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Schlagabtausch mit Box-Weltmeisterin

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Von: Rüdiger Schäfer

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Sieben Schritte zur Selbstmotivation stellte die mehrfache Box-Weltmeisterin Ina Menzer den Auszubildenden der Stadtverwaltung vor. Foto: Schäfer © Schäfer

»Von Sportprofis lernen - Motivationskick für den Berufsalltag« - unter diesem Motto stand der Aktionstag für Auszubildende der Stadtverwaltung Gießen in Kooperation mit der Barmer.

Gießen. Einer streckte die Hand in die Höhe, als der Chef seine Azubis fragte: »Wer von euch hat Erfahrung mit Boxhandschuhen?« Der Chef fuhr fort: »Ich hoffe, dass niemand hier Erfahrung ohne hat.« So Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher in seine Ansprache an rund 20 Lehrlinge des Rathauses in der Sporthalle der Pestalozzischule. Dorthin hatte die Barmer Krankenkasse zusammen mit der Stadt die Auszubildenden zu einem Aktionstag gebeten.

Unter dem Motto »Von Sportprofis lernen - der Motivationskick für den Berufsalltag« berichtete die mehrfache Box-Weltmeisterin Ina Menzer den städtischen Berufseinsteigern von den Herausforderungen und Erfolgen ihrer Sportkarriere. Als besonderes Highlight konnten die Auszubildenden an einem exklusiven Training mit der Profiboxerin teilnehmen - inklusive Pratzentraining. Pratzen sind über die Hände gestülpte Schlagpolster. Das Projekt wurde durch die Barmer Krankenkasse finanziert und begleitet. Seitens der Stadt ist es eingebettet in ein Gesamtkonzept der Gesundheitsprävention für ihre Azubis.

Um deren Fitness zu fördern und sie für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren, wird in jedem Jahr eine Gesundheitsaktion speziell für die Lehrlinge der Stadtverwaltung durchgeführt. Das Thema Bewegung steht in diesem Jahr im Vordergrund. Ziel ist es, die körperliche Fitness der Azubis auf den Prüfstand zu stellen und zu verbessern, Entlastung im Arbeitsalltag zu bieten, Team-Building zu betreiben und natürlich Spaß daran zu haben.

OB Becher: »Gesund sein und gesund bleiben ist für alle Menschen in jedem Alter von enormer Wichtigkeit. Als Arbeitgeber will die Stadt Gießen dazu beitragen, dass schon junge Beschäftigte diesen Wert erkennen.« Dass dies auch der Barmer wichtig ist, betonte Steffen Reucker, Regionalgeschäftsführer in Gießen: »Wir wollen junge Menschen schon in ihrer Ausbildung dabei unterstützen, einen mental und körperlich gesunden Berufsalltag zu gestalten. Wer sich fit hält und gesund lebt, verschafft sich auch einen entscheidenden Vorteil für den beruflichen Alltag.«

Immer mehr Institutionen und Firmen in der Region würden erkennen, wie wichtig die Gesundheit ihrer Beschäftigten sei. »Gesunde und zufriedene Mitarbeiter sind die Basis für wirtschaftlichen und nachhaltigen Erfolg. Entscheidend ist, dass der Grundstein für eine bestmögliche körperliche und mentale Verfassung bereits in den ersten Berufsjahren gelegt wird«, so Reucker weiter. Gemeinsam mit seinem Team stehe er allen interessierten Unternehmen jederzeit gern zur Seite.

In der Gießener Stadtverwaltung wird das Thema Gesundheit auch weiterhin eine entscheidende Rolle spielen. Die diesjährige Aktion ist eingebettet in ein Gesamtkonzept zur Gesundheitsförderung. Langfristiges Ziel ist es, für Gesundheit zu sensibilisieren, die Azubis in ihrer Arbeit zu motivieren und die Stadtverwaltung als attraktiven Arbeitgeber darzustellen.

Im ersten Schritt waren im Frühjahr zur Gesundheitsanalyse die Azubis mit Unterstützung der Barmer befragt worden. Erfasst werden sollte der Gesundheitszustand der Azuszubildenden sowie die Identifikation von Ressourcen und Belastungen am Arbeitsplatz. Zur weiteren Analyse und Bearbeitung der Ursachen und anschließenden Maßnahmenplanung gibt es derzeit einen Gesundheitszirkel »Azubi Gesundheit«, bestehend aus Azubis, Ausbildungsleitung, Ausbildern und dem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Dort werden die weiteren Maßnahmen entwickelt.

Menzer erzählte kurzweilig, wie sie es schaffte, Box-Weltmeisterin zu werden; und das mehrfach. In Kasachstan aufgewachsen war sie im Alter von zehn Jahren mit ihren Eltern und zwei Brüdern nach Deutschland übersiedelt, wo sie in Mönchengladbach eine neue Heimat fand. Bereits im Kindesalter hatte sie sich für den Kampfsport interessiert, mit Kung Fu angefangen, doch bald zum Boxen übergewechselt. Anhand ihrer Sportlerlaufbahn erzählte sie, wozu man fähig sein kann, wenn die entsprechende Motivation vorhanden ist. Ziele, die man sich setze, müssten realistisch, konkret, zeitlich fixiert sein. Wichtig sei ein Visualisieren derer. Sieben Schritte seien bei der Selbstmotivation vonnöten. Als erster Schritt müsse man für sich feststellen: »Was will ich in meinem Leben erreichen?« Danach sei das Lebensziel im Kopf zu visualisieren. Man soll sich vorstellen, wo man hin will. Rituale im Alltag müsse man einbauen. »Disziplin macht es aus, sein Ziel zu erreichen.«

Auch Ruhephasen seien unerlässlich. Zu diesem Punkt zähle auch eine gesunde Ernährung. »Kein Fastfood, selbst kochen, wenig Fleisch, kein Alkohol, keine Drogen, viel Bewegung, genügend Schlaf.« Wichtig sei auch, die Blockaden und Energieräuber zu eliminieren. Im Privaten gehe das einfach durch »sich aus dem Weg gehen«. Im Beruf hingegen sei dies zumeist schwieriger. Als vorletzten Punkt hob Menzer die Wichtigkeit eines Mentors hervor. Ohne einen solchen hätte sie das alles niemals geschafft. »Wenn sich jemand für euch, eure Laufbahn interessiert, nehmt ihn als Mentor!«

Positive Gedanken rundeten als siebten Schritt die Selbstmotivation ab. »Gedanken geben uns Energie oder rauben uns welche. »Umgebt euch mit Menschen, die euch guttun«, so ihr Ratschlag. Dass »des Guten zu viel« sich negativ bemerkbar machen könne, hatte sie am eigenen Leib erlebt: »Übertriebener Fleiß kann auch krank machen«.

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