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Schmelz und Klagen

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Gießen (rfi). Unter dem Motto »Tränen« fand am Mittwochabend ein Feierabendkonzert in der Johanneskirche zu Gunsten der neuen Orgel statt. Die renommierte Sopranistin Naroa Intxausti, die bereits in mehreren Opernproduktionen des Stadttheaters Gießen glänzte, sowie Johanneskantor Christoph Koerber am Klavier gestalteten einen ebenso bewegenden wie klangschönen Konzertabend.

Den Anfang machte Johann Sebastian Bachs Arie »Seufzer, Tränen, Kummer, Not« aus der Kantate »Ich hatte viel Bekümmernis«. Schon das Klaviervorspiel mit seinen klagenden Gesten gelang über die Maßen gut. Koerber verfügt über eine differenzierte Anschlagskultur und gestaltete die Seufzermotive eindringlich. Die Sopranistin verfügt über ein schönes, blühendes Timbre. Ihre Stimme ist gleichermaßen geeignet für den dramatischen Ausdruck wie für die lyrische Szene. Sie gestaltete die Arie mit ergreifendem Ausdruck und vokalem Schmelz. Die Künstler agierten zudem in guter Klangverschmelzung.

Bach und Schubert

Anschließend ertönte die Arie »Blute nur, du liebes Herz« aus der Matthäuspassion. Schon das Klaviervorspiel mit seinen Vorhaltsbildungen und expressiven Terzen in großen ausdrucksstarken Gesten gelang ausgezeichnet. Die motivisch dicht gearbeitete Komposition spürte dem menschlichen Leid nach. Die baskische Sopranistin Intxausti interpretierte ihre tränenreiche Partie anrührend. Das klagende Präludium aus dem zweiten Band des wohltemperierten Klaviers in fis-Moll musizierte Koerber mit differenziertem Anschlag und kluger Klangschattierung.

In eine andere Welt führte die Zuhörer Franz Schuberts Lied »Die Forelle«. In Schuberts Textvorlage schließt sich den drei ersten Strophen eine moralisierende Schlussstrophe an, die der Wiener in seiner Vertonung wegließ. Das von Vitalität und Lebensfreude sprühende Werk musizierten die Künstler mit Elan und Spielfreude. Das Strophenlied mit Abgesang ertönte in guter Textverständlichkeit und klangschön. Das Lied »Trockene Blumen« aus Schuberts Liederzyklus nach einer Vorlage von Wilhelm Müllers 1821 erschienenen »Die schöne Müllerin« ist Ausdruck ergreifender Liebesklage. Es gelang ausgezeichnet.

Christoph Koerber spielte anschließend das Impromptu c-Moll aus Schuberts op. 90. Die kreisende Melodik und Harmonik gewinnt dem immer selben Material neue klangliche Aspekte ab. Giacomo Puccinis herzzerreißende Arie »Tu che di gel sei cinta« musizierten die Interpreten ergreifend und mit tiefem Ausdruck. Das zahlreiche Publikum erklatschte sich als Zugabe eine Arie von Händel.

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