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Bleiben die Bäume doch stehen? Quorum für Bürgerentscheid am Schwanenteich erreicht

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Von: Rüdiger Schäfer

Die Bürgerinitiative »Rettet die Bäume am Schwanenteich« veranstaltet in Gießen eine Menschenkette für den Erhalt und sammelt weiter Unterstützer.

Gießen – Wer vorher nichts davon gelesen oder gehört hatte, rieb sich am Sonntagmittag die Augen angesichts der großen Schar an Menschen: Verbunden mit einem rot-weißen Flatterband zog die Menschenkette um den Schwanenteich in Gießen. Das mehrmals skandierte »Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bäume klaut«, ließ ahnen, dass es wohl um die von der Stadt hier geplante Baumfäll-Aktion ging.

Dazu läuft derzeit ein Bürgerbegehren der Bürgerinitiative (BI) »Rettet die Bäume am Schwanenteich!«, die einen Kahlschlag am Spazierweg zwischen Schwanenteich und Wieseck verhindern will. Absicht der BI war, mit dieser Aktion weitere Aufmerksamkeit für dieses Bürgerbegehren zu erregen, um genügend Unterschriften für das Erreichen eines Bürgerentscheides zusammenzubekommen.

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Mit einer Menschenkette protestiert die BI »Rettet die Bäume am Schwanenteich!« gegen die Pläne der Stadt. Foto: Schäfer © Schäfer

Prostest am Schwanenteich im Gießen: Quorum von 3214 gültigen Unterschriften bereits erreicht

Doch das scheint gar nicht nötig zu sein: Von 2400 geprüften Unterschriften seien 2200 vom Wahlamt als gültig anerkannt worden. Abgegeben bei den drei Vertrauensleuten seien mehr als 3600, erzählte Dietmar Jürgens im Gespräch mit dem Anzeiger. Allerdings wolle man in den verbleibenden zehn Tagen »bis zum Abgabetermin die 4000er-Grenze knacken«. Stolz zeigten sich die Initiatoren, dass man noch vor Ablauf der achtwöchigen Frist das notwendige Quorum von 3214 gültigen Unterschriften bereits erreicht habe.

Mit zynischen Worten eröffnete Vertrauensmann Klaus Hass die Veranstaltung, zu der sich 130 Personen an der Schwanenteichbrücke eingefunden hatten. »Heute ist Totensonntag. Ein guter Tag, um den Bitterling und das Projekt zu Grabe zu tragen.« Mit dem »Pilotprojekt Bitterling« will die Stadt unter anderem den Damm sanieren, Unterwasserbeete zur Sauerstoffanreicherung sowie Fischaufstieg und -abstieg im Bereich des Südufers anlegen. Ein Nebengerinn der Wieseck soll auch das Freibad vor Hochwasser schützen.

Der Anblick ist mehr als ungewöhnlich: Der Gießener Schwanenteich verliert massiv an Wasser. Der Zustand könnte einige Zeit anhalten.

Prostest am Schwanenteich im Gießen: brutvogelreichstes Gebiet der Gegend

Dietmar Jürgens freute sich über die Teilnehmeranzahl: »Das zeigt uns, dass die Tiere hier Euch nicht egal sind.« Es sei erschreckend, dass eine Planung, die über ein Jahrzehnt alt sei, wieder aus der Schublade geholt worden sei. Inzwischen hätten sich Klima und Umwelt verändert, die Vogelwelt am Teich im positiven Sinne. Der Schwanenteich sei inzwischen sogar das brutvogelreichste Gebiet der ganzen Gegend. »Und jetzt den Dammweg abholzen? So nicht!«

Diana Schaeppe forderte, dass aufgehört werden müsse, die »Natur zu zerstören« und warb anschließend für die Teilnahme an der späteren Demo zur Umgehungsstraße Reiskirchen. Susanne Stoll trug ein selbst getextetes Gedicht in Liedform vor. Danny June Smith sorgte für die musikalische Begleitung der sonntäglichen Aktion. (Rüdiger Schäfer)

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