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Schwerste Fälle kommen ins UKGM

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Von: Frank-Oliver Docter

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Eine Intensiv-Pflegekraft kümmert sich um einen schwer erkrankten Covid-Patienten. Symbolfoto: Boris Roessler/dpa © Red

Vier Kliniken in Gießen und Lich schildern die aktuelle Situation auf ihren Corona-Intensiv- und -Normalstationen. Überall sind Personalausfälle zu beklagen.

Gießen/Lich . Mit dem Anstieg der Corona-Infektionen hat in den vergangenen Wochen auch die Zahl der Covid-Patienten in den heimischen Krankenhäusern enorm zugenommen. Insbesondere auf den Normalstationen sind derzeit sehr viele Betten mit Betroffenen belegt. Die Intensivstationen mit ihren oftmals künstlich beatmeten Patienten verzeichnen zwar ebenfalls Zuwächse, allerdings liegen diese mit Ausnahme des Uniklinikums Gießen (UKGM) - hier ist man nicht mehr weit von den maximal 18 für schwere Covid-Fälle vorgesehenen Plätzen entfernt - im niedrigen einstelligen Bereich. Neben dem UKGM wollte der Anzeiger auch vom Agaplesion Evangelischen Krankenhaus Mittelhessen (EV), St. Josefs Krankenhaus-Balserische Stiftung und Asklepios Klinik Lich darüber hinaus wissen, wie es aktuell mit Personalausfällen aussieht und wie gut man jeweils auf die kommenden Monate und eine heftige Infektionswelle vorbereitet ist.

Koordinierung

Das Uniklinikum registrierte am gestrigen Freitag bei der Gesamt-Covid-Patientenzahl den bisherigen Höchststand seit vielen Monaten: 97 wurden am Nachmittag gezählt, davon 83 auf Normal- und 14 auf Intensivstation, vermeldet Kliniksprecher Frank Steibli. Zum Vergleich: Genau zwei Wochen vorher waren es am Klinikum insgesamt »nur« 52 (36 normal, 16 intensiv). In dieser unschönen Rangliste folgen auf den nächsten Plätzen die Asklepios Klinik Lich (Stand 19. Oktober: 21 normal, zwei intensiv), das Evangelische Krankenhaus (20. Oktober: 16 auf Normal-, einer auf Intensivstation) und das St. Josefs Krankenhaus (19. Oktober: acht normal, einer intensiv).

Wie schon bei den vorangegangenen Corona-Wellen seit 2020 stimmt sich das UKGM eng mit den 17 Krankenhäusern der Region ab, »damit wir auch bei steigenden Infektionszahlen die an Covid-19 erkrankten Menschen gut versorgen können. Das Uniklinikum Gießen hat dabei eine koordinierende Funktion«, erläutert Steibli. Der Ärztliche Geschäftsführer Prof. Werner Seeger spreche sich mit den Leitungen aller anderen Häuser regelmäßig ab, sodass die vorhandenen Behandlungs- und Bettenkapazitäten auf Normal- wie auch Intensivstationen optimal genutzt werden können. »Wobei klar ist, dass die am schwersten erkrankten Covid-19-Patienten im Uniklinikum versorgt werden«, betont er.

Die vom hessischen Sozialministerium festgelegte Zahl zur Vorhaltung von Betten für Corona-Betroffene beträgt am St. Josefs Krankenhaus auf Normalstation 24 und auf Intensivstation eines, lässt der Kaufmännische Direktor Matthias Weber wissen. Bei der Asklepios Klinik Lich sind es auf Normalstation 28 und auf Intensivstation zwei Betten. »Dies kann je nach Bedarf entsprechend erweitert werden«, berichtet der Ärztliche Direktor, Privatdozent Dr. Thilo Schwandner.

Personalausfälle

Bei der Erfüllung der Mindestvorgaben an Betten »stellt der Mangel an Pflegepersonal oftmals den limitierenden Faktor dar«, gibt Steibli zu bedenken. Hinzu kommt, dass »der Krankenstand bei unseren Beschäftigten mit Beginn des Herbstes stets höher ist als zu anderen Zeiten«. Neben vermehrten Corona-Infektionen habe man es am UKGM seit einigen Tagen auch mit steigenden Influenza-Zahlen zu tun. »Und das trotz einer hohen Impfbereitschaft gegen Covid-19 und Grippe innerhalb unserer Belegschaft.« Hieraus resultierten leider erneut erhebliche Personalausfälle bei gleichzeitig steigenden Patientenzuweisungen, beklagt der Kliniksprecher. Am Evangelischen Krankenhaus hat man es derweil »in der Mitarbeiterschaft wieder mit höheren krankheitsbedingten Ausfällen zu tun, wobei diese nicht immer auf eine SARS-CoV-2-Infektion zurückzuführen sind«, berichtet Christine Dietrich von der Unternehmenskommunikation. Aktuell belaufe sich der Personalausfall am EV auf ungefähr elf Prozent.

Das St. Josefs Krankenhaus hat es diesbezüglich noch etwas schwerer erwischt: »Im Pflegedienst haben wir in den letzten Wochen circa 15 Prozent Ausfall insbesondere durch Corona, jetzt auch beginnend Influenzaausfälle. Auf einigen Stationen sind es aktuell sogar bis zu 20 Prozent«, vermeldet Weber. Und in der Asklepios Klinik Lich? Hier »ist aktuell die Ausfallrate im Vergleich zum Durchschnitt erhöht, da Mitarbeiter krankheits- oder quarantänebedingt nicht eingesetzt werden können«, erläutert Schwandner.

Wie EV-Sprecherin Christine Dietrich in diesem Zusammenhang zu bedenken gibt, begrenzt nicht die Anzahl von verfügbaren Betten oder Beatmungsgeräten die Betreuung von Covid-Patienten, »sondern der Mangel an Pflegekräftepersonal, der leider flächendeckend herrscht«, sagt sie. Laut UKGM-Sprecher Frank Steibli sei der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte »komplett erschöpft«, sodass am Klinikum derzeit nicht alle offenen Stellen besetzt werden könnten.

Auf einen weiteren wichtigen Aspekt weist schließlich noch Matthias Weber hin: Durch die aufwendigere Behandlung von Covid-Kranken »wird mehr pflegerisches Personal gebunden. Zudem schränkt die Isolationsbehandlung unsere Bettenkapazitäten ein«. Als Folge davon müssten planbare, aber dennoch wichtige medizinische Eingriffe verschoben werden.

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