BUCHVORSTELLUNG

Rückbesinnung auf den Ursprung

Gießen (rfi). Unter dem Titel »Stille Zeit« legt Friedhelm Häring, Kunsthistoriker und früherer Museumsdirektor des Gießener Oberhessischen Museums, ein Weihnachtsbuch vor, das in seiner Rückbesinnung auf den Ursprung des Festes und ein Weihnachten fern von Kommerz und Kaufrausch eine echte Alternative darstellt.

24 Gedichte zum Winter, Advent und zum Heiligabend, einen Prolog und einen Epilog sowie eine Weihnachtserzählung vereint der Band zu einer gelungenen Mischung Weihnachtsbräuche, zusammengestellt von Isabelle Dollinger, und Illustrationen von den Kindern Maxima, Karlotta und Karl Saueressig kommen außerdem hinzu. Erschienen ist das Drei-Generationen-Buch im Verlag Marlies und Thomas Müth.

Schon die ersten Gedichte: »Der erste Advent«, »Wehmut«, und »Ahnung« durchzieht ein melancholischer Grundton. Advent ist hier eine Zeit der Besinnung und des Innehaltens. Jahreszeitlich bedingte Motive wie erster Schnee und Zug der Kraniche bestimmen die Metaphorik der Gedichte. Schon dabei wird der zyklische Charakter der Gedichtfolge erkennbar.

Verschiedenen Bräuchen wie dem Adventskranz und dem Adventskalender folgt Isabelle Dollinger bis zu ihren Wurzeln zurück. Heiter-besinnlich gibt sich dann das Gedicht »Vorfreude«, das in die Verse mündet: »Das Krippenkind im Kerzenschein / probt bereits den Weihnachtssegen«. Wie auch in Bachs »Weihnachtsoratorium« ergibt sich im folgenden Gedicht »Erlöser« die Nähe von Christi Geburt zur Kreuzigung. Gesellschaftskritisch ist das Poem »Junger Migrant ohne Begleitung«.

Maxima Saueressigs Gemälde eines Weihnachtsbaums mit vielen goldenen Sternen kündet von der Weihnachtsfreude und der Erlösung. Von der Entfremdung des heutigen Weihnachtstreibens vom Ursprung des Festes handelt das Gedicht »Frohe Botschaft«. Weihnachtsfrieden strahlt das Poem »Endlich« aus. Einfühlsam illustriert von Karlotta Saueressig führt »Corona-Weihnacht« in die Welt der Pandemie. Karl Saueressigs Bild mit Haus und Weihnachtsstern vermittelt weihnachtliche Geborgenheit.

Den Abschluss des Buchs macht die Weihnachtsgeschichte »Weihnachten in Ellar«. Sie schildert Weihnachten im Kreise einer ländlichen Großfamilie. Die Geborgenheit der Menschen, die einfachen Geschenke und Weihnachtsbräuche lassen mehr vom ursprünglichen Sinn der Weihnacht ahnen als so manche moderne konsumorientierte Weihnachtsfeier. So gelingt Häring ein schönes Buch, das Maxima, Karlotta und Karl Saueressig wunderschön illustriert haben. Sehr zu empfehlen!

Friedhelm Häring: Stille Zeit - Ein Drei-Generationen-Buch. 88 Seiten. 24 Euro. Verlag Marlies und Thomas Müth.

Die Druckwerkstatt und Galerie Edition Noir lädt an diesem Wochenende, 4. und 5. Dezember, von jeweils 11 bis 17 Uhr zu einem Werkstattbesuch ins Atelier nach Nieder-Bessingen (Ettinghäuser Straße 8) ein. Dann stellt dort auch Friedhelm Häring sein neues Weihnachtsbuch »Stille Zeit« vor.

Gezeigt werden außerdem neue Arbeiten von Petra Schuppenhauer und Franziska Neubert aus Leipzig sowie Holzschnitte von Peter Zaumseil aus dem Vogtland. Der Glasdesigner Lukas Witzmann präsentiert filigrane Lichtobjekte und im Archiv werden auch unbekannte Arbeiten des vor einem Jahr gestorbenen Günther Herrmann gezeigt.

Weitere Öffnungszeiten der Galerie sind donnerstag und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 14 Uhr.

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