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Rosenmontagszug der besonderen Art

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Mit Warnweste, Kapp und guter Laune: die Teilnehmer der Trash-Tour 2022. © Wißner

Seit 2001 sind Prinzenpaare, Präsidiumsmitglieder und Freunde der Gießener Fassenachtsvereinigung an Rosenmontag auf »Trash-Tour« durch die Stadt .

Gießen. Es ist noch nicht allzu lange her, da gab es am Rosenmontag in der Ludwigstraße so gut wie keine Möglichkeit in eine der zahlreichen Kneipen hineinzukommen, war die Straße für den Autoverkehr gesperrt und das Gedränge auf den Straßen wie auch in den überfüllten Kneipen groß. Aus dieser Not heraus beschlossen 2001 Markus Poser, Günter Helmchen und Lutz Hirmke, eine Trash-Tour zu Gießens »außergewöhnlichsten Kneipen« an jenem Tag zu unternehmen. Der Online-Duden definiert Trash übrigens für Ramsch oder Schund.

Aufgesucht werden sollten am Rosenmontag jene Kneipen, die ansonsten nicht auf dem Plan stehen würden. Eigentlich hätte am gestrigen Rosenmontag die 22. Tour starten sollen, doch Corona verhinderte im vergangenen Jahr eine Trash-Tour, sodass nun gestern mit der 21. Tour auch nachträglich das 20-jährige Jubiläum gefeiert wurde. Erfolgte einst der Start nach einem stärkenden Mittagessen im »Alt Gießen«, so war es gestern wie auch in den letzten Jahren das Waldbrunnenheim, wo sich die illustre Teilnehmerrunde traf, um nach einem stärkenden Schnitzelschmaus zur Kneipen-Runde 2022 aufzubrechen.

Wie bereits 2011 lautete erneut das Motto »Net lang schnacken - Kopp in’n Nacken«. Was in den ersten Jahren eine reine Männerdomäne war, hat auch hier die Gleichberechtigung Einzug gehalten, sind Frauen mit dabei, wenn die Tour startet. Nach einjähriger Corona-(Zwangs-)Pause war diesmal Flexibilität gefragt, gab es doch keinen, wie in all den Jahren zuvor, minutiös ausgearbeiteten Plan. Zu Beginn sind die Kneipen sogar vorab über die genaue Ankunfts- - oder besser ausgedrückt Einzugszeit - schriftlich informiert worden. Es erleichterte dies auch stets die Thekenarbeit, standen doch direkt beim »Einmarsch« frisch gezapfte Biere parat.

Bedingung war es nämlich, in jeder aufgesuchten Kneipe ein Bier zu trinken. »Hinter der Idee, jene Kneipen aufzusuchen, die sonst eher selten oder gar nicht besucht werden, steht natürlich auch, dass es bei dieser Challenge einen Gewinner geben muss. Und Gewinner wurde stets derjenige, der am längsten durchhielt«, verrät Günter Helmchen. Was so um 12 Uhr begann endete laut »Lokalfahrplan« um 21.30 Uhr.

Genauer Fahrplan

Den Trash-Tour-Plan von 2004 hatten sich die Teilnehmer gar auf die Rückseite eines T-Shirts drucken lassen, das gestern Ex-Prinz Joachim Mohr trug. Damals ging es um 13.11 Uhr im Alt Gießen los, 13.43 Uhr Brasserie, 14.15 Uhr Charly’s Ventilchen, 14.46 Uhr Zum Schipkapass, 15.18 Uhr Badewanne, 15.47 Uhr Türmchen, 16.13 Uhr Quantum, 16.42 Uhr Schwemme, 17.14 Uhr Hawwerkasten, 17.36 Uhr Café Sauer, 18.12 Uhr Key West, 18.33 Uhr Zur guten Quelle, 18.56 Uhr Quadratmeter, 19.22 Uhr EL-BE-ES, 1951 Uhr Ascot, 20.11 Uhr Unikum, 20.34 Uhr Zwibbel, 20.59 Uhr Klimbim und 21.26 Uhr Apfelbaum. In jeder der aufgesuchten Lokalitäten musste ein Stempel auf dem Trash-Tourplan als Nachweis aufgedrückt werden. Weil es einen solchen etwa in der »Badewanne« nicht gab, wurde dort von der Wirtin eben eine Badewanne gezeichnet und signiert.

Zum Gründungstrio gesellten sich im Lauf der Zeit aus den Reihen der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV) ehemalige Präsidiumsmitglieder wie auch Prinzenpaare oder einfach »befreundete Närrinnen und Narren« dazu. So machten etwa Joachim Mohr, Frauke Döll, Berno Balser, Anja Helmchen, Ulrich Würtele, Klaus Peter Möller, Franz Koch, Jörg und Manuela Langsdorf mit, trugen Kapp und Button mit Mottoaufdruck. Einige schlüpften auch in Westen mit dem Aufdruck »De Präsi«, »Schefmoss«, »Petrocelli«, »Schlomoklickstein«, »Brauseotter« und »Dr. Woodleg«.

Warmes Bier

»Es gibt so viele schöne Erlebnisse und durch die Bank sind wir in den Lokalitäten nett empfangen worden. Am besten in Erinnerung ist noch die lustige Sperrung der Frankfurter Straße mit einem rot-weißen Band, damit wir alle die Straße überqueren konnten, als es in die Friedrichstraße in eine mittlerweile abgerissene Kneipe ging. Dort gab es stets warmes Bier«, blickt Mohr auf das Jahr 2004 zurück. Auch passierte es, dass sich in den aufgesuchten Kneipen Personen der Trash-Tour spontan anschlossen. »Allen hat’s gefallen«, verrät Andreas Walldorf, dessen Lokal im City-Center in diesem Jahr auch auf dem Plan stand, neben »Dutte Louis«, »Krombacher-Eck«, »Stadt Marburg«, »Hawwerkasten«, »Quantum«, »Ihrings«, ASV-Sportheim und »Inseltreff«. Alles wird natürlich zu Fuß abmarschiert, denn Autos bleiben bei diesem Rosenmontagszug in der Garage.

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