1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Schloss Biedenkopf soll zukunftsgerecht gestaltet werden

Erstellt:

giloka_2408_Biedenschlos_4c
Für das Schloss Biedenkopf ist eine Machbarkeitsstudie geplant. Foto: Coordes © Coordes

Marburg. Ritter haben nie auf Schloss Biedenkopf gelebt. Auch Adelige haben sich höchst selten auf der Burg blicken lassen. Doch bis heute ist sie das Wahrzeichen der 13 000-Einwohner-Stadt im Marburger Hinterland. Schon von weitem sieht man die Fahne des Kreises Marburg-Biedenkopf auf dem Turm des Schlosses flattern. Nun möchte der Landkreis gemeinsam mit der Stadt Biedenkopf und Interessierten das Schloss mit dem Hinterlandmuseum so ausstatten, dass es in Zukunft noch attraktiver wird.

Deshalb plant er eine Machbarkeitsstudie.

Derzeit gibt es gleich mehrere leerstehende Gebäudeteile. Die ehemalige Hausmeisterwohnung ist seit vergangenem Sommer nicht mehr vermietet. Der Pächter der Schlossterrasse hat zum 1. April gekündigt. »Es gibt ein großes Interesse daran, dass dort wieder ein Restaurant oder Café einzieht«, sagt Markus Morr, Fachdienstleiter Kultur des Landkreises. Darüber hinaus existiert am Fuß des Schlosses ein Biergarten, der in der Vergangenheit nie genutzt wurde. Und hinter der Burg gibt es ein großes Gelände mit Ruinen und einem kleinen Steinbruch, das bislang nicht zugänglich ist: »Die Machbarkeitsstudie ist eine Chance, das Schloss und sein Museum zukunftsgerecht auszustatten«, so Morr.

Die Studie soll so rasch wie möglich in Auftrag gegeben werden. Dabei soll es auch um die Frage von Konzerten, Lesungen und Theater auf dem Schlossgelände gehen, um sanitäre Anlagen, den Parkplatz und mehr Barrierefreiheit. Die Bürgerinnen und Bürger sollen ebenfalls an der Neuplanung beteiligt werden.

Museumsleiter Andreas W. Vetter erhofft sich von der Neukonzeption einen Aufzug, der älteren Menschen den Zugang zum Museum erleichtert, mehr Lagerflächen und ein gastronomisches Angebot, um mehr Menschen ins Museum zu locken. Vor Beginn der Pandemie kamen jedes Jahr rund 14 000 Gäste in die Ausstellungsräume. Jedes Jahr gibt es zwei bis drei Sonderausstellungen zu Themen der Kulturgeschichte. Eine Museumspädagogin bietet Führungen für Schulklassen, Kinder und Jugendliche, die im Schloss kreativ werden können.

2018 wurde das Hinterlandmuseum Teil der Route der Arbeits- und Industriekultur, 2021 wurde das Schloss als Teil des Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus zum Geopunkt. Im Schlosshof wurden Musicals gezeigt. Im Herbst gibt es Konzerte, Vorträge und Theater im Museum. Und es wird geheiratet: Bis zu 40 Paare geben sich jedes Jahr das Ja-Wort.

Das Leben der Menschen im kargen Marburger Hinterland steht im Mittelpunkt des 1908 eröffneten Hinterlandmuseums im Schloss Biedenkopf. Auf 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und drei Etagen geht es um die Kulturgeschichte der vergangenen 900 Jahre. Wichtigster Erwerbszweig war die Eisenindustrie, die mit gusseisernen Öfen, Bügeleisen und Töpfen illustriert wird. Eine große Rolle spielte auch das Textilhandwerk. Die Hinterländer verdingten sich als Leinweber und Tuchmacher.

Ein Prunkstück ist die gelbe Postkutsche, die 1886 in Biedenkopf gebaut wurde. Ihre Besonderheit: Um über die oft verschneite Sackpfeife zu kommen, konnte die Kutsche bei Bedarf auf Kufen fahren. Ein Zimmer des Museums ist dem Grenzgang und dem Wald gewidmet. Alle sieben Jahre versetzt das Fest die Stadt in einen Ausnahmezustand. Bis zu 40 000 Menschen machen sich dann auf den Weg, um die ehemaligen Stadtwaldgrenzen Biedenkopfs zu begehen. Zudem bietet das Museum Einblicke in die Feuerbekämpfung im Hinterland, das Handwerk, die Hinterländer Trachten, den beeindruckenden Dachstuhl des Schlosses und die Schlossküche. Ein weiteres Highlight ist der »Plattschwätzkasde«, der mit unterhaltsamen Geschichten zeigt, welcher Hinterländer Dialekt an welchem Ort gesprochen wird.

Das Hinterlandmuseum ist vom 1. April bis zum 15. November dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 2,50 Euro für Erwachsene und 1,30 Euro für Kinder. Weitere Infos: www.marburg-biedenkopf.de/hinterlandmuseum. (gc)

Auch interessant