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»Praktika müssen später angeboten werden«

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Von: Ingo Berghöfer

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HandwerkZimmerer_050822_4c_2 © Red

Innungsobermeister Christopher Rinn muss gleich mal mit einem alten Klischee aufräumen: »Man kann in unserem Beruf heute dank des technischen Fortschritts das gesetzliche Rentenalter erreichen, ohne sich vorher kaputt zu arbeiten.« Rinn selbst hat noch andere Zeiten erlebt, aber seitdem Kräne oder Förderbänder zum Standard gehören, macht ihm sein Beruf erst so richtig Spaß, sagt er.

Der technische Fortschritt hat aber nicht nur Erleichterungen gebracht, sondern auch die Anforderungen erhöht. Ohne CAD- und 3D-Software geht auch auf dem Bau nichts mehr. Alle Konstruktionen werden zuerst auf dem PC geplant, sagt Rinn. Im Gegensatz zu reinen »Schreibtischtätern« sehen Zimmerleute am Ende aber auch, was sie geschaffen haben. »Das ist sehr befriedigend.« Dass auch seine Branche heute Nachwuchssorgen hat, führt Rinn auch auf den Strukturwandel zurück. Früher habe es in jedem Dorf eine kleine Schreinerei oder einen Schlosser gegeben, wo junge Leute zwanglos erste Kontakte zum Handwerk knüpfen konnten. »Die Jugend war früher nicht besser als heute«, ist er überzeugt, »aber damals war der Anteil derer, die schon vorm ersten Praktikum ein Nageleisen in der Hand gehalten haben, größer«. Seiner Ansicht nach müsste die Berufsberatung in den Schulen verändert werden. Ein Praktikum mit 15 sei zu früh, da viele in dem Alter eher an die erste Liebe als an ihren späteren Beruf denken würden. (ib)

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