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Reichgedeckter Tisch für Reiher

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Von: Rüdiger Schäfer

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Das große Fressen: Zahlreiche Fischreiher freuen sich über leichte Beute. Foto: Schäfer © Schäfer

Es gibt Probleme beim »Wintern« des Schwanenteiches, doch die Reieher freut’s. Sie finden ihr einfach »fette Beute«. Bisher wurden 500 Kilo Fische entnommen. BI ruft für Sonntag zur Demo auf.

Gießen. Das Abfischen des Schwanenteiches und dessen Trockenlegung erhitzt derzeit die Gemüter der Bürgerinitiative (BI) »Rettet die Bäume am Schwanenteich!«, die für ein Bürgerbegehren derzeit Unterschriften sammelt. Außer Vertreter der Fraktion Gigg/Volt war zur Informationsveranstaltung der BI am vergangenen Montag (14.11.) - Vortrag von Horst Dreier: »Alternativen zum Kahlschlag« - niemand von den anderen Fraktionen und auch kein Magistratsmitglied der Einladung gefolgt. In der anschließenden Diskussionsrunde wurde behauptet, dass noch keine artenschutzrechtliche Prüfung erfolgt sei und deshalb noch kein entsprechendes Gutachten für die Dammsanierung vorliege. Die Stadt antwortete auf Anfrage des Anzeigers dazu: »Die Arbeiten zur Erstellung der artenschutzrechtlichen Prüfung sind noch nicht abgeschlossen.«

Etwa 500 Kilogramm Fische sind am letzten Wochenende im Schwanenteich gekeschert worden, teilte Pressesprecherin Claudia Boje mit. »Dabei waren Hechte, Schleien, Rotaugen, Flussbarsche, Brachsen, Bitterlinge und Rotfedern. An Muscheln eingesammelt wurden bislang Malermuschel, Große Teichmuschel sowie die Entenmuschel.« Wasserschildkröten wohl nicht. Bei der Absenkung an Tagen zuvor gelangten auch kleinere Fische durch das Ablassgitter. Was sich nach dem Abfischen am Sonnabend und Sonntag am Wochenanfang noch in den verbliebenen Wasserlachen an Fischen tummelte, stellte - wie von vielen Schaulustigen beobachtet - ein großes Festmahl für zahlreiche Silberreiher und deren Artgenossen dar. Dass das Wasser aus dem Teich nicht vollständig abfloss, begründete die Stadt mit der Errichtung der Schwanenteichbrücke vor der Landesgartenschau 2014: »Im Zusammenhang mit dem Bau des Steges wurde eine Steinpackung unmittelbar am Bauwerk vorgenommen, diese leichte Verwallung ließ den Wasserstand nicht wie gewünscht fallen.« Beim Schaffen von Durchflussrinnen durch das Schotterbett mit Pickel und Schaufel packte selbst Einsatzleiter Lothar Goldhorn vom Gartenamt mit an. Doch dies nutzte nicht wirklich. Schweres Gerät wurde zu Wochenbeginn eingesetzt. Doch auch ein Bagger konnte den vollständigen Abfluss nicht bewerkstelligen. Am gestrigen Nachmittag hatte es den Anschein, dass die mit Wasser gefüllten Bereiche größer geworden sind.

Wie wird es nun mit dem Schwanenteich weitergehen? Welche Schritte werden als nächste unternommen? Die Magistratssprecherin schrieb dazu: »Die Dauer für den nächsten Einsatz können wir nicht einschätzen. Sollte die Entscheidung der Stadt für eine Projektumsetzung Dammsanierung fallen, dann wird aus der gegenwärtigen Winterung evtl. eine anschließende Sömmerung.« Zur Winterung heißt es: »Die Winterung ist eine Wortschöpfung, die das gleiche Verfahren meint wie der Fachbegriff »Sömmerung« nur eben im Winter stattfindet.«

Zum Zeitplan der Sanierung des Längsufers an der Eichgärtenallee wurde mitgeteilt: »Sollte die Entscheidung der Stadt für eine Projektumsetzung Dammsanierung fallen, werden aller Voraussicht nach die vorgesehenen bekannten Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung des Schwanenteichs umgesetzt.« Es ist vorgesehen, dass in vier Wochen, am 15. Dezember, das Stadtparlament einen entsprechenden Beschluss fasst. Das Bürgerbegehren hat noch zwei Wochen Zeit, um 3214 gültige Unterschriften bis spätestens 1. Dezember beim Wahlamt abzugeben. Nachdem dort bereits Listen mit insgesamt 2500 Unterschriften abgegeben wurden, bei den Vertrauensleuten noch weitere gut 500 sich in Verwahrung befinden, riecht es ganz stark nach Bürgerentscheid.

Allerdings befand das Wahlamt bei der ersten Sichtung zehn Prozent der Unterschriften als ungültig. Über einen Bürgerentscheid muss das Stadtparlament in seiner nächsten Sitzung am 15. Dezember befinden. Kommt es dazu, muss dieser in dem gesetzlich vorgesehenen Terminfenster zwischen dem 15. März und 15. Juni durchgeführt werden. Der Entscheid läuft dann wie eine Kommunalwahl ab. Dies bedeutet für den vorgesehenen Kahlschlag des Dammweges auf der Schwanenteichseite, dass - bei einem negativen Ausgang des Bürgerentscheides - der Kahlschlag erst im Oktober beginnen könnte. Denn ab dem 1. März eines Jahres dürfen keine Bäume mehr gefällt werden.

Menschenkette

Um ihre Unterschriftensammeln zu befeuern und gegen den vorgesehenen Kahlschlages zu demonstrieren, lädt die BI für kommenden Sonntag zu einer Menschenkette am Schwanenteich ein. Treffpunkt ist um 12 Uhr auf der Schwanenteichbrücke.

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