Auswirkungen wird das auf die allgemeinen Fluchtbewegungen haben? Mit diesen Fragestellungen befasst sich die Wanderausstellung »Klimaflucht« der Deutschen KlimaStiftung (DKS), die aktuell in der Kulturkirche St. Thomas Morus zu sehen ist.

Flankierend dazu hatte der Förderverein St. Thomas Moros zu einem Workshop zu diesem Thema eingeladen und zur Veranschaulichung der Problematik auf dem Hof ein original UN-Flüchtlingszelt aufgebaut. Yasri Mohammed aus dem Iran und Abbigel Sadhin aus Indien, beide Mitarbeiterinnen der Jugendwerkstatt Felsberg und Referentinnen der Initiative »KlimaGesichter«, erläuterten sehr konkret, was der Klimawandel für ihre Länder bedeutet.

Klima kein Thema

Mit sehr persönlichen Eindrücken schilderten sie, wie in ihren Heimatländern mit dem Thema umgegangen wird. So erläuterten sie, dass die Umweltproblematik bis vor wenigen Jahren nahezu unbekannt war. »Das Thema Klimaschutz wird in unseren Ländern in den Nachrichten nicht thematisiert«, so Mohammed.

In Indien werde der Müll einfach überall hingekippt, Müllvermeidung oder gar Mülltrennung, werden noch kaum beachtet, berichtete Sadhin. Die Folgen sind überall sichtbar: So sei der Ganges mittlerweile unglaublich verschmutzt, zumal in ihm auch aus religiösen Gründen sehr viele Opfergaben versenkt würden. So würde man überall am Ufer die Reste von rituellen Feiern finden, berichtete sie. Aber auch Abbau von Kohle im offenen Tagebergbau würde den Menschen zunehmend gesundheitliche Probleme bereiten.

Sie weiß wovon sie spricht, denn ihre Familie lebt in diesem Gebiet. »Sehr viele Menschen dort haben Atemprobleme und Asthma«, erzählte sie. Aber es gibt auch kleine Lichtblicke für das Land: Die Regierung hat kleine Cafés eingerichtet, in denen man für ein Kilo Plastikflaschen eine warme Mahlzeit erhält. Und die Paani Foundation hat im Norden Indiens, in einer Region in der es sehr wenig regnet, ein Projekt von Wassergräben zur Regensammlung initiiert, die jetzt 550 000 Millionen Liter Wasser speichern können. Das ist aktive Hilfe zur Selbsthilfe.

In einer regen Diskussion unter den Workshopteilnehmern wurde festgestellt, dass ein Schlüssel zur Lösung der Klimaprobleme und der sich daraus ergebenden Fluchtbewegungen Bildung sei beziehungsweise fehlende Bildung mit ursächlich für umweltschädliches Verhalten sei. »Allerdings muss man sich Klimaschutz auch leisten können. Wenn man ums nackte Überleben kämpft, dann werden solche Überlegungen hinten angestellt«, ergänzte Sadhin.

Fazit des Workshops war, dass jeder bei sich selbst anfangen muss, dass es ohne Verzicht es nicht gehen wird.

Die Wanderausstellung »Klimaflucht« wurde im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) von der Studentin Ria Papadopoulou entworfen und in Teilen von der Deutschen KlimaStiftung umgesetzt. Sie ist noch bis zum 20. April in St. Thomas Morus zu besichtigen.

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