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Schlechtes Image, viel Leidenschaft

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Merten Klingauf (l.) und Kayla Möller (r.) haben für ihren Podcast auch Interviews geführt. Foto: UKGM © UKGM

Gießener Pflegeschüler belegen ersten Platz bei bundesweitem Wettbewerb - ihr Podcast soll mehr Menschen für den Pflegeberuf begeistern

Gießen . Ausbaufähige Bezahlung, teils schwere körperliche Arbeit, ungünstige Arbeitszeiten und ein schlechter Personalschlüssel, der zu Überforderung führt: Das Image des Pflegeberufs könnte wahrlich besser sein. Kayla Möller und Merten Klingauf, beide Auszubildende des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM), wollen an den weit verbreiteten Vorurteilen rütteln und mehr Menschen auf die schönen Seiten ihres Jobs aufmerksam machen. Dafür haben sie einen Podcast erstellt - und damit beim bundesweiten Wettbewerb »Junge Pflege« des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) den ersten Platz belegt.

»Was ist Pflege?« war das Motto des Wettbewerbs, an dem das UKGM in diesem Jahr erstmals teilgenommen hat. »Wir wollen zeigen, wie vielschichtig die professionelle Pflege ist«, betont Möller, die ebenso wie Klingauf im zweiten Ausbildungsjahr ist. Gemeinsam mit Kursleiterin Stefanie Pache haben die Auszubildenden ihren Beitrag vorbereitet. Ursprünglich war das Team größer, im Laufe der Zeit sprangen allerdings einige Mitschüler ab. Die 900 Euro Preisgeld wollen die Gewinner trotzdem im Kursverband teilen - und einen Teil spenden.

»Mia - Der Pflege-Podcast« haben die beiden jungen Leute ihr Projekt genannt. »Mia« steht stellvertretend für junge Menschen, die nach ihrer Schulausbildung noch nicht so genau wissen, wo sie hinwollen, sich eine Pflegeausbildung aber durchaus vorstellen können. »Unsere Mia hat während der Pandemie viel Negatives über die Pflege gehört. Jetzt will sie sich informieren«, sagt Möller.

Für ihren Podcast haben sich die beiden Pflegeschüler auch zwei Interview-Partnerinnen eingeladen, eine 16- und eine 61-Jährige. Beide sollten dabei auch den Pflegeberuf in drei Wörtern beschreiben. »Vielen ist nicht bewusst, wie professionell die Pflege ist«, hat Klingauf dabei festgestellt. »Die Pflege ist kein Anhängsel von Ärzten.«

Wenn es nach den Auszubildenden geht, wird es übrigens nicht bei einer Podcast-Folge bleiben. Wenn es zeitlich passt, wollen sie ihn im Kursverband fortsetzen. Ideen haben sie ohnehin bereits genug: Ein Einblick in die ambulante Pflege etwa oder ein Besuch im Altenheim. Außerdem könnten Pflegekräfte selbst zu Wort kommen oder erläutert werden, welche Karrieremöglichkeiten es gibt. »Es ist wichtig, den Pflegeberuf mehr in die Gesellschaft zu tragen«, findet Klingauf. »Mia« soll dabei helfen.

Viel Zeit hatten die angehenden Pflegekräfte für ihr preisgekröntes Projekt übrigens nicht: Anfang März haben sie sich angemeldet, Ende März mussten sie es einreichen. In diesem Monat fand die Preisverleihung in Bochum statt. Vor rund 1500 Zuschauern haben Klingauf und Möller ihren Podcast präsentiert.

Und obwohl beide leidenschaftliche Podcast-Hörer sind: Selbst ausprobiert hatten sie sich an der Produktion zuvor noch nie. »Uns ist erst im Nachhinein bewusst geworden, wie viel Aufwand beispielsweise das Schneiden bedeutet«, erinnert sich Möller. Hinzu kamen kleinere technische Schwierigkeiten. Der Jingle stammt übrigens von einem Mitschüler, das »Mia«-Bild für den Podcast wiederum hat eine Mitschülerin gezeichnet.

Die Auszubildenden hoffen, mit ihrem Podcast andere Menschen für den Pflegeberuf begeistern zu können. »Pflege ist etwas Sinn stiftendes. Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass ich Leuten helfen kann«, sagt Möller. Das sieht ihr Kollege ähnlich: »Ich arbeite gerne in der Pflege. Es ist schade, dass sich so viele negative Gerüchte über diesen Beruf halten.« Dass es auch an Bewerbern für die Ausbildung mangelt, könnte an dem Wegfall des Zivildienstes liegen, vermutet Klingauf. Denn durch den Dienst habe manch einer, für den Pflege normalerweise kein Thema gewesen wäre, möglicherweise Gefallen an dem Beruf gefunden.

»Pflege ist für uns als Gesellschaft sehr wichtig«, betont Stefanie Pache. »Es ist ein vielseitiger, kreativer Beruf, der mehr positive Schlagzeilen braucht.« Dass der Job ein eher negatives Image hat, liege teils auch an den Pflegekräften selbst, findet Dr. Christiane Hinck-Kneip, kaufmännische Geschäftsführerin am UKGM-Standort Gießen: »Sie selbst besetzen ihr Berufsbild negativ.« Auch dass die Pflege zu den bestbezahlten Ausbildungsberufen zählt und es durchaus Aufstiegschancen gibt, werde zu selten erwähnt.

Wer sich den rund 30-minütigen kostenlosen Podcast anhören möchte, findet ihn auf der Webseite des UKGM unter www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_sbz/51590.html. (ebp)

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