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Sänger, Naturforscher, Maler

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Von: Petra A. Zielinski

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Teilnehmer und Veranstalter freuen sich über den gelungenen Erlebnistag »1000 Rollen - Dein Job«. Foto: Zielinski © Zielinski

Erlebnistag unter dem Motto »1000 Rollen - Dein Job!« an der Aliceschule in Gießen macht Werbung für den abwechslungsreichen Beruf des Erziehers.

Gießen. Fachkräftemangel im Erzieherberuf war schon vor Corona ein großes Thema. Durch die Pandemie hat sich die Situation weiter verschärft. Bundesweit fehlen bereits jetzt über 100 000 Erzieher(innen). Bis 2030 rechnen Studien sogar mit bis zu 230 000 fehlenden Fachkräften. Die Auswirkungen sind bereits für alle Beteiligten deutlich spürbar: Träger können den Familien nicht ausreichend Kitaplätze zur Verfügung stellen, Betreuungszeiten müssen gekürzt werden. Die Kita-Teams arbeiten an der Belastungsgrenze.

Um Werbung für den anspruchsvollen Beruf des Erziehers zu machen, lud die Gießen@Schule gGmbH gemeinsam mit der Aliceschule interessierte Schüler(innen) zu einem Erlebnistag ein. Unter dem Motto »1000 Rollen - Dein Job!« wurden unter anderem die Vielfalt des Berufs sowie die zahlreichen Möglichkeiten aufgezeigt, wo Erzieher(innen) zum Einsatz kommen.

Auf spielerische Weise wurde gezeigt, dass man in diesem Beruf Kinder und Jugendliche nicht nur beim Aufwachsen, Spielen und Lernen begleitet, sondern auch in schwierigen Situationen unterstützt und gleichzeitig ein wichtiger Ansprechpartner für Eltern ist.

Kreativität ist gefragt, denn im Erzieherberuf schlüpf man vom Sänger bis zum Naturforscher und Maler in viele unterschiedliche Rollen. Um zu testen, ob sie für den Beruf überhaupt geeignet sind, konnten Interessierte - aber auch Profis - spannende Aufgaben in einem mobilen Escape Room lösen. Darüber hinaus standen Vertreter der Stadt Gießen, der Awo, der Lebenshilfe, der Agentur für Arbeit und des Agnes Förderwerks für Fragen bereit.

»Die Erwartungen von Eltern an Kindertagesstätten sind gestiegen«, betonte Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser. Mehr denn je erwarte man eine verlässliche und hochwertige Ausbildung. Wichtig sei es, den Standort Aliceschule zu stärken und gegebenenfalls auszubauen. Leider gäbe es an der Universität Gießen keinen Studiengang Frühkindliche Bildung. Aktuell habe man mit Qualifizierungsprojekten, beispielsweise für Zugezogene, begonnen. »Berufsvorbereitung an Schulen ist sehr wichtig«, betonte die hauptamtliche Stadträtin.

»Unser Ziel ist es, Jugendliche für den Beruf des Erziehers zu interessieren«, erklärte Martina Röder, Schulleiterin der Aliceschule. Die 1000 Schüler(innen) zählende Schule vereine die drei Säulen Ernährung, Körperpflege und Sozialpädagogik. Leider würde das Lehramt für Fachschule in Hessen nicht gelehrt. Viele der Lehrer seien Quereinsteiger aus der Praxis.

Dass die städtischen Kitas gut mit der Aliceschule zusammenarbeiteten, unterstrich Vanessa Van Harsselaar, Abteilungsleiterin der Kindertagesstätten Gießen. »Wir haben den Druck, mehr auszubilden und freuen uns immer über neue Impulse in der täglichen Arbeit.« Insgesamt sei es nicht mehr so einfach wie früher, die offenen Stellen in den sieben Kitas zu besetzen.

»Quereinsteiger sind in allen Bereichen notwendig«, unterstreicht der Geschäftsführer der Gießener Awo, Jens Dapper. »Aus diesem Grund brauchen wir mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.« Man arbeite gut mit den Schulen zusammen und lege Wert auf eine hohe Qualifikation der Mitarbeiter(innen). Neben der klassischen, bis zu fünf Jahre dauernden Erzieherausbildung, würde seit 2019 mit der dreijährigen praxisintegrierten Ausbildung zum staatlichen Erzieher(in) (PiVa), die das Berufsanerkennungsjahr beinhalte, ein neuer Weg beschritten.

Die Geschäftsführerin Bereich Personal der Lebenshilfe Gießen, Linda Hauk, wies darauf hin, dass auch in der Jugendhilfe und der Erwachsenenpädagogik dringend Personal gesucht werde. Leider seien die Zugangsvoraussetzungen für Quereinsteiger schwer.

»1000 Rollen - Dein Job!« ist die Werbe- und Imagekampagne für den Erzieher(innen)beruf der Hessischen Landesregierung. Der Erlebnistag wurde in Kooperation zwischen dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, der Stadt Gießen sowie weiteren Akteuren der Schulen, Trägern der Kinder- und Jugendhilfe und der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt. Allein 2022 wurden in diesem Rahmen 500 Leute ausführlich über den Erzieher(innen)beruf informiert.

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