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Schritt in die Selbstständigkeit

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Der erfolgreiche Nachwuchs des Bäckerhandwerks hat den Gesellenbrief in der Tasche. Foto: Ewert © Ewert

Der Krieg in der Ukraine hat auch die Krise im Lebensmittelhandwerk bei den Bäckern und Fleischern verschärft. Aber nicht nur vor dieser Herausforderung stehen die freigesprochenen Gesellen.

Gießen (wf). Derzeit sind nicht nur die Produkte des Lebensmittelhandwerks, sprich der Bäcker und Fleischer, in aller Munde, sondern auch die Probleme der beiden Handwerke, hervorgerufen und verschärft durch die Folgen des Krieges in der Ukraine. Diese wirken sich nicht nur in dem überfallenen Land selbst, sondern auch in den allermeisten Ländern rund um den Globus, also auch in Deutschland, aus. Und eben auch im heimischen Fleischer- und Bäckerhandwerk.

Gestörte Lieferketten und teils horrend gestiegene Preise für die benötigten Rohstoffe und Zutaten machen Preisanpassungen notwendig, für die die Kundschaft jedoch ein gewisses Verständnis aufbringe, so Bernd Braun, Obermeister der Bäckerinnung Gießen. Gleichzeitig verlangen die Herausforderungen ein Umdenken mit nachfolgendem Handeln in den einzelnen Betrieben, um die Herausforderungen meistern zu können. Denn es ist unmöglich, die Mehrbelastungen in Gänze an den Kunden weiterzugeben.

Zu diesen, von außen aufgezwungenen Problemen kommen innerhandwerklich zunehmend die Schwierigkeiten, Fachkräfte und Auszubildende in ausreichendem Umfang gewinnen zu können.

Die sich zuspitzende Mangellage bei den Auszubildenden dokumentierte sich einmal mehr bei der gemeinsamen Freisprechungsfeier für die jungen Gesellinnen und Gesellen des heimischen Bäcker- wie des Fleischerhandwerks für den Bereich der Innungen Gießen. Die Veranstaltung fand, wie schon seit vielen Jahren, im Bistro der Alice-Schule in der Gießener Weststadt, der Berufsschule für das Lebensmittelhandwerk, statt.

So waren es ganze drei Bäcker, die im Prüfungsjahr 2022 ihre Gesellenprüfung erfolgreich ablegten. Bei dem Fachverkaufspersonal im Bäckerhandwerk sieht es mit neun jungen Damen und einem jungen Mann etwas besser aus, im Vergleich mit früheren Jahren aber immer noch »bescheiden«. Noch besorgniserregender nimmt sich mit je drei Fleischern und drei Fachverkäuferinnen die Bilanz 2022 des heimischen Fleischerhandwerks aus.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Schule (Martina Röder) und der Innungen (Prüfungsausschuss-Vorsitzende Esther Schnaut im Namen des Fleischergewerks und Bernd Braun als Obermeister der Bäckerinnung Gießen) sowie der Kreishandwerkerschaft Gießen (Uwe Bock) sprachen dem Berufsnachwuchs dennoch - oder gerade deshalb - ihre Glückwünsche aus und ermunterten die jungen Leute, nun in eigener Verantwortung schnell Fuß zu fassen in ihrer jeweiligen beruflichen Umgebung. Und dabei die immer notwendige Fort- und Weiterbildung nicht zu vernachlässigen.

Uwe Bock beschrieb die Freisprechung nach der Lehrzeit als »Wichtigen Schritt in die Selbständigkeit«, heraus aus dem »Übungsraum Lehrzeit« hinein in die »Eigenverantwortung für Dinge, die Sie bewegen und tun«.

Und auch Obermeister Braun wies darauf hin, dass mit der Überreichung der Gesellenbriefe zwar die Pflichten der Ausbildung für die Junghandwerker enden. Im nun beginnenden »richtigen« Berufsleben würden die Pflichten jedoch nicht weniger, sondern eher mehr. »Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden«, zitierte Braun den griechischen Philosophen Sokrates, um daraus abgeleitet die Motivation an den Berufsnachwuchs des heimischen Lebensmittelhandwerks weiterzugeben: »Seid neugierig im Beruf wie im Leben, seid offen für Innovationen und Neues auf vielen Feldern und seid immer bereit, das ganze Leben lang immer weiterzulernen«.

Schulleiterin Martina Röder fasste es in fast lyrischen Worten zusammen: »Es ist nun Ihre Aufgabe, Ihrer Generation, Ihrem Beruf und Ihrer Berufung eine Stimme zu geben. Sie sind nun freigesprochen, Sie sind nun frei.«

Bäckerhandwerk

Bei den Bäckern: der Prüfungsbeste Jonas Leonard Pausch (Gießen) und Joshua Becker (Buseck, beider Ausbildungsbetrieb - AB - Volkmann, Heuchelheim) sowie Jana Sippel (Heuchelheim, AB Künkel, Langgöns). Beim Bäckerei-Fachverkaufspersonal: Als Prüfungsbeste Sina-Marie Gramel (Niederweidbach, AB Moos, Aßlar), Marc Peppler (Heuchelheim, AB Schwälmer Brotladen Viehmeier, Gilserberg), Diana Heimroth und Jennifer Hofmann (beide Wettenberg und beide ohne Angabe des Ausbildungsbetriebes), Anna-Lena Genuardi (Pohlheim) und Jasmin Lemp (Mücke, beider AB Künkel, Langgöns), Lara Marie Böhme (Laubach, AB Müller, Burgwald), Marie Luise Agirman (Pohlheim, AB Volkmann, Heuchelheim), Carolin Hauke (Langgöns, AB Steinmüller, Langgöns) und Lisa Rühl (Gießen, AB Braun, Gießen).

Fleischerhandwerk

Virginia Saini (Solms, Ausbildungsbetrieb - AB - Hörle, Biebertal), Nils Schäfer (Schwalmtal, AB Heike und Berthold Rühl, Romrod) und Moritz Zach-Zach (Pohlheim). Fleischerei-Fachverkäufer/innen: Kirill Ganzelman (Lauterbach, AB Bildungswerk der hessischen Wirtschaft), Lea Siegfried (Gemünden/Felda, AB Kleemann, Schotten) und Christin Schmidt (Wettenberg, AB Bechthold, Heuchelheim).

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Die freigesprochenen Gesellen im Fleischerhandwerk. Foto: Ewert © Ewert

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