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Seit 50 Jahren im Besitz der Stadt

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Von: Rüdiger Schäfer

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Kunsthistorikerin Henriette Stuchtey (Untere Denkmalschutzbehörde) referierte über die vergangenen 50 Jahre. Foto: Schäfer © Schäfer

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals lud der Magistrat zu einer Vortragsveranstaltung »Der Schiffenberg - 50 Jahre im Besitz der Universitätsstadt Gießen« ein.

Gießen . Dass es bereits vor 50 Jahren eine Bürgerinitiative mit dem Namen »Rettet den Schiffenberg!« gab, ist wohl den wenigsten von uns bekannt. Im Oktober 1971 gegründet, hatte sie im darauffolgenden Jahr ihr Ziel erreicht. Rückwirkend zum 1. April 1972 übergab das Land die Domäne in einem Festakt am 2. September des Jahres an die Stadt Gießen. 196 000 DM hatte die Stadt für den Ankauf zu zahlen.

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals, der auf Initiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz jährlich am zweiten Sonntag im September terminiert ist und in diesem Jahr unter dem Motto »KulturSpur« stand, lud der Magistrat zu einer Vortragsveranstaltung »Der Schiffenberg - 50 Jahre im Besitz der Universitätsstadt Gießen« ein. Musikalisch umrahmt wurde das Programm durch das Harfenspiel von Cordula Poos.

Stadträtin Astrid Eibelshäuser sprach über die Bedeutung des Schiffenbergs für die Stadt, Kunsthistorikerin Henriette Stuchtey von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt referierte über die vergangenen 50 Jahre bezüglich Erhalt und Nutzung des Kulturdenkmals sowie auch zu nicht immer gutzuheißenden Entscheidungen des Denkmalschutzes im Spiegel der Zeit.

Viel historisches Material sei durch zahlreiche Restaurierungssünden unwiederbringlich vernichtet worden. Der ehemalige Stadtarchäologe Manfred Blechschmidt, der seit vielen Jahrzehnten seine Expertise in die Entwicklung des Schiffenbergs einbringt, erzählte viel über archäologische Grabungen von 1972 bis heute und deren Resultate bezüglich der Vor- und Frühgeschichte des Anwesens. So seien bei Grabungen Urnenfelder entdeckt worden, die aus der Zeit von 1200 bis 800 v. Chr. stammten. Blechschmidts Meinung nach war der Schiffenberg vor 6000 Jahren bereits besiedelt. »Es wird spannend werden, wenn der Innenhof irgendwann untersucht wird.« Die sich an das Programm anschließende einstündige Führung leitete Dagmar Klein.

Eibelshäuser ging der Frage nach: Was ist der Schiffenberg? »Die Flächen und der Wald um den Schiffenberg, die Domäne Schiffenberg, die ehemalige Klosteranlage, die Basilika.« All dies war zunächst im Besitz des Landes gewesen. Bereits 1962 - also vor 60 Jahren - habe der damalige Oberbürgermeister Albert Osswald den Vertrag zur Übergabe von landwirtschaftlich genutzten Flächen und dem Wald um den Schiffenberg an die Stadt Gießen mit dem Land Hessen abgeschlossen. Im Gegenzug erhielt das Land stadteigene Flächen, die zum Ausbau der Justus-Liebig-Universität benötigt wurden.

Die Domäne Schiffenberg wird von der Stadt gepachtet. Aber bereits seit Beginn der 60er Jahre hat diese das Interesse zur Übernahme zum Ausdruck gebracht. Nach vielem Hickhack zwischen Land und Stadt machte sich eine BI stark für den Erhalt des Schiffenbergs als Naherholungsgebiet und für den Erhalt und die Sanierung der Gebäude. »Mehr als 2000 Bürger unterstützten die Aktion«, erzählte die Stadträtin. Vorrangig sei es der BI um den Erhalt der historischen Gebäude und die Entwicklung eines Naherholungsgebietes mit »viel Ruhe und wenig Rummel« gegangen. »Die Entscheidung zum Kauf fand im politischen und gesellschaftlichen Raum breite Unterstützung.« Stadtverordnetenvorsteher Richard Kratz habe im Rahmen des anlässlich der Übergabe veranstalteten großen Schiffenberg-Festes gesagt: »Die Stadtverordnetenversammlung handelte im Bewusstsein, den Willen der Mehrheit der Bevölkerung zu vollziehen.« Die engagierte BI und viele mehr hätten in den vergangenen Jahrzehnten dafür gesorgt, dass den Erwartungen, die in der Stadt in den 60er und 70er Jahren zum Ausdruck kamen, entsprochen wurde und heute der Schiffenberg das zentrale Ausflugsziel von Gießen sei, so Eibelshäuser. »Hier vereint sich Geschichte und Kultur mit Erholung, Sport, Begegnung und Festen.« Und das mache den besonderen Charakter des Ortes aus.

Als bedeutendste Maßnahme führte sie die Restaurierung der Basilika an, die im Wesentlichen in den Jahren 2011 bis 2015 erfolgte. »Damit ist die Basilika zunehmend in den Fokus gerückt; nicht zuletzt durch die Erkenntnisse der Restaurierung und der besonderen Auszeichnung als Kulturdenkmal mit nationaler Bedeutung.«

Um die sensible Bausubstanz zu schützen, wurde 2019 eine dezente Verglasung der Arkaden vorgenommen: Verschlossen die Basilika, jedoch nicht der öffentlichen Betrachtung und Nutzung entzogen. »Mittlerweile gibt es eine Reihe von Fachveröffentlichungen. Die Basilika kann an den Wochenenden besichtigt werden. Es gibt regelmäßige Führungen, zahlreiche kulturelle Veranstaltungen wie die Basilika-Konzerte - sogar zahlreiche Trauungen.«

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