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Russisch in Gießen? Njet

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In der Goetheschule wird muttersprachlicher Unterricht in Kroatisch und Griechisch gegeben. © Schäfer

Kroatisch, Griechisch und Polnisch werden als muttersprachlicher Unterricht in Gießen angeboten. Russisch jedoch nicht. In einer Sitzung der Ausländerbeiräte Stadt und Kreis wurde darüber diskutiert.

Gießen. Einen Ausländerbeirat gibt es sowohl in der Stadt als auch im Kreis Gießen. Eine gemeinsame Sitzung - vor einigen Wochen war ein im Bürgerhaus Rödgen geplanter Termin coronabedingt ausgefallen - wurde jetzt im digitalen Format nachgeholt, geleitet vom Kreisvorsitzenden Tim van Slobbe. Mehr als 60 Teilnehmer waren zugeschaltet. Einen breiten Diskussionsraum nahm der muttersprachliche Unterricht in Gießen und Umgebung ein.

140 Nationen leben allein in Gießen. »Muttersprache ist das Wichtigste, um uns richtig ausdrücken zu können«, betonte der Stadtvorsitzende Zeynal Sahin. Jeder, der seine Muttersprache gut beherrsche, könne die deutsche Sprache viel besser erlernen. Muttersprachlicher Unterricht wird in Gießen auf drei verschiedenen Ebenen vermittelt. So bietet der Stadtausländerbeirat Arabisch, Persisch, Griechisch und Ukrainisch an. Fremdsprachenunterricht gibt es auch in den Volkshochschulen von Stadt und Kreis. Als dritte Möglichkeit kommt an den Schulen der herkunftssprachliche Unterricht hinzu, für den das Staatliche Schulamt zuständig ist. Von dieser Behörde nahmen Kerstin Gromes und Christoph Bach an der Sitzung teil. Sie gewährten einen Überblick über die derzeitigen Optionen in der Region.

Vorrangige Aufgabe des herkunftssprachlichen Unterrichts ist es, die Zwei- und Mehrsprachigkeit als besondere Qualifikation zu erhalten und zu fördern. Den Schülern sollen Hilfen zur Integration in die hiesige Gesellschaft gegeben und ihre interkulturelle Kommunikations- und Handlungsfähigkeit gestärkt werden. Der spezifische Unterricht soll die Erfahrungen und Lebensumstände der Schüler in den Mittelpunkt rücken und ihr individuelles Vorwissen berücksichtigen. Je nach Sprache wird der Unterricht in Verantwortung des Landes Hessen, in Verantwortung des Herkunftslandes oder in beidseitiger Kooperation angeboten.

Wer kann am Unterricht teilnehmen? Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 10, die aufgrund ihrer Herkunft Vorkenntnisse in einer der Sprachen mitbringen. Dieser wird stufen- und schulformübergreifend an zentralen Standorten als Wahlfach erteilt. Die Teilnahme kann im Zeugnis vermerkt werden.

Kroatisch laufe »derzeit gut«, so Bach. Es wird - generell nachmittags - montags in zwei Gruppen (Jahrgang 1-4 und 5-10) in der Goetheschule unterrichtet. Außerdem Griechisch, montags und dienstags in drei Gruppen.

Polnisch wird dienstags und donnerstags für zwei Altersstufen in der Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten (WSO) gelehrt, zudem donnerstags an der Theodor-Heuss-Schule in Laubach. Beim Türkischunterricht gebe es die Besonderheit, dass in der Türkei ausgebildete Türkischlehrer nach Deutschland entsandt würden. Gromes: »Das lief mal einige Wochen gut, dann waren keine Kinder mehr da.« Seynal dazu: »Vieles ist ziemlich schiefgelaufen, weil die Lehrer nicht entsprechend pädagogisch ausgebildet sind.« Türkischunterricht wird derzeit nicht in Gießen, dagegen in Homberg/Ohm, Alsfeld und Lauterbach abgehalten. Trotz großer Nachfrage sei Russisch nicht im Portfolio.

Heimatlicher Sprachunterricht könne oft nicht angeboten werden, weil Herkunftsländer dies nicht finanzieren wollten. Da besonders viele Aramäer in Pohlheim wohnen, gebe es ein Planungsprojekt für die Adolf-Reichwein-Schule in Watzenborn-Steinberg. Problem stelle hierbei die Finanzierung dar, weil es für Aramäer, die in verschiedenen Ländern beheimatet waren, keinen Staat gebe, der die Kosten übernehme.

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