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Premiere mit Signalwirkung

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Von: Albert Mehl

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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lassen sich bei den Leichtathletik-Wettbewerben auf dem Außengelände des Sportinstituts nicht von den Unbilden des Wetters aus dem Konzept bringen. Foto: Mehl © Mehl

Zusammen mit der Uni-Leitung hatte es das Sportamt ermöglicht, dass das 20. Deutsche Down-Sportlerfestival nicht ausfallen musste und die Stadt an der Lahn eine besondere Premiere erlebte.

Gießen . »Wir sind gerne spontan eingesprungen«, war Frank-Tilo Becher die Freude anzumerken, als er in der prall gefüllten Spielhalle des Sportinstituts der Justus-Liebig-Universität den Einmarsch der rund 350 Sportlerinnen und Sportler samt Familien-Angehörigen miterlebt. Der Gießener Oberbürgermeister (SPD) hatte auch allen Grund dazu, froh und stolz zu sein. Denn zusammen mit der Uni-Leitung hatte es das Sportamt der Stadt ermöglicht, dass das 20. Deutsche Down-Sportlerfestival nicht ausfallen musste und die Stadt an der Lahn eine besondere Premiere erlebte.

Das Gelände am Kugelberg diente als Ersatz für das Bewegungsfest von überwiegend jungen Menschen, die mit dem Gendefekt Trisomie 21, dem Down-Syndrom, auf die Welt gekommen sind. Ersatz war kurzfristig notwendig geworden. Denn eigentlich war das sportliche Treffen am 21. Mai im traditionellen Austragungsort, dem Sport-und Freizeitzentrum Frankfurt-Kalbach, angesetzt gewesen. Nach zwei Jahren Pause, in denen es Corona-bedingt nur online stattfinden konnte. Doch die Frankfurter Verantwortlichen mussten kurzfristig absagen, weil der Komplex in Kalbach als Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine umgewidmet wurde.

»Ein Wahnsinn, dass Ihr alle da seid nach drei Jahren«, freute sich so auch Festivalchef Jens Dietrich bei der Begrüßung in der Spielhalle. Mit der von ihm komponierten Hymne »Das ist unser Tag« sorgte er bei manchem Besucher für Gänsehautfeeling beim stimmungsvollen Einmarsch. Etwa bei OB Becher. »Das war ein Flash, mir pocht noch das Herz«, gestand er wenig später. Während sich in der Frankfurter Vorstadt das muntere Treiben in der Regel in der großzügig bemessenen Sporthalle und auf dem angrenzenden Gelände abgespielt hat, wurde in Gießen die Weitläufigkeit des Sportinstituts genutzt. »Das klappt super mit der Anlage«, war jedenfalls Joelle Voigt von der ausrichtenden Agentur sehr angetan vom Ausweichquartier an der Lahn. Peter Stenico vom Hauptsponsor Hexal fand den »Mut zur Lücke« ungemein belebend. Ursprünglich sollte der Einmarsch zur Eröffnung im Leichtathletik-Stadion stattfinden, wurde aber aus Witterungsgründen in die Spielhalle verlegt.

Große Palette an Angeboten

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Leichtathletik-Wettbewerbe ließen sich jedoch vom zwischenzeitlichen Regen nur bedingt einschränken. Dafür war die Begeisterung an der sportlichen Bewegung zu groß. Genauso wie bei den verschiedenen Workshops, die zusätzlich in der Turn- und in der Gymnastikhalle, dem Hörsaal und auf dem Fußballfeld angeboten wurden. Die Palette des Angebots war gewohnt groß. Neben Leichtathletik lockten Basketball, Tischtennis, Kickboxen, Fußball, Hip-Hop, »Drums Alive«, Yoga, eine Modenschau, eine Geschwister-Olympiade, ein Musik- und Gesangsworkshop und vielfältige Spielmöglichkeiten.

Dazu hatten verschiedene Institutionen Informationsstände auf dem Gelände aufgebaut. Und etliche Promis wie die Skiläuferin Michaela Gerg, Kika-Moderator Andre Gatzke und Model-Experte Peyman Amin gaben sich ein Stelldichein. Zudem war die Bereitschaftspolizei nicht nur mit ihrem Maskottchen erschienen, sondern auch mit etlichen Kommissars-Anwärterinnen und -Anwärtern, die sich im Umgang mit Menschen mit Handicap erproben sollten.

Signalwirkung

»Inklusion spielt eine immer größere Rolle in unserer Gesellschaft«, wies Frank-Tilo Becher auf die Signalwirkung des Down-Sportlerfestivals hin. Das auch einen Vorgeschmack lieferte auf das nächste Jahr, wenn im Rahmen der Special Olympics World Games in Berlin Sportlerinnen und Sportler von der Elfenbeinküste in Gießen zu Gast sind. Das 21. Down-Sportlerfestival gastiert 2023 in der Nachbarschaft in Wetzlar.

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