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Schwere Schicksale, schöne Aufnahmen

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Von: Julian Spannagel

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Stellen den neuen Kalender vor (von links) Tabitha Funck (GAiN-Kommunikationsteam), Claudia Dewald (GAiN-Fotografin), Birgit Zeiss (GAiN-Chefredakteurin) und Alexandra Herrmann, Filialleiterin von Thalia Gießen. Foto: Spannagel © Spannagel

Gießen (jpa). In der Thalia-Filiale im Seltersweg gibt es ab sofort den Kalender »1000 Gesichter« des in der Stadt ansässigen Hilfsnetzwerks »GAiN« für das Jahr 2023 zu kaufen. Er zeigt Porträts von Menschen in schwierigen Lebensumständen, die Hilfe seitens der Organisation und ihrer Mitglieder erhalten. Der Erlös soll in eines der derzeit 14 unterstützten Projekte fließen.

Inspiration für den Titel war das gleichnamige Lied des Songwriters Simon Kümmling. Die dargestellten Menschen leben in den verschiedensten Teilen der Welt. Dazu zählt etwa Skaidrite aus Lettland. Die 88-Jährige lebt allein in einem sehr beengten Zimmer, ihre einzigen Begleiter sind zwei Tauben und eine Katze. Sie ist sozial isoliert, ihre Nachbarn haben ihr Grundstück derart umgebaut, dass sie von Regenwasser beeinträchtigt wird. Als die alte Frau Besuch von GAiN-Helfern bekommt, ist sie zunächst derart schüchtern, dass sie sich nicht getraut, die Fremden hineinzulassen. Obwohl sie Vorfreude äußerte, als die Helfer ihr Kommen ankündigten. Doch als die ersten sozialen Barrieren gebrochen waren, hatte die Frau wieder etwas Hoffnung. Die Hilfe, so sagte sie später, betrachtete sie als von Gott zu ihr geschickt.

»Wir wollen den Menschen Hoffnung geben«, erklärt Claudia Dewald, die Fotografin hinter dem Projekt. Sie ist bereits in vielen Ländern unterwegs gewesen, die Fotos sind über einen längeren Zeitraum entstanden. Sie berichtet von einer Familie, die ebenfalls in Lettland lebt und von einem schweren Schicksalsschlag getroffen wurde. In der Wohnung gab es einen Brand, verursacht von einem der fünf Kinder, von denen drei behindert sind. Die Besucher sorgten dafür, dass die Wohnung wieder hergerichtet wurde, so kehrte unmittelbar wieder Leben in die Familie ein. Selbst der Vater kehrte zur Familie zurück. Sein zwischenzeitlicher Weggang sei in dem von Armut und Strukturschwäche geprägten ländlichen Raum des EU-Landes keine Seltenheit, berichtet Dewald. Dies liege daran, dass sich die Männer oftmals nicht in der Lage sehen, die ihnen zugeschriebene Rolle des Brotverdieners zu erfüllen.

»Ich probiere, Kontakt aufzunehmen und bitte um Erlaubnis, indem ich nicke und auf die Kamera deute«, berichtet Dewald über das Zustandekommen der Fotos. Ihr sei es wichtig, dass die Darstellungen möglichst natürlich scheinen. Eine besondere Vorliebe hat sie für die Augen, dem »Spiegel der Seele«. Zudem geht es ihr darum, die jeweilige Atmosphäre einzufangen. Negatives wurde zugunsten schöner Darstellungen bei der Auswahl der Bilder vermieden.

Wohin der Erlös fließen wird, ist derzeit noch unklar. Tabitha Funk vom GAiN-Kommunikationsteam erklärte, dass es vor allem jene erreichen soll, die es zurzeit am dringendsten benötigen. Insbesondere jedoch für Orte, für die es »schwierig sei, Spenden zu generieren«. Neben den Fotos enthalt der Kalender je nach Ausführung Informationen darüber, was GAiN in den jeweiligen Ländern macht, Hintergründe zu den proträtierten Personen und inspirierende Zitate. Die kleine Variante im Postkartenformat kostet 7,50 Euro, der Größere, der etwa von Firmen als Mitarbeitergeschenk in größeren Mengen bei GAiN direkt bestellt werden kann, kostet 25 Euro. Zudem fallen Versandkosten an. Die Bestellung ist via info@gain-germany.org sowie 0641 9751850 möglich. Im Einzelhandel ist er ab sofort ausschließlich in der Thalia Gießen zu finden.

GAiN-Mitarbeiterin Tabitha Funk merkte an, dass auch andere Kooperationspartner begrüßenswert seien. Thalia-Filialleiterin Alexandra Herrmann zeigte sich froh über die bereits im Vorjahr erfolgte Aufnahme eines GAiN-Kalenders im Sortiment.

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