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»Schafft Euch Eure eigene Welt«

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Die Liebigschule in Gießen verabschiedete ihre 147 Abiturienten und den »besten Jahrgang, den wir je hatten«.

Gießen . »Ihr seid der beste Jahrgang, den wir je hatten«: Dieses Zeugnis stellte Schulleiter Dirk Hölscher den diesjährigen Abiturienten der Liebigschule aus. Nach zweijähriger Pause konnte die Feier der Zeugnisübergabe im gewohnten Rahmen und ohne Beschränkungen in der Kongresshalle stattfinden. »Ihr seid der erste neue G-9-Jahrgang«, so Hölscher weiter. Die politische Diskussion um die unterschiedlichen Schulformen sei nach wie vor gespalten. Während im Osten nach wie vor das G8-System zum Abitur führe, gebe es im Westen beide Formen.

Auch ernste Töne

Nicht ohne Stolz verkündete er, dass der Notendurchschnitt der 147 Abiturienten 2,07 beträgt und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt liegt. Die Traumnote 1,0 erreichten sieben von ihnen, und das trotz widriger Begleitumstände wegen Corona. Daher dankte er allen Lehrern, die die Schüler diese 13 Jahre über begleiteten, denn sie alle hätten ihren Anteil an diesem Erfolg.

Ernste Töne schlug Christian Heimbach in seiner Rede an, die er im Namen des Kollegiums hielt. Bei seiner letzten Rede habe er Rilke zitiert. Doch dieser passe nicht mehr in die jetzige Zeit, die so besonders sei, da die Pandemie und ein unsäglicher Krieg über uns alle hereingebrochen seien. Er zitierte vielmehr Jean-Paul Sartre: »Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein. Verurteilt, weil er sich nicht selbst geschaffen hat, und dennoch frei, weil er einmal in die Welt geworfen, für all das verantwortlich ist, was er tut.« Dies sei eine große Verantwortung für jeden. »Wir dürfen, wir müssen uns jeden Tag entscheiden.« Daher riet er den Absolventen, sich bewusst für den eigenen Weg zu entscheiden, sonst werde über ihn entschieden. »Setzt Euch mit dem Leben auseinander und sucht Euch Orte, wo Ihr Eurer Leben spürt.« Schließlich kämen gewaltige Aufgaben auf diese Jahrgänge zu, denn frühere Generationen hätten ihre Freiheit missbraucht und die Welt zerstört. »Macht es besser als die anderen Generationen und schafft Euch Eure eigene Welt, die lebenswert bleibt«, gab er ihnen mit auf den Weg.

Für die Schülerschaft ergriff Aron Hels das Wort und zeichnete ein sehr persönliches Bild seines Werdeganges an der Liebigschule. Auch er sprach seinen Dank an das Kollegium und alle an der Schule tätigen Personen aus, die sehr viel Geduld mit ihnen bewiesen hätten. Traditionell zeichnete dann der Verein der Ehemaligen die besten Abiturienten aus und Dr. Melanie Neeb beglückwünschte alle zu den sehr erfolgreichen Schulabschlüssen. Die Abiturienten Sophia Krastev und Heinrich Hoffmann verabschiedeten sich auf ganz besondere Weise von ihrer Schule: Zum Auftakt der Feier spielten sie gemeinsam mit dem Schulorchester den ersten Satz des Konzerts für zwei Klaviere von Wolfgang Amadeus Mozart. Für die weitere musikalische Gestaltung der Feier sorgten der Lio-Männerchor und der Unterstufenchor, der mit frechen Kommentaren und lustigen Liedern der Feier die nötige Portion Humor verlieh. Zahlreiche Ehrungen und Würdigungen für besondere Leistungen in den verschiedensten Fächern rundeten die Veranstaltung ab. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete der Abiturball, bevor die Abiturienten nun zu »Ehemaligen« geworden sind.

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