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»Sehen, ob das gewollt ist«

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Zwischen den Bäumen am oberen Bildrand könnte das Panorama bald von Windkraftanlagen eingefasst werden. © Schu

Sechs oder sieben Windkraftanlagen könnten bei einem gemeinsamen Projekt von Gießen, Buseck und Fernwald entstehen.

Gießen/Fernwald/Buseck. Noch dreht sich kein Windrad im Fernewald an der A 5. Das könnte sich jedoch bald ändern, sollten die politischen Gremien in Gießen, Fernwald und Buseck dem abgestimmten Grundsatzbeschluss zustimmen. In dem Fall würden die drei möglichen Partner jeweils eigene Flächen in dem Gebiet beisteuern, auf denen ein Pächter sechs oder sieben Windkraftanlagen errichten könnte. »Am Besten entwickelt man ein solches Projekt gemeinsam. Denn dann kann man auch gemeinsam auf dem Markt auftreten«, erklärt Gießens Bürgermeister Alexander Wright von den Grünen. Auch Busecks Bürgermeister Michael Ranft (CDU) sieht eine interkommunale Zusammenarbeit als erstrebenswert an, um »den Mehrwert in der Region« zu halten. So hätten die Kommunen nicht nur die Windkraftanlagen vor der Nase, sondern die Erträge auch im Stadtsäckel. Angesichts steigender Energiepreise, gerade aktuell als Folge des Kriegs in der Ukraine, sei er als Bürgermeister auch in der Pflicht, zu schauen, wie man die Bürger entlasten könne, argumentiert Fernwalds parteiloser Bürgermeister Manuel Rosenke.

»Ein großes Standbein der Energiewende«

»Windräder sind ein großes Standbein der Energiewende. Wir haben aber leider im Stadtgebiet keine verfügbaren Flächen«, erklärt Wright als er die Beschlussvorlage am Dienstagnachmittag vorstellt. Im Regionalplan seien zwei Prozent der Fläche für Windkraft vorgesehen, und »wir wollen unseren Beitrag dazu leisten«, betont der Politiker. Die Stadt habe bereits mehrere Angebote für ihre Fläche im Fernewald erhalten, sich jedoch entschieden, mit Buseck und Fernwald zusammenzuarbeiten. »Bevor wir aber in Verhandlungen treten können, müssen zunächst die politischen Gremien der drei Kommunen zustimmen«, erläutert der Bürgermeister. Erste Angebote seien bereits vor seinem Amtsantritt eingegangen, aber »ich habe die Gespräche intensiviert«. Wright macht zudem deutlich, dass es um eine Verpachtung der Fläche gehe. Ein Teil des ausgewiesenen Vorranggebietes sei zudem in privater Hand. Dort entstehe eine weitere Anlage.

Dass Bäume in dem Waldgebiet für Windräder weichen müssten, tue schon sehr weh, unterstreicht der Politiker. Allerdings werde der Ausgleich mitgedacht. »Wichtig ist uns die Frage, wie wir Bürger an dem interkommunalen Projekt beteiligen können«, führt der Bürgermeister aus. In der Begründung des Grundsatzbeschlusses heißt es dazu, dass »die Interessen unterschiedlicher Vertreter (Kommunen, Projektierer, Gesellschaft, Vereine) herangezogen und unter fachlichen Aspekten abgewogen werden. Bürgerbeteiligung ist ein wesentlicher Bestandteil und soll über Informationsveranstaltungen und über die Möglichkeit der finanziellen Beteiligung stattfinden. Die Bedingungen werden in den Gesprächen mit den möglichen Projektierern vorgetragen. Zu den Informationsveranstaltungen werden die Verwaltungen zum gegebenen Zeitpunkt einladen.«

Bei Zustimmung der Gremien zum Grundsatzbeschluss würden Magistrat und Gemeindevorstände ermächtigt, Gespräche mit möglichen Projektierern zu führen, um das interkommunale Projekt voranzutreiben. Voraussetzung gemäß Antragstext sei es, dass die Anliegergemeinden und ihre Bürger in die Entwicklung des Windparks einbezogen würden.

Vorgespräche der möglichen Partner

Grundsätzlich werde man auch in Fernwald über Windkraft diskutieren müssen, meint Rosenke. Die Pläne der Stadt Gießen, in der Gemarkung Fernwald Windkraftanlagen zu bauen, seien bekannt. Auf Bürgermeister-Ebene habe es mit Fernwald und Gießen bereits Vorgespräche gegeben, das Thema solle nun in die politischen Gremien, berichtet Ranft. Dies auch, um erst einmal zu sehen, ob »das gewollt oder nicht gewollt ist«. Eine mögliche Bürgerbeteiligung an den geplanten Windkraftanlagen wäre für Ranft das Sahnehäubchen obendrauf. »Das wäre einfach toll.«

Für die Erreichung der Klimaschutzziele auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sei »der Ausbau der erneuerbaren Energien essenziell«, argumentieren die möglichen Partner in der Begründung der des Grundsatzbeschlusses. Dafür müssten auch vor Ort die Windenergiepotenziale gehoben werden. Die Vorrangfläche, auf der Gießen, Fernwald und Buseck den Windpark entwickeln lassen wollen, umfasst insgesamt 153 Hektar. Sie sind bereits im Teilregionalplan Energie von 2016 für Windenergie ausgewiesen.

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