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Präzise wie ein Uhrwerk

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Fulminante Eröffnung der Wettenberger Winterkonzerte in der Wißmarer Kirche: Junges Sinfonieorchester Wetzlar begeistert mit Programm im Sinne der Romantik..

Gießen . Die kleine Wißmarer Kirche war - trotz sehr frischer Temperaturen im Innern - gut gefüllt. Die Wettenberger Winterkonzerte haben längst schon ihr Publikum gefunden. Sie genießen einen exzellenten Ruf und das zu Recht, denn hier werden klassische Konzerte auf höchstem Niveau geboten. Erschwinglich sind sie für jedermann, denn der Eintritt ist frei. Es wird lediglich um Spenden für einen guten Zweck gebeten.

Bei dem Konzert am Sonntagnachmittag wurde für die Aktion »Wettenberg hilft« gesammelt. Die Spenden werden für die Betreuung der ukrainischen Flüchtlinge benötigt.

»Es sind Ihre Winterkonzerte«, sagte Ilse Bergner, zu Beginn des Konzerts in Richtung der Musiker des jungen Sinfonieorchesters Wetzlar, denn vor 34 Jahren begann diese erfolgreiche Konzertreihe mit einem Auftritt eben jenes Ensembles.

Oktett zum Auftakt

Für ihren diesjährigen Auftritt hatten sie ein Programm ganz im Sinne der Romantik zusammengestellt. Eigentlich besteht das junge Sinfonieorchester Wetzlar aus 60 Musikern. Daraus hat sich das Kammerorchester-Ensemble herausgebildet, das konzentriert und präzise das Konzert in Wißmar präsentierte.

Zum Auftakt startete es mit dem berühmten Oktett, opus 20 in Es-Dur, von Felix Mendelssohn-Bartholdy, der es 1825 verfasste, allerdings erst 1832 publizierte.

Der erste Satz zeugt von einer unbändigen Strahlkraft der Jugend, das von den Streichern kraftvoll aber zugleich auch präzise herausgearbeitet wurde. Mit der gleichen Ernsthaftigkeit präsentierten die Musiker auch die weiteren Sätze des Werks, ohne dessen Eigenheiten zu kaschieren. Das Ensemble spielte es in einer Fassung mit einem zusätzlichen Kontrabass, der sich ganz hervorragend in das Gesamtkonzept einfügte.

Romantisch ging es nach der Pause mit Edward Elgar weiter. Elgar wird zumeist nur mit der inoffiziellen Hymne »Land of hope and Glory« aus seinem berühmtesten Werk »Pomp and Circumstance« in Verbindung gebracht, hat aber weitaus mehr zu bieten. Die Serenade für Streichorchester ist ein Beweis dafür. Auch hier konnte man die präzise Herangehensweise hören. Das Orchester tappte jedenfalls nicht in die Falle, innerhalb der Sätze zu breiig zu werden, wozu die elegischen Klanggebilde - vor allem im Lagretto - sehr schnell verführen können. Auch hier blieb sich das Orchester treu.

Den krönenden Abschluss bildete dieses Mal die Suite »Aus Holbergs Zeit - Suite im alten Stil«, opus 40, von Edvard Grieg, der sie zwischen 1884 und 1885 verfasst hatte. Er komponierte das Stück anlässlich des 200. Geburtstags des dänisch-norwegischen Dichters Ludvig Baron Holberg. Als Hommage an ihn sind die fünf Sätze höfischen Tanz- und Liedformen des frühen 18. Jahrhunderts nachempfunden. Auch hier zeigte sich die hohe Qualität der Musiker: Präzise wie ein Uhrwerk arbeiteten sie die unterschiedlichen Formen der einzelnen Sätze und der damit verbundenen Tänze heraus.

Neujahrskonzert

Es spielten: Ariane Köster, Joachim Kreiter, Dorle Ellmers (Violinen), Jonathan Steinert und Matthias Timmlau (Violen), Christopher Blüthgen und Anja Schlemminger (Violoncelli) sowie Michael Götzen (Kontrabass). Der langanhaltende Applaus war mehr als gerechtfertigt für diese fulminante und durchweg gelungene Aufführung.

Für viele Besucher war der Sonntag der Auftakt der diesjährigen Konzertsaison gewesen. Das stimmte jedoch nur bedingt, denn die Reihe wurde bereits am 11. September auf der Burg Gleiberg mit dem »VolcanicBrass-Quintett« eröffnet. Doch das zählte für viele Besucher nicht so ganz, denn der angestammte Platz dieser Konzerte ist die kleine Kirche in der Mitte Wißmars, die eine fantastische Akustik für die Konzerte bereithält.

Die Konzertreihe wird am 8. Januar, 17 Uhr, natürlich in der evangelischen Kirche Wißmar, mit einem festlichen Neujahrskonzert fortgesetzt. Gemeinsam werden dann die beiden Trompeter Markus Bebek (Städtische Oper Frankfurt) und Heiko Herrmann (hr-Sinfonieorchester) Jens Amend an der Orgel begleiten.

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