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Rappelvolle Auftragsbücher

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Von: Ingo Berghöfer

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giloka_1608_Tischler_ib__4c © Red

Von der vielbeschworenen Wirtschaftskrise merkt Tischler-Innungsobermeister Sven Keßler noch nichts. »Unsere Auftragsbücher sind rappelvoll«, sagt er stolz. Und selbst wenn der Bauboom einmal abebben sollte, bleibt Schreinern noch genug zu tun. Allein die Sanierung von Fenstern im Rahmen der Energiewende dürfte seine Branche noch auf Jahre auslasten.

Dennoch plagen auch Keßler und seine Kollegen Nachwuchssorgen, die dadurch verschärft werden, dass die Qualität der Bewerber nachgelassen habe. Das sei aber weniger ein Versäumnis der Lehrstellensuchenden - die seien »auch nicht klüger oder dümmer als früher« - sondern eher der Schulen, von denen er sich mehr Praxisorientierung erhofft. Früher hätten Auszubildende bereits Vorkenntnisse mit in den Betrieb gebracht, heute müsse man dagegen zumeist »bei Adam und Eva« anfangen. Wie viele Kollegen beklagt er auch falsche Anreize im deutschen Bildungssystem. Während jedes Studium eines wenig zukunftsträchtigen Orchideenfachs vom Steuerzahler subventioniert werde, fehle es im Handwerk trotz der Einführung des Meister-Bafögs an einer ähnlich umfassenden Unterstützung. Die hierzulande vorherrschende Dominanz der Theorie über die Praxis erlebt Keßler auch regelmäßig im Job. Da müsse man Architekten auch immer wieder klar machen, dass das, was auf dem Papier oder im PC funktioniert, nicht unbedingt auch in der Wirklichkeit funktionieren muss. (ib) Foto: LittleDwangs (CC BY-SA 4.0)

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