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Rode, Rödche, Rödgen

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Dörflich geprägt mit eigenem Charme: der Stadtteil Rödgen. © Gießen Marketing

Gitarren von Weltruf und Naturdenkmäler: Der kleinste Stadtteil Gießens hat Großes zu bieten. Seine Ersterwähnung ist 1326 urkundlich verbrieft.

Gießen (red). Gießen ist viel mehr als nur die Kernstadt - in den Stadtteilen der Universitätsstadt gibt es ebenfalls eine Menge zu entdecken. Heute stellt die Gießen Marketing GmbH (GiMa) Rödgen vor.

War lange Zeit Allendorf, gemessen an der Bevölkerungszahl, der kleinste Stadtteil Gießens, so kann sich seit rund vier Jahren Rödgen mit diesem Titel versehen. Nur rund 1900 Menschen leben in diesem Ort im Osten des Stadtgebietes. Malerisch an einem Hang oberhalb der Wieseckaue gelegen und landschaftlich zum Busecker Tal gehörend, liegt das beschauliche Dorf, das in vier Jahren sein 700-jähriges Bestehen feiern wird. Die älteste gesicherte schriftliche Erwähnung von Rödgen erfolgte unter dem Namen Rode 1326 in einer hessischen Urkunde. Begrenzt wird Rödgen von der Kernstadt Gießen sowie von den Gemeinden Buseck und Fernwald.

War der Anschluss an die Stadt Gießen in Lützellinden und Wieseck mit teils erheblichem Widerstand der Bürgerinnen und Bürger verbunden, ging Rödgen freiwillig 1971 zum Gießener Stadtgebiet über. Als Anekdote gilt in diesem Zusammenhang ein Vorfall beim Umzug der dörflichen Verwaltung ins städtische Rathaus, der als »Brödche von Rödche« in die Dorfannalen einging: Im Kassenraum der damaligen Rödgener Verwaltungsstelle, verschwand der Schlüssel zum dortigen Tresor. Jahre später tauchte ein Kästchen mit mehreren Schlüsseln auf, darunter auch der gesuchte Tresorschlüssel. Hoffte man vielleicht auf verborgene Schätze oder wichtige Unterlagen, war es vielmehr ein steinhartes Brötchen mit Bierschinken belegt, das die Jahre im Tresor in sicherer Verwahrung zumindest äußerlich gut überstanden hatte. Ein auf diese Anekdote verweisendes Exponat ist auch im Rödgener Heimatmuseum ausgestellt.

Einen Spitznamen haben die Rödgener natürlich auch: Er lautet »Räärer Hoink«. Der Hoink, ein Mus aus Zwetschgen wurde fast in jedem Haushalt gekocht und war für die Rödgener der wichtigste Brotaufstrich.

Gleich drei der fünf Naturdenkmäler auf städtischem Grund sind in der Rödgener Gemarkung zu finden. Am bekanntesten ist sicher die »Tausendjährige Eiche« - eine imposante Stieleiche von rund 350 Jahren, die mit einem Stammumfang von sechs Metern und einem rund 15 Meter hohen Kronendach aufwarten kann. Sie steht an der Ecke Geiselstrauchweg/Seeweg.

Ebenfalls imposant ist der schöne Kastanienbaum, der an der Ecke Rosengasse/Am Bergwald wächst und mit einer Bank zum Verweilen einlädt. Dritter im Bunde der Naturschätze ist die Schillerlinde, eine 1859 gepflanzte Winterlinde zum Gedenken an den Dichter Friedrich Schiller. Sie ist in der Nähe des Sportplatzes zu finden.

Wie so viele Dörfer im Gießener Land, ist auch Rödgen mit einem schmucken Kirchenbau gesegnet. Das hessische Kulturdenkmal, im barocken Stil erbaut, liegt ortbildprägend auf einer kleinen Erhöhung inmitten des Ortes.

Unter dem Dach des Bürgerhauses blüht das Dorfgeschehen der Vergangenheit wieder auf: Das Heimatmuseum zeigt Ausschnitte aus dem Leben früherer Zeiten. Die Wohnkultur wird beim Gang durch Küche, Schlafzimmer und die gute Stube deutlich. Auch an typische Berufe wird anschaulich erinnert. An verschiedenen Exponaten können die Besucher experimentieren und wunderliche Dinge aus dem Schrank »Was ist Was« in die Hand nehmen, um sie ihren Aufgaben von einst zuzuordnen. Zugang zum Museum erhält man über eine Anfrage an den Förderverein unter 0641/ 47631.

Für anregende Spaziergänge bietet die Umgebung von Rödgen viele Möglichkeiten. Eine Besonderheit ist sicher das seit 1997 bestehende Naturschutzgebiet »Aschborn und Uderborn bei Rödgen«. Es liegt zwi-schen der Kreisstraße 22, der Bundesstraße 49 sowie der Ortsrandlage Rödgen und einem Gewerbegebiet. Auf den 53 Hektar finden sich kleinräumige Strukturen wie ein landesweit bedeutsames Quellmoor. Seltene Tier- und Pflanzenarten haben sich hier angesiedelt.

Das kleine Rödgen beherbergt eine Firma von Weltruf: Lakewood Guitars. Untergebracht ist die Gitarrenmanufaktur in der einstigen Zigarrenfabrik von Rinn & Cloos direkt an der Hauptstraße. Seit 1986 baut hier das Team um Gründer Martin Seeliger die hochwertigen Musikinstrumente, die Künstler wie Richie Blackmore oder auch Gregor Meyle schätzen und bespielen.

Außerdem gab es in Rödgen ein Geburtshaus, in welchem die erste Unterwassergeburt in Hessen durchgeführt wurde. Heute werden dort Mütterhelferinnen ausgebildet.

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