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Schaden nach Brand höher als angenommen

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Gießen (bcz). Ein Somalier soll im Juli vergangenen Jahres sein Zimmer in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete (EAEH) angezündet haben. Da der 44-Jährige zum Tatzeitpunkt laut Staatsanwaltschaft unter »paranoider Schizophrenie in akuter, unbehandelter Form« litt, geht es in einem Sicherungsverfahren vor dem Landgericht Gießen wegen schwerer Brandstiftung und fährlässiger Körperverletzung um die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung.

Wie eine Zeugenbefragung vor der 6. Großen Strafkammer nun ergab, war der verursachte Schaden in der Unterkunft in der Rödgener Straße wohl höher, als zunächst angenommen. In der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft war die Summe mit 20000 Euro angegeben worden. Eine Mitarbeiterin des Regierungspräsidiums Gießen nennt nun rund 53000 Euro als Richtwert.

Der Mann soll eine Plastiktüte auf seinem Bett angezündet haben, der Brand breitete sich schnell aus, sodass mehrere Zimmer danach unbewohnbar waren. 76 Personen mussten evakuiert und die Räume schließlich saniert werden.

Seit dem Brand ist der Somalier in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Er habe sich am Tattag beobachtet gefühlt und geglaubt, dass in seiner Kleidung Kameras installiert seien, die ihn verfolgten. Die Unterkunft habe er verlassen wollen, um neue Kleider zu besorgen. Dass er sich zu dem Zeitpunkt in Quarantäne befand, sei so unerträglich für ihn gewesen, dass er sich nicht anders zu helfen gewusst habe, als einen Brand zu entfachen. »Er wollte niemanden in Gefahr bringen. Man merkte ihm an, dass er Hilfe suchte und brauchte«, sagte einer der Kriminalbeamten, der als Zeuge befragt wurde.

Bevor er nach Deutschland kam, hat der Beschuldigte viele Jahre in England gelebt und war dort schon wegen seiner Krankheit in Behandlung. Nach England möchte er auch wieder zurück. Da er zum Zeitpunkt des Brandes schuldunfähig war, hat der 44-Jährige keine Haftstrafe zu befürchten.

Seit seiner Unterbringung in der Klinik wird er als kooperativ beschrieben, die medikamentöse Behandlung schlage gut an. »Wenn er regelmäßig seine Medikamente einnimmt, dann ist alles gut«, sagte Staatsanwalt Alexander Hahn im Rahmen des Verfahrens. Die Behörden arbeiten eng zusammen, damit der Somalier direkt nach dem Urteil nach England in eine entsprechende Klinik überstellt werden kann. Da die dazu benötigten Papiere noch nicht vorliegen, wurden die ursprünglich für diese Woche geplanten Plädoyers sowie die Urteilsverkündung vertagt. »Das alles geschieht zu ihrem Besten und nicht, um sie zu quälen«, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Johann-Gottfried Lessing zu dem Beschuldigten, der dies mit einem Nicken quittierte.

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