Senat: Prof. Joybrato Mukherjee skizziert Umgang der Uni Gießen mit der AfD

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GIESSEN - (olz). Das Thema IHK-Steuerkongress, an dem unter anderem AfD-Bundessprecher Prof. Jörg Meuthen teilnimmt, ist an der Justus-Liebig-Universität nicht beendet. Das ist in der Senatssitzung am Mittwoch deutlich geworden. Zwar ist längst klar, dass die Veranstaltung am 22. Mai in der Kongresshalle stattfindet. Doch kam aus dem Gremium der Wunsch nach einer Diskussion über den Umgang der Universität mit Parteien wie der AfD.

JLU-Präsident Joybrato Mukherjee erklärte, dass er in internen Absprachen ein Format finden wolle, das Senat und Präsidium eine solche Debatte ermöglicht.

"Für unsere eigenen Veranstaltungen haben wir als Universität sehr klare Linien definiert", hatte der Präsident zuvor betont. Nach Diskussionen mit Fachleuten wie Politikwissenschaftlern habe man unter anderem abgestimmt, wie die JLU mit politischen Gruppen wie der "Alternative für Deutschland" umgehen wolle. Zwar sei die Uni bereit, AfD-Positionen zu diskutieren. "Aber wir wollen führenden Vertretern der Partei keine Bühne in universitären Räumen geben", unterstrich Mukherjee. Diese Linie gelte für eigene Veranstaltungen. Es gebe Gründe für diese Haltung, ebenso wie es Argumente für die Linie der IHK gebe. Nach der Anfrage der Industrie- und Handelskammer, die Uniaula als Veranstaltungsort mieten zu wollen, habe sich die Hochschule zwei Tage Bedenkzeit erbeten. "In dieser Zeit hat sich die IHK entschieden, auf die Kongresshalle auszuweichen", so der Präsident, der auf Anregung aus dem Senat jedoch zusagte, die skizzierte Linie der Universität gegenüber der AfD zu diskutieren.

Zum Start des aktuellen Sommersemesters berichtete Mukherjee, dass die Uni soweit alles im Griff habe. "Das Sommersemester ist meist unproblematisch", erinnerte der Präsident. Beim großen Thema Lehrermangel in Grund- und Förderschulen habe die JLU zusammen mit den Universitäten in Frankfurt und Kassel dem Land signalisiert, dass die Hochschulen bereit sind, ihren Beitrag zu leisten, den Mangel langfristig abzustellen. Allerdings müssten dazu unter anderem auch die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen. "Wir sind seit Januar im Gespräch mit dem Land, das nun zum Abschluss kommen könnte", führte Mukherjee aus. Dieser Abschluss müsse zügig erfolgen, wenn entsprechende Änderungen zum nächsten Wintersemester in Kraft treten sollen. In seinem Bericht wies Vizepräsident Peter Kämpfer darauf hin, dass der Wissenschaftsrat den Antrag für den Forschungsneubau der Psychologie um ein Jahr zurückgestellt habe. "Wir waren sehr überrascht und warten nun auf die schriftliche Stellungnahme", skizzierte Kämpfer das weitere Vorgehen, das eine erneute Antragsstellung umfasst. Zudem verwies der Vizepräsident auf das mit acht Millionen Euro neu geförderte Schwerpunktprogramm "Gen- und zellbasierte Therapien für die Behandlung neuroretinaler Degeneration" der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Eingeworben wurde es von den Professoren Knut Stieger und Birgit Lorenz.

In zweiter Lesung stellte Dr. Nadyne Stritzke, Zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte sowie Leiterin des Büros für Chancengleichheit, das neue Gleichstellungskonzept vor. Es liegt bislang im Entwurf vor und trägt den Titel "Gleichstellungskonzept 2.0: Antidiskriminierung und Chancengleichheit, Frauenförderung und Familiengerechtigkeit". Seit 2008 verfügt die JLU über ein solches Konzept, das mit dem neuen Strategiekonzept weiterentwickelt werden soll.

In einem kurzen Vortrag skizzierte Stritzke die Entwicklung der Gleichstellungspolitik an der JLU zwischen 1989 und 2017. Die erste Phase bis 2005 sei durch die Institutionalisierung unter anderem durch die Etablierung der Frauenbeauftragten geprägt gewesen. Ab 2008 habe man dann professionalisiert. In diesem Abschnitt ist das erste Gleichstellungskonzept entstanden, allerdings als Voraussetzung für die Teilnahme am Professorinnenprogramm. Im Gegensatz dazu sei das neue Strategiepapier ein gleichstellungspolitisches Gesamtkonzept. "Vormals getrennte Konzepte zur Gleichstellung und Frauenförderung werden erstmals in einem Konzept zusammengeführt", heißt es in dem Papier, das gleichstellungsorientierte Qualitätsstandards zur Sicherung von Chancengleichheit in der Organisationsstruktur der JLU verankern will. Diese Standards samt flankierender Maßnahmen sollen etwa die Vereinbarkeit von Studium oder Arbeit mit Familie fördern, unterstützen und die Frauenförderung weiter umsetzen, ebenso wie den Schutz vor Diskriminierung. Noch ist das Strategiepapier im Entwurfsstadium, und für die nächste Senatssitzung kündigte Mukherjee zunächst eine dritte Lesung an. Erst danach soll das Gremium über das Papier entscheiden, mit dem die Universität auch zahlreiche gesetzliche Vorgaben und Empfehlungen der DFG umsetzt.

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