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Selbstvertrauen am Seil und an der Wand lernen

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Wie geht das? Auch die Allerkleinsten werden von Petra Herr mit den Grundregeln des Kletterns in der Halle vertraut gemacht. © pv

Im DAV Kletterzentrum an der Rödgener Straße bietet Sozialpädagogin Petra Herr Spezialkurse von Kinder Lösenstark an.

Gießen (gt). Selbstbehaupttungskurse für Kinder und Jugendliche gibt es in Gießen von verschiedenen Anbietern und an unterschiedlichen Orten. Vor einigen Wochen gab es erstmals zwei solcher Angebote in der wohl ungewöhnlichsten Sportstätte der Stadt, nämlich dem DAV-Kletter- und Boulderzentrum des Alpenvereins. Dorthin kamen Grundschüler an vier Nachmittagen zum gemeinsamen Klettertraining, denen jeweils ein Selbstbehauptungstraining im Seminarraum der Halle vorausging. Das waren die Teilnehmer an den ersten beiden Spezialkursen von »Kinder Löwenstark« mit Sozialpädagogin Petra Herr. Neuauflagen gibt es kurz nach Weihnachten und im kommenden Frühjahr.

Die Kursleiterin ist seit drei Jahren ehrenamtlich als Kletterbetreuerin in der Halle aktiv. Hauptberuflich ist sie Sozialpädagogin in einer Wohngruppe für psychisch kranke Jugendliche. Dort erlebt sie immer wieder, wie Mobbing- und Konfliktsituationen die Seele eines Kindes nachhaltig schädigen können, wenn Selbstsicherheit und Anpassungsfähigkeit nicht schon früh gefördert werden.

Die lange Corona-Zwangspause im vergangenen Frühjahr brachte die 39-Jährige auf die Idee, Beruf und Hobby miteinander zu verbinden. Sie absolvierte eine Weiterbildung zur Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin. Mit dieser Qualifikation machte sie sich im Sommer nebenberuflich selbstständig mit einen Trainingsangebot für Kinder und Jugendliche unter dem Titel «Kinder Löwenstark«. Zu dessen Programm gehören auch die »Rundherum-Stark«-Kurse, die Kletter- und Selbstbehauptungstraining kombinieren. Beide Kurse, die mit maximal zwölf Teilnehmern über viermal zweieinhalb Stunden gingen, waren rasch ausgebucht. Die Eltern zahlten dafür 135 Euro inklusive Halleneintritt, Leihgurt und zwei Kletterbetreuern.

An den vier Nachmittagen ging es in einem der Seminarräume der Kletterhalle zunächst jeweils ein Stunde lang um Selbstbehauptung. Dabei erfuhren die Kinder in vielen praktischen Übungen, für die die Kursleiterin die Rolle des Provokateurs oder Störenfrieds übernahm, neue Kommunikationsmuster und Handlungsstrategien. Das Ziel: in Konfliktsituationen mit anderen Kindern selbstbewusst bleiben. Das soll auch zu mehr Durchsetzungsvermögen und einem respektvollen Umgang miteinander führen.

Anschließend ging es dann für anderthalb Stunden in die Kletterhalle. Unter Anleitung und Aufsicht von Kletterbetreuer Niklas Kehrein und der Kursleiterin lernten die Kinder den Umgang mit der Seilsicherung kennen und konnten sich dann an einfachen oder auch anspruchsvolleren Kletterrouten versuchen. Die beiden Betreuer nutzten dabei auch die noch neuen Selbstsicherungsgeräte, die das sportliche Klettern ohne den sonst obligatorischen Sicherungspartner ermöglichen.

Die Vorteile dieses Klettertrainings liegen auf der Hand: Die Kindern werden körperlich gefordert, sie trainieren Motorik und Konzentration. Und sie lernen, dem Trainer, der Ausrüstung und vor allem sich selbst zu vertrauen. Das pädagogische Ziel ist klar: Durch die Erfolgserlebnisse in der Wand werden die Kinder souveräner und trauen sich mehr zu.

In den Weihnachtsferien, am 29./30. Dezember, gibt es ein Kompaktangebot des »Rundherum-Stark-Trainings« über jeweils zehn Stunden inklusive Mittagspause mit Verpflegung. Die regulären Vier-Wochen-Kurse werden fortgesetzt vom 17. Februar bis zum 10. März und vom 15. März bis zum 5. April. Weitere Informationen dazu sind zu finden unter https://www.kinderloewenstark.de/löwenstarke-trainings sowie unter https://www.kletterzentrum-giessen.de/kurse-und-veranstaltungen/kooperationen. (gt)

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