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»Selbstkontrolle der Wissenschaft stärken«

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Die Kommission zu sicherheitsrelevanter Forschung der Universität Gießen hat ihren Bericht vorgelegt, in dem auf die Gefahr des Missbrauchs wissenschaftlicher Kenntnisse aufmerksam gemacht wird.

Gießen (fod). Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern bergen auf vielen Gebieten die Gefahr, missbraucht zu werden. Sei es, um sie zu illegaler Waffenentwicklung zu nutzen, damit die Gesundheit und Würde anderer Menschen zu bedrohen oder um sich selbst daran zu bereichern. Diese Risiken gelten auch für die Justus-Liebig-Universität (JLU) mit ihren unterschiedlichsten Forschungsgebieten in den geistes- und naturwissenschaftlichen Disziplinen. Bereits 2015 wurde an der JLU die »Ständige Kommission zu sicherheitsrelevanter Forschung« ins Leben gerufen. Zu ihren Aufgaben gehört es, jedes Jahr einen Bericht im Uni-Senat vorzulegen und dessen Mitglieder über etwaige Entwicklungen und ihre Beratungstätigkeit zu informieren, so auch bei der Sitzung am Mittwoch.

Wie der Vorsitzende der Kommission, Prof. Martin Kramer, vortrug, sei 2021 »keine Meldung möglicher sicherheitsrelevanter Aspekte einzelner Forschungsvorhaben aus der Universität heraus an die Kommission erfolgt«. Mit dieser Erfahrung stehe die Gießener Uni im Wissenschaftssystem jedoch nicht allein da.

Risiko beurteilen

Denn »besorgniserregende sicherheitsrelevante Aspekte« seien »nur seltene Ausnahmen im akademischen Forschungsbetrieb«, verdeutlichte der JLU-Vizepräsident für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. So seien laut dem Gemeinsamen Ausschuss (GA) von Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) und Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, beispielsweise zwischen 2016 und 2019 von Hochschulen in ganz Deutschland »nur 59 potenziell sicherheitsrelevante Fälle« dort beraten worden. Von denen wiederum lediglich fünf zu ablehnenden Stellungnahmen von Gremien führten.

Aus Sicht Kramers komme der »Selbstregulierung der Wissenschaft« bei alldem eine entscheidende Bedeutung zu. Denn »alleinig fachliche Nähe und Sachverstand« führten zur Beurteilungsfähigkeit eines Sicherheitsrisikos durch einen möglichen Dual-Use von wissenschaftlichen Erkenntnissen, etwa einer Doppelverwendungsfähigkeit in zivilem und militärischem Rahmen.

Die Schärfung des Problembewusstseins sei daher auf allen Karrierestufen notwendig. Jeder Forschende und Mitarbeiter sollte unter anderem von den ethischen Vorgaben in den DFG-Leitlinien »zur guten wissenschaftlichen Praxis« Kenntnis haben. Und so gehöre es laut Kramer zu den vordringlichen Aufgaben der JLU-Kommission, regelmäßig zu erinnern und beratend tätig zu sein. Das Ziel bleibe »die Stärkung der Selbstkontrolle der Wissenschaft«. Deshalb sei eine verstärkte Sichtbarkeit des Themas im Rahmen der forschungsorientierten Lehre anzustreben.

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