1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Premiere: Kölner Karneval Gast der GFV

Erstellt:

Von: Thomas Wißner

giloka_1902_jcs_Kammerkae_4c
Prominenter Besuch: Der Kölner Karneval ist mit der Tanzgruppe »Kammerkätzchen und Kammerdiener« vertreten. © Thomas Wißner

In der Kongress-Narrhalla wurde den 288 Besuchern bei der Prunksitzung der Gießener Fassenachts-Vereinigung im ebenfalls 288 Minuten langen Programm viel Neues geboten.

Gießen . Gießener Fastnacht trifft Kölner Karneval. 6x11 Jahre Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV) erlebten mit der Prunksitzung ihren Höhepunkt in der Saalfastnacht. In der Kongress-Narrhalla wurde dabei den 288 Besuchern im ebenfalls 288 Minuten langen Programm viel Neues geboten.

Mit flotten Klängen startete der Fanfarenzug Reiskirchen unter der Leitung von Christoph Aßmann den Stapellauf des von Günter Helmchen gesteuerten Narrenschiffs. Mit an Bord auch das Gießener Prinzenpaar samt Hofstaat und Ari. Einmal mehr oblag es dabei Inspizient Frank (Beck) Prinz Maurice I., Prinzessin Yulia I., Hofdame Carla und Adjutant Thorsten vorzustellen. Was es in 66 Jahren noch nie gegeben hat, diese Ehre wurde Hofmarschall Frank zuteil, der für seine nunmehr sieben Dienstjahre am närrischen Hof zum General-Inspizient befördert wurde.

Alfons Dörr und seine Combo geleiteten durch das Bordprogramm, während an den beiden Bühnenseiten einstige Glanzlichter der GFV-Fastnacht mit Schlammbeiser und drei Schwätzern zu sehen waren. Es war auch eine Fahrt in neue Regionen, gab es doch ein Gastspiel des Kölner Karnevals. Barhocker statt Bütt und Dunkelheit statt hellem Bühnenlicht, um so mit geschliffenen Worten der Fassenacht beim Jahresrückblick Ethik und Lyrik zurückzugeben, das schaffte Philipp Nickel. Ebenfalls aus Krofdorf-Gleiberg gekommen waren die von Gundi Grygar und Eduard Rovner geleiteten Harmonika-Junioren. Zum Motto »Das Leben ist bunt« passte nicht nur die Kleidung der Gruppe, sondern auch Lieder wie »Du hast den Farbfilm vergessen«, »Regenbogenfarben« bis hin zu »Rote Lippen soll man küssen«. Stehende Ovationen gab es dafür und eine Zugabe wurde fällig.

Gießens höchster Beamter, »Türmer« Peter Meilinger, stieg in die Bütt. Allerdings hatte er auch aus seinem Blickwinkel nicht viel Schönes gesehen. Erst sang er »Heile, Heile Gänsche« an und prangerte an, dass der Gießener Bürgermeister den Brandplatz zur Oase machen will: »Praxen werden dort verschwinden, Kundschaft und Steuern sinken. Den Anlagenring einspurig zu machen, darüber werden die Nachbarstädte lachen«.

Hatte zuvor bereits die Midi-Garde unter der Leitung von Sina Helmchen zu »Spanischer Sommer« getanzt, so zauberten das Tanz-Corps Blau-Weiss Windhagen beeindruckende Bühnenbilder mit atemberaubenden Hebefiguren, um sich dann mit »Mambo Number 5« als Zugabe zu verabschieden. Weitere Tanzdarbietungen kamen von Tanzmariechen Saskia und der von Laura Keiner und Sina Roggenkamp trainierten Junioren-Tanzgarde.

Politische Zwiegespräche gab es am Bühnenrand zwischen Helmut & Kohl alias Sven Steuerwald und Klaus Papenheim. Mit einem Roller fuhr »De Schwätzer« Sebastian Römer zur Bütt, um Fußball-WM, Fachkräftemangel, Berlin-Wahl und Energiekrise zu betrachten. »Ungelernte, das ist unser Kritik, gehen in die Politik«, prangerte er an und stimmte mit »Du hast Gießen toll vertreten« einen Lobesvers auf Ministerpräsident a.D. Volker Bouffier an. »Ich hab eine prima Leber und einen prima Kleber, da papp ich mich an den Tresen dran«, sang Römer am Ende seines Vortrags und leitete damit auch zur GFV-Gesangsformation »VoiceSeccos« über. Zur zwölfköpfigen Truppe unter der Leitung von Maritta Weimer-Römer gehören Senatspräsident Franz Koch und auch Präsidentin Anja Helmchen. »Wir sind wieder hier, feiern jetzt mit Dir« stimmte die Truppe an, um vor allem mit »Ich hab Konfetti in der Blutbahn« zu begeistern. Anschließend ließ Showpilot Daniel Golla seinen Modellflieger zum Fliegerlied über die Köpfe der Besucher fliegen. Mit der Tanzgruppe »Kammerkätzchen und Kammerdiener« war der Kölner Karneval zu Gast. Das Aushängeschild der Alten Kölner Karnevalsgesellschaft »Schnüsse Tring« 1901 zeigte einen Kasat-schok und füllte mit seinen 36 Tänzerinnen und Tänzern die Bühne komplett aus. »Wir schenken uns nix ist für den Mann nix, für die Frau aber eine Kleinigkeit«, gab Peti Müllejans in der Bütt zum Besten. Ihren flotten Jackpot-Tanz zeigte die Showtanzformation »InTakt« und vor dem großen Finale stieg Senatsvizepräsident Andreas Lenzer in die Bütt: »Die Innenstadt soll frei von Autos sein. Der Anlagenring eine Einbahnstraße, dann stehn die Leute schon in Lollar im Stau. Wenn’s gut läuft, fällt den Stadtwerken noch das ein oder andere Kanalrohr ein, was noch nicht repariert wurde.« Zum Finale stimmten die VoiceSeccos für das Prinzenpaar »One Moment in Time« an.

giloka_1902_jcs_Windhage_4c
Das Tanz-Corps Blau-Weiss Windhagen legt einen atemberaubenden artistischen Auftritt hin. © Thomas Wißner

Auch interessant