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Schöne Nuancen in klarer Akustik

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Gießen (hsch). Klein und fein ist das typische Format in der Vitos-Kapelle, es sei denn, ein Chor sprengt alle Ketten. Jetzt war das Vokalquartett Bachwochen Dill zu Gast. Die fünf Akteure machten ihrem klangvollen Namen alle Ehre und musizierten ein Programm mit romantischen Liedern von Brahms, Schumann und Mendelssohn.

Drei Jahre Zwangspause waren dem Ensemble nicht anzuhören, das zuvor auch bereits in dieser Besetzung in Gießen gastierte. Leiter Wolfgang Schult, Käthe Wilhelmi (Sopran), Christa Löffler (Alt), Bernhard Klement (Tenor) und Holger Hedrich (Bass) sind allesamt erfahrene Solisten und Chorakteure, und die klare Akustik der Kapelle ließ alle musikalischen Nuancen ungestört zur Geltung kommen. Zu hören waren weniger bekannte Werke. Schult: »Davon gibt es noch wirklich viele«.

Mit Johannes Brahms‹ »Der Abend« op. 64,2 präsentierte sich das Ensemble in voller Besetzung sogleich in bester Verfassung, mit vollem Volumen und rundem Klang. Sopran und Alt agierten dann bei »Die Meere« op. 20,3 schön zusammen und mit lieblichem Timbre. Mit Tenor und Bass kam die männliche Klangfarbe zur Geltung, und Klement und Hedrich lieferten eine gleichfalls gelungene Duoperformance. Was Klement zunächst etwas an Volumen fehlte, machte er durch klare Intonation und emotionale Überzeugungskraft wett. Der nachfolgende Titel »Blaue Augen hat das Mädchen« op. 138,9 war dann angenehm klar und mit spürbarer Emotion zu erleben; großer Beifall.

Dann konnte man wieder den Quartettklang genießen. Beim romantischen Klassiker »Spätherbst« op. 92,2 zeigte sich eine gesteigerte Geschlossenheit und feine Differenzierung. Eindeutiges Glanzlicht war das folgende »Abendlied« op. 92,3. Sopran und Alt erarbeiteten neue Höhen der Geschlossenheit, insgesamt gab es einen schwebenden Quartettklang. Erneut Sopran und Alt boten dann opernhaft und klangschön das »Abschiedslied der Zugvögel» als eingespielte musikalische Kooperation. Mit versiertem Schmelz und spürbarer Emotionalität musizierte das Duo das »Herbstlied« op.63,4.

Wolfgang Schults Begleitung zeichnete sich durch professionelle Zurückhaltung aus, die nur einmal nicht funktionierte, als er bei Francesco Paolo Tostis »Mattinata« den Solotenor leicht übertönte. Ein weiteres Glanzlicht war Brahms »Sehnsucht« op. 112,1, im Quartett, das mit ebenso lieblichem wie kraftvollem Klang und einem perfekten Abschluss dargeboten wurde. Als Weihnachtsschmankerl gab es dann noch Mendelssohns »Es wird ein Stern aus Jacob aufgehen«.

Insgesamt war es ein Ensembleerlebnis, das die Zuhörer zu heftigem, anhaltenden Applaus bewegte.

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