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Ria Deeg kommt ins Museum

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Die Biografie von Ria Deeg findet ihren Platz im Museum in Gießen. Das haben Grüne, SPD und »Gießener Linke« beschlossen.

Gießen (olz). Die Lebensgeschichte von Ria Deeg bekommt einen Platz im Oberhessischen Museum. Das hat die Koalition von Grünen, SPD und »Gießener Linke« in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag beschlossen. »Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber es kann keinen Zweifel daran geben, dass das kein Ersatz für einen ›Gießener Kopf‹ ist«. sagte Frank Schmidt von der SPD.

»Natürlich hat Ria Deeg eine sehr wichtige Rolle in der Geschichte der Stadt und im Widerstand gegen den Nationalsozialismus«, erklärte Dr. Moritz Florian Jäger von den Grünen. Dies solle gewürdigt werden. Das Museum sei dafür aber der richtige Ort, so Jäger. Denn die Biografie der im Jahr 2000 verstorbene Gießenerin, die unter anderem Landesvorsitzende der KPD gewesen sei, habe auch problematische Seiten.

»Das war bereits vorgesehen«

Die »Omas gegen Rechts«, die am Donnerstag ebenfalls vor der Kongresshalle demonstrierten, sind anderer Auffassung als die Koalition. »Die Grünen wollen Ria Deeg einen Platz im Oberhessischen Museum einräumen? Das hätten sie nicht beantragen müssen, denn das war bereits vorgesehen. Wir fänden es schade, wenn durch Teile der Diskussion in den letzten Wochen das Gedächtnis an Ria Deeg nachhaltig beschädigt würde - das hat sie nicht verdient«, heißt es in einem Offenen Brief.

Mit einer Stele für Ria Deeg im öffentlichen Raum könne nach Auffassung der »Omas gegen Rechts« eine Lücke im Kreis der »Gießener Köpfe« geschlossen werden: »Sie wäre die erste (und vermutlich auch die einzige) Gießener Person aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Bisher werden ausschließlich Opfer der Nazis so geehrt. Ria Deeg war beides. Sie wäre die erste (und vermutlich auch die einzige) Person aus der Arbeiterklasse, die mit einem ›Kopf‹ geehrt werden könnte. Bisher haben wir nur Personen aus bürgerlichen Verhältnissen, auch unter den wenigen ›Linken‹ in der Gruppe. Zusammengefasst: Sie war eine Frau, die auch gerade für Gießen unendlich viel getan hat: im Widerstand gegen die Nazis und Opfer der NS-Justiz, im Wiederaufbau nach 1945, als engagierte Pazifistin, unermüdliche Zeitzeugin, tief verankert in der Gießener Zivilgesellschaft ihrer Zeit bei hoher Akzeptanz ihrer Person über alle Parteigrenzen hinweg«, heißt es in dem Offenen Brief.

»Parteipolitische Zusammenhänge«

Und weiter: »Die parteipolitischen Zusammenhänge scheinen nun aber für manche Stadtverordneten wichtiger zu sein als die eigentliche, zutiefst humanistische und demokratische Lebensleistung der Ria Deeg«, so die »Omas gegen Rechts«, die in ihrem Offenen Brief FDP, CDU und Grüne direkt kritisieren.

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