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Plüschfigur ersetzt Tierversuch

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Von: Eva Pfeiffer

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Es sind vor allem kleine Säugetiere wie Mäuse, die an der JLU als Versuchstiere in der Lehre eingesetzt werden. Symbolfoto: Bodo Marks/dpa © Red

Die Zahl der Versuchstiere in der Lehre ist an der JLU Gießen erneut zurückgegangen - auch wegen der Pandemie.

Gießen . 221 Wirbeltiere wurden im vergangenen Jahr an der Justus-Liebig-Universität (JLU) im Rahmen der Ausbildung von Studierenden als Versuchstier genutzt, der Großteil davon am Fachbereich 08 in der Biologie. Das geht aus dem jährlichen Bericht der Tierschutzbeauftragten hervor, der in der jüngsten Sitzung des Uni-Senats vorgestellt wurde. Die Zahl der Versuchstiere in der Lehre ist damit erneut zurückgegangen - zum einen, weil tierersetzende Methoden angewandt werden, zum anderen, weil aufgrund der Corona-Pandemie weniger Veranstaltungen in Präsenz stattfanden. 2020 waren noch 270 Versuchstiere gemeldet worden. Tiere, die zu Forschungszwecken verwendet werden, berücksichtigt der aktuelle Bericht nicht.

In der Biologie kamen 17 Mäuse zum Einsatz sowie 146 andere kleine Säuger. Am Fachbereich 10 (Veterinärmedizin) wurden 58 Versuchstiere verwendet. Neben vier Hunden und drei Katzen waren das 21 Vögel, vier Pferde, sechs Rinder, vier Ziegen und 16 Schafe. Laut Hessischem Hochschulgesetz soll in der Lehre auf Tierversuche sowie auf die Verwendung von toten Tieren möglichst verzichtet werden. »Filme und Computersimulationen ersetzen immer mehr die klassischen Tierversuche«, heißt es in dem Bericht.

Während Biologie-Studierende die Tierphysiologie in der Vergangenheit noch an larvalen Krallenfröschen und Goldfischen geübt hätten, habe man darauf im vergangenen Jahr durch den Einsatz von Filmmaterial und Simulatoren verzichten können. Artspezifische Kenntnisse zum Umgang mit wildlebenden Kleinsäugern würden zunächst mittels Stellvertretern wie beispielsweise Stofftieren vermittelt, ehe dies auch praktisch erlernt wird.

Echte Organe und tote Tierkörper kommen in der Biologie zum Einsatz, um den Studierenden Kenntnisse in Anatomie, Histologie und Physiologie zu vermitteln. Wer sich im Fach Immunologie spezialisiert, lerne außerdem Techniken zur Präparation von Organen der Maus, isoliere primäre Zellen und arbeite an unterschiedlichen Zelllinien.

Im Fachbereich 09 (Agrarwissenschaften) werde in praktischen Übungen das Verhalten und die Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren im Hinblick auf deren Haltung und die Haltungsbiologie vermittelt. Zur Demonstration werde Schlachthof- und Kadavermaterial verwendet.

Bei den Veterinärmedizinern finden praktische physiologische Übungen für die Diagnostik an Ziegen statt. Schweinelebern aus dem Lebensmittelhandel und Rattenlebern (Kadavermaterial) werden in den praktischen biochemischen Übungen für labordiagnostische Untersuchungen verwendet. »Für die Praktikumsversuche werden selbst keine Tiere getötet«, heißt es weiter in dem Bericht.

Die Wirbeltiere für die Präparierkurse der Anatomie des Fachbereichs 10 stammen aus der Pathologie der Veterinärmedizin oder seien von niedergelassenen Tierärzten aus Krankheitsgründen eingeschläfert worden. Lediglich Schafe und Hühner würden »zugekauft, die aus Alters- und Krankheitsgründen aus den landwirtschaftlichen Betrieben abgegeben wurden«.

Sofern möglich, würden Dauerpräparate in der Lehre verwendet. In der Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Andrologie »werden zusätzlich Schlachthofmaterial und asservierte, totgeborene Tiere für den Kurs Fetotomie eingesetzt«. Auch die Klinik für Pferde setze auf den Einsatz von Schlachthofmaterial zur Übung von Injektionen und Ultraschalluntersuchungen an Pferdegliedmaßen.

Im Fachbereich 11 (Humanmedizin) wird im Seminar zur Physiologie »Glatter Muskel« Kadavermaterial verwendet, die Tiere seien zu anderen Zwecken getötet worden. Histologische Präparate von Gewebe und Organen würden hergestellt, um den angehenden Medizinern eine Vorstellung über Bau- und Funktionsweise der Zellen, Gewebe und Organe zu vermitteln. Übungen im Fach Augenheilkunde finden an Schweineaugen statt, die von Schlachttieren stammen.

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