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Schiffbruch auf dem Schiffenberg

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Die beeindruckende Feuershow beendete das rege mittelalterliche Treiben in den Abendstunden. © Czernek

Zum Mittelaltermarkt auf dem Schiffenberg waren neben Gewandeten, Edelfrauen und Kaufleuten auch Piraten angereist. Lagertreiben, Feuershow und Barden sorgten für entsprechendes Flair.

Gießen. Für ein, zwei Tage - oder auch nur ein paar Stunden - die Realität hinter sich lassen und eintauchen in eine vergangene Epoche: Das ist der Zauber der Mittelaltermärkte und des mittelalterlichen Treibens in den Lagern davor. Dies war nach zwei Jahren Pause an diesem Wochenende wieder auf dem Schiffenberg möglich und wurde von Besuchern wie Händlern gleichermaßen gut angenommen. Auffällig war denn auch, dass der Großteil der Besucher themengerecht gewandet war. Das zeigt, dass das Interesse am Rollenspiel (LARP) und dem Eintauchen in ein anderes Zeitalter ungebrochen ist.

Schon von weitem waren die Zelte mit Feuerstellen, Fellen und Kisten zu sehen, die sich rund um die Domäne angesiedelt hatten.

Rund 25 Mittelaltergruppen und -vereine hatten die Chance genutzt, um die lang vermisste Lagerluft zu schnuppern, um neumodische Kleidung gegen mittelalterliche Gewänder oder Rüstzeug einzutauschen.

Leidenschaft gemeinsam frönen

Überall waren zufriedene Gesichter zu sehen, man freute sich, endlich wieder gemeinsam der Leidenschaft frönen zu können. Das Wetter spielte im Großen und Ganzen ganz gut mit; auch kleine Regenschauer am Samstag konnten die rundum positive Stimmung nicht schmälern.

Dass dort in den Zelten nicht nur tagsüber zusammen gesessen wird, sondern dass dort auch übernachtet wird, ist Ehrensache. »Es macht einfach Spaß«, so die Begründung der Teilnehmer. Dicke Wollmäntel und Felle schützten vor Kälte und Wind. Ob groß oder klein - jeder wird integriert und kann mitmachen, egal wie alt er ist und in welche Rolle er gerne einmal schlüpfen möchte. Edelmann, Bauer oder Ritter - jeder Stand war vertreten, sogar eine Gruppe von böse wirkenden Piraten aus der Karibik war angereist. Sie hatten quasi auf dem Schiffenberg Schiffbruch erlitten. Ihrem Ruf entsprechend hatten sie Skelette ihrer toten Kameraden stilvoll um sich herum drapiert. Der »Fluch der Karibik« lässt grüßen.

Wer anschließend durch eines der Klostertore trat, der durchschritt gleichermaßen ein Zeittor und befand sich in einer anderen Welt, inmitten eines mittelalterlichen Marktplatzes mit Händlern, die die unterschiedlichsten Waren anboten: Seife, Säbel, feine Tuch- oder Lederwaren oder gar zierliches Geschmeide. Hier fand jeder etwas für seinen Geschmack oder zur Vervollständigung seines LARP-Kostüms. Einige Händler hatten ihre Werkzeuge und Arbeitsutensilien mitgebracht, so dass man ihnen bei der Arbeit zusehen konnte, wie man zum Beispiel webt oder wie man Fässer baut.

Im kulinarischen Bereich wurden Flammkuchen, Apfelringe, Knoblauchbrot oder Hanfgebäck und vieles mehr offeriert und in der »Apfeltaverne« wurde dafür gesorgt, dass niemand durstig nach Hause ging: Kirschbier, Braunbier, Whisky oder Met versorgten die Besucher und Kaufleute bis spät in die Nacht. Für die Jüngsten war ein hölzernes Kinderkarussell aufgebaut und weitere Überraschungen sorgten für Kurzweil, die die Kinderaugen zum Leuchten brachten.

Fliegende Händler und Spielmannsleut

Rund 60 »fliegende Händler« hatten im Innenhof des Klosters ihre Stände aufgebaut. Das waren etwas weniger Buden als die Jahre zuvor, so blieb mehr Platz zwischen den einzelnen Ständen, was der pandemischen Lage geschuldet war

Für die passende musikalische Umrahmung sorgten das Spielmann-Duo »Absolom« und die »PapperlaBarden«. Beide Gruppen zogen als fahrende Spielmannsleut durch den Veranstaltungsbereich und sorgten mit ihren Liedern - manchmal sanft und manchmal derb - für Unterhaltung.

Als am Abend die Stände geschlossen waren, die meisten Besucher sich bereits auf dem Heimweg befanden, da beendete - wie schon die Jahre zuvor - die Gruppe »Firemoon« den Tag mit einer beeindruckende Feuershow.

Anschließend konnten alle verbliebenen Spielleute, Marktschreier, Gefolgsmänner, Edelfrauen und das Lagervolk den Abend gemütlich in der Taverne oder vor dem eigenen Lagerfeuer ausklingen lassen.

Vorfreude bereits aufs nächste Jahr

An beiden Tagen zog es viele Besucher auf den Schiffenberg, und so fiel die Bilanz der Händler entsprechend positiv aus. Schließlich war es die erste Veranstaltung dieser Art nach zwei Jahren gewesen. Viele von ihnen freuen sich schon auf das kommende Jahr, denn der Markt auf dem Schiffenberg ist in der Szene etabliert und beliebt.

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Viele stilecht »Gewandete« waren im Klosterhof zu sehen. © Barbara Czernek
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Traditionelle Handwerkswaren wurden feil geboten. © Barbara Czernek

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