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Seit 700 Jahren Teil des Stadtbildes

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Gut zu erkennen: Das Wallenfels’sche Haus als historische Zeichnung und im Original. Foto: Spannagel © Spannagel

Das Wallenfels’sche und das Leib’sche Haus in Gießen werden derzeit saniert. Eine Ausstellung im Alten Schloss nimmt derweil die Gebäude-Geschichte in den Blick

Gießen. Im Alten Schloss gibt es derzeit eine Ausstellung zur Geschichte des Wallenfels’schen und des Leib’schen Haus zu sehen, zwei Museumsgebäude, die noch bis 2025 eine Sanierung und Neukonzeptualisierung erfahren. Die drei Orte sind bereits geschichtlich eng miteinander verflochten. Dagmar Klein, Expertin für Stadtgeschichte, hat eine Führung durch die Ausstellung und durch den dazugehörigen, relevanten Ausschnitt der Innenstadt angeboten.

Auf Kellern erbaut

Angefangen hat alles 1350, knapp 200 Jahre nach Gründung der Stadt Gießen: Das Leib’sche Haus wurde errichtet und es ist Teil gewesen einer damaligen Befestigunganlage, von der heute nur noch nachgebildete Stadtmauerfragmente zeugen. Dort lebten seinerzeit sogenannte Burgmannen, die Verwaltungsaufgaben für den Burgherren in Gleiberg erledigten. Auf den Kellern ebenfalls in diesem Zusammenhang entstandener Gebäude wurde im 18. Jahrhundert schließlich das Wallenfels’sche Haus errichtet.

Ein weiteres Jahrhundert später veränderte sich die Stadt mit dem Wegfall der Befestigungstrukturen. Dies ging an den Gebäuden, die nun wieder Orte einer Veränderung sind, nicht spurlos vorüber. Darauf lassen sich auch ihre heutigen Namen zurückführen: Carl Ludwig Leib und Johann Christian Wallenfels ließen sich dort, beide Mitte des 19. Jahrhunderts, geschäftlich nieder. Während Ersterer in einer Vergolderei und Kunsthandlung etwa Bilder rahmte, bot Wallenfels Färberei und chemische Reinigung an.

1944 wurden dann beide Gebäude durch Luftangriffe unterschiedlich stark beschädigt. Erst in den 1970er und 1980er Jahren nahm sich die Stadt dem Zerfall an. Die Häuser wurden aufgekauft, wiederhergerichtet und avancierten schließlich zu einem Teil des Oberhessischen Museums. Sie sollten »als städtischer Identifikationspunkt dienen und symbolisch allen Bürger*innen zurückgegeben werden«, heißt es auf einer Informationstafel zur damaligen Kulturpolitik. Das »Alle« soll sich nun auch architektonisch widerspiegeln. So soll die Generalerneuerung beider Häuser unter anderem auch mit Barrierefreiheit einhergehen. Geplant ist weiterhin, sie miteinander zu verbinden und im Inneren zu optimieren.

Im zweiten Teil der Führung ging es nach draußen, wo Dagmar Klein anhand der Gebäude den Besuchern noch einen augenscheinlichen Eindruck der Stadthistorie vermittelte. Am Leib’schen Haus erklärte sie, dass glattere Balken in der Fachwerkkonstruktion sich von den Originalbauteilen unterscheiden, die bei der Restaurierung verwendet wurden. Das Wallenfels’sche Haus war zudem auf einer alten studentischen Zeichnung aus einem Stammbuch zu sehen, gemeinsam mit Kirchplatz und Kirche - dort, wo heute Cafébesucher die Zeit verbringen. Die Akkuratheit der Zeichnung hatten übrigens Grabungen 2014 bewiesen, als ebener Pflasterstein zutage befördert wurde. Ebenfalls ein Bild machen konnten sich die Besucher vom Verlauf der früheren Stadtmauer, die unter anderem vom Alten Schloss am Brandplatz hin zu dem Gebäudepaar verlief.

Vorstellungskraft benötigt

Ebenfalls einen Blick werfen durften sie auf Überreste des ehemaligen Grabens, der an seiner Rückseite an das Alte Schloss angrenzte. Nachdem es andernorts Unfälle gegeben hat, verfügt dieser jedoch über kein Wasser mehr und ist außerdem nur noch teilweise existent. »Wir müssen uns das jetzt vorstellen, wie so vieles in Gießen«, so Klein.

Kaum Imagination und weniger Restaurationsarbeit ist hingegen im Falle des Turmes im Schlosshof nötig gewesen. Die Bomben »konnten nichts anrichten« an der Substanz der doppelwandigen Konstruktion. Einzig das Holzdach fiel dem Krieg zum Opfer.

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