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»Seite an Seite mit tapferer Ukraine«

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Erneut versammelten sich viele Unterstützer auf dem Rathausvorplatz. © Leyendecker

Die Solidaritäts-Veranstaltung der Jugendorganisationen der Gießener Parteien traf auf breite Resonanz. Zudem überbrachte der ukrainische Generalkonsul den Dank seiner Landsleute.

Gießen . Zehn Tage nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine ist die Unterstützung für die dortige Bevölkerung weiter groß. Im Rahmen einer Kundgebung, zu der die Gießener Jugendorganisationen der Parteien eingeladen hatten, harrten am Samstag rund 800 Teilnehmer zwei Stunden auf dem Rathausvorplatz aus, um lautstark ihre Solidarität zu bekunden.

»Wir verachten dieses Regime. Gießen war, ist und bleibt ein sicherer Hafen. Unsere Stadt und ihre demokratisch gewählten Repräsentanten der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats stehen fest an ihrer Seite, an der Seite der tapferen Ukraine, die so viel Not, Elend und Leid durch Putins Angriffskrieg erleiden musste«, betonte Stadtverordnetenvorsteher Joachim Grußdorf in seiner Rede. »Die atomare Katastrophe von Tschernobyl ist vielen von Ihnen noch gut in Erinnerung. Wir wissen, welche schrecklichen Gefahren das für Europa, einschließlich der Ukraine, bedeutet«. Die Welt sei nun eine andere geworden.

Der ukrainische Generalkonsul in Frankfurt, Vadym Kostiuk, bedankte sich für die Solidarität der Gießener. »Bitte organisiert für meine geflüchteten Landsleute Unterbringungs- und Transportmöglichkeiten. Holt sie bitte von Bahnhöfen ab. Wir wären Euch sehr dankbar dafür. Lernt uns besser kennen und Ihr werdet sehen, dass wir mit Russland wenig gemeinsam haben und noch weniger haben wollen. Sie wissen, dass die Wahrheit mit der Ukraine ist. Und Sie wissen, dass die Welt mit der Ukraine ist. Es gibt uns die Kraft, diese Tortur in Würde zu ertragen«, betonte der Generalkonsul.

Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher unterstrich, dass er dankbar sei, dass »Worte der Klarheit und der Analyse« ausgesprochen werden. »Ich spüre, dass das die Kraft ausdrückt, die wir alle gemeinsam haben, weil wir solidarisch an der Seite der Ukraine stehen. Propaganda ist schon immer ein Teil der Kriegsführung gewesen, und es ist umso wichtiger, immer wieder zu Propagandalügen ›Nein‹ zu sagen und etwas entgegenzusetzen«, so Becher weiter. Ein Krieg bleibe immer ein Krieg an den Menschen und der Menschlichkeit, bekräftigte er.

Der Gießener Historiker Prof. Hans-Jürgen Bömelburg unterstrich die Abhängigkeit Europas von Russland. »Deutschland gehört nach wie vor zu den größten Zahlern an Russland. Es werden täglich weit über 100 Millionen Euro an Russland gezahlt für Gas, Öl und Kohle. Wir finanzieren damit nach wie vor die russische Rüstungsindustrie und Putins Krieg. Aus meiner Sicht kann das nicht so bleiben, und es ist falsch«, betonte er.

Frederik Bouffier von der Jungen Union führte aus, dass Gießen nur bedingt Einfluss aus der Ferne nehmen könne, aber der Beistand gewiss sei. »Es beschämt mich, dass es in unserem Land immer noch Menschen gibt, die nicht klar und unmissverständlich erklären können, von wem diese Aggression ganz allein ausgeht. Von Putin, es ist Putins Krieg«. Wer in ein anderes Land einmarschiere und die Waffen auf die Zivilbevölkerung richte, der sei ein Kriegsverbrecher, so Bouffier.

Lea Konrad von den Jusos schloss an ihre Vorredner an und machte einige Aspekte deutlich. »Russland wird nicht bedroht, nicht von der Ukraine und nicht von der NATO. Das, was Putins Regime bedroht, ist das Streben seiner Nachbarn und seiner eigenen Bevölkerung nach Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit«. Putin sehe die Ukraine nicht als eigenständigen Staat an«, sagte Konrad.

Fabian Mirold-Stroh von der Grünen Jugend unterstrich in seiner Rede, dass Russland als größte Atommacht der Welt keinen Angriff fürchten müsse. »Putin hat nur eine Angst, und das ist die Angst vor dem eigenen Volk. Davor, dass sie es leid sind, unter Armut und Repression zu leben, während Putin und seine Oligarchenfreunde das Land plündern. Es ist ein Angriff auf die Freiheit«, unterstrich Mirold-Stroh. Und jeder Euro, der für Gas nach Russland ginge, gehe direkt ans Militär.

Nikolai Davydov sprach für die Jungen Liberalen, der gebürtige Ukrainer betonte, dass Europa und die Freiheit wichtiger seien als jegliche Parteienpolitik. »Die Ukraine hatte schon viele Probleme, auch früher. Aber heute steht Präsident Selenskyj für Demokratie und eine europäische Zukunft. Das Volk ist aufgestanden und hat sich gegen eine korrupte Regierung gewehrt, das zeigt die Wahl von Selenskyj«, so Davydo. »Der Krieg richtet sich nicht gegen territoriale Interessen. Es geht hier gegen die Freiheit und Demokratie als Konzept. Putin hat Angst, dass der Majdan zu ihm nach Moskau kommt«.

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