1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Schlagabtausch mit Pros und Contras

Erstellt:

Von: Rüdiger Schäfer

giloka_1309_jcs_Diskussi_4c
Einen schweren Stand hat Sitzungsleiterin Weigel-Greilich bei der Diskussion im Plenarsaal des Rathauses. Foto: Schäfer © Schäfer

Bei der Bürgerinformationsveranstaltung zum Vorhaben »Sanierung Dammweg Schwanenteich« in Gießen ging es hitzig zu

Gießen . Starker Schlagabtausch war angesagt in einer gut zweieinhalbstündigen, hitzigen Informationsveranstaltung der Stadt zum Vorhaben »Sanierung Dammweg Schwanenteich« und der Umsetzung des Pilotprojektes »Bitterling« im Sitzungssaal der Stadtverordneten im Rathaus. Eingeladen hatte Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne), um zehn Tage vor der Bauausschusssitzung die Bürger zu informieren, was die Stadt hierzu geplant hat.

Den Standpunkt der Bürgerinitiative »Rettet die Bäume am Schwanenteich!«, die einen Kahlschlag von Bäumen und Sträuchern am Uferweg verhindern will, trugen Klaus Hass und Dietmar Jürgens vor. Hass kritisierte dabei die hohen Kosten von 3,7 Millionen Euro sowie den bereits am 22. Juni des Jahres erteilten Planungsauftrag des Magistrates in Höhe von 220 000 Euro. Am 6. Oktober solle vom Parlament der Beschluss zur Umsetzung des Vorhabens gefällt werden.

Akute Gefährdung in Frage gestellt

»Für uns entsteht der Eindruck, dass die Stadtverordneten nicht vollständig informiert worden sind.« Jürgens widersprach den Ausführungen der Stadt, dass die ökologische Bedeutung der Teichanlage akut gefährdet sei, dass ein vollständiger Verlust infolge der Undichtigkeit des Dammbauwerks drohe, dass bedrohte Tierarten von dieser Maßnahme profitierten und dass der Abtrag und Neuaufbau des Uferweges alternativlos sei.

Laut Dr. Joachim Grösser vom IGU Wetzlar (Institut für industriellen und geotechnischen Umweltschutz) ist in dem erteilten Planungsauftrag der Uferweg ausgelassen. Dagegen einbezogen sind unter anderem eine Fischtreppe im Bereich der THM-Plattform von der Wieseck hoch zum Schwanenteich, wobei die Differenz zwischen den beiden Wasseroberflächen etwa einen Höhenmeter im gesamten 620 Meter langen Verlauf betrage.

Ein Vertreter des Erdbaulaboratoriums ETN aus Hungen berichtete, dass sich die im Frühjahr letzten Jahres durch verfaulende Wurzeln erfolgten Öffnungen mit Wasseraustritten inzwischen durch Sedimente zugesetzt hätten. Auch nach einer Sanierung des Uferweges mit einer der sechs von ihnen erarbeiteten Varianten, die vorgestellt wurden, könnten durch Setzungen Folgekosten entstehen. Gartenamtsleiter Thomas Röhmel warf ein, dass bei der Variante mit einer Vorschüttung der Uferweg nicht mehr begehbar sei. Eine Begründung blieb er schuldig.

Durch verfaulende Wurzeln hervorgerufene Hohlräume könnten bewirken, so wurde kolportiert, dass der Damm bis zu 50 Zentimeter einbreche. Für Fabian Mirold Stroh, Grünen-Abgeordneter im Bauausschuss, sieht die Prioritätenreihenfolge so aus: »Zuerst die Dichtigkeit, danach die Begehbarkeit, erst dann die Vegetation.« Aus dem Publikum schlug eine seiner Meinung nach bessere Variante Horst Dreier, jahrelang in verantwortlicher Führungsposition bei den Gail’schen Tonwerken, vor. »Bei meiner Version braucht kein Baum gefällt zu werden«, so seine vermeintliche Ideallösung, auf die nicht näher eingegangen wurde.

Dr. Hans-Joachim Grommelt, der ehemalige Leiter des städtischen Umweltamtes, warf ein, dass bezüglich der artenschutzrechtlichen Genehmigungsprüfung aus 2012 die Vogelbestände bis dato sich stark verändert hätten. Auch stehe nirgendwo, dass der immer wieder als Argument vorgebrachte Denkmalschutz über dem Naturschutz stehe.

Für Magistratsmitglied Elke Koch-Michel (Gigg) ist die finanzielle Seite stark maßgebend. »Die für das Vorhaben aufzubringenden Mittel sind Steuergelder«, betonte sie. »3,8 Millionen sind mir zu viel.« Fraktionskollege Peter Zerche wütend: »Es ist eine Schande, dass eine grüne Umweltdezernentin 160 Bäume fällen lassen will. Wo ist da das grüne Umweltgewissen?«

Wilhelm Pastoors sagte: »Man kann für 10 000 Euro den Deich passierbar machen. Ansonsten gibt es keine Eile.« Sigrid Fuhr: »Es überrascht, dass die Planungen schon so lange laufen. Und jetzt soll es ganz schnell gehen.« Konrad Keller: »Zehn Jahre nichts gemacht. Wieso jetzt der Zeitdruck? Ist der Damm wirklich nicht begehbar?« Und zur Terminierung der Bürgerinformationsversammlung zehn Tage vor der Bauausschusssitzung: »Das ist viel zu spät und keine Austauschveranstaltung.«

Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (SPD) fand an der Diskussion die Interessenkollision am spannendsten: »Wenn der Naturschutz den absoluten Vorrang hat, kriegen wir keine gute Lösung hin.« Bürgermeister Alexander Wright (Grüne) betonte, dass das Projekt bei der Hessenkasse angemeldet sei.

Das Fazit der Stadträtin: »Wir haben uns ausgetauscht. Es ist nichts Neues vorgetragen worden. Es ist die Verantwortung derer, die gewählt sind, zu entscheiden, welche der Varianten beschlossen wird. Und das muss von den Bürgern akzeptiert werden.«

Das geplante Bürgerbegehren der Bürgerinitiative »Rettet die Bäume am Schwanenteich!« soll unmittelbar nach dem voraussichtlichen Beschluss der Stadtverordneten am 6. Oktober starten - um diesen dann einzukassieren.

Auch interessant