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Sicher rein und wieder raus

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Von: Eva Pfeiffer

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Thomas Bätz zeigt, wie es geht: Mit Seniorinnen hat der Busfahrer das Ein- und Aussteigen mit Rollator in den Bus geübt. Foto: Pfeiffer © Pfeiffer

Bei einem kostenlosen Training mit Thomas Bätz proben fünf Seniorinnen in der Gießener Weststadt die Busfahrt mit Rollator. Die Frauen weisen auf einige Defizite hin.

Gießen . Thomas Bätz ist eigentlich gut zu Fuß. Trotzdem steht er an diesem Herbstnachmittag mit einem Rollator vor der Bushaltestelle »Herderschule« in der Gießener Weststadt. So nah es geht, rollt er das Hilfsmittel an den Bus, hebt mit der Ankipphilfe die Vorderräder an und schiebt den Rollator durch die offene Tür. »Stellen Sie die Bremse fest. Erst dann gehen Sie selbst hinein und lösen danach die Bremse wieder«, sagt der Beuerner und macht es vor. Fünf ältere Damen, allesamt ebenfalls mit Rollator ausgerüstet, beobachten ihn dabei genau - schließlich haben sie sich für Bätz’ kostenloses Rollatortraining angemeldet. Zwei Stunden lang übt der Busfahrer mit den Teilnehmerinnen, damit diese sich künftig im ÖPNV sicherer fühlen.

Sitzplatz statt Rollator

»Ganz wichtig: Setzen Sie sich nicht auf Ihren Rollator, das kann gefährlich werden, wenn der Bus bremst«, rät der Experte. Stattdessen solle man das Gefährt abstellen, die Feststellbremse ziehen und auf einem der Sitze Platz nehmen. Und wenn alles voll ist? »Bitten Sie ruhig andere Menschen, aufzustehen. Das ist nicht unhöflich.«

Gleich mehrfach üben die Seniorinnen das richtige Ein- und Aussteigen aus dem Bus. Denn wann hat man schon einmal die Gelegenheit, sich ohne Zeitdruck oder andere Mitfahrer in dem Gefährt auszuprobieren? »Lassen Sie immer erst die Leute aussteigen, Sie brauchen mehr Zeit«, empfiehlt Bätz. Verfügt der Bus über eine Rollstuhl- oder Kinderwagen-Taste an der Tür, sollte man diese drücken: »Der Fahrer bekommt ein Signal und weiß: ›Hier ist jemand, der langsamer ist‹.«

In der Praxis funktioniere das jedoch häufig nicht, beim Einsteigen müsse man sich sehr beeilen, klagt eine Teilnehmerin: »Da wäre schon längst die Tür zugegangen.« Und auch sonst seien die Busse unterschiedlich gut auf die Bedürfnisse älterer Menschen angepasst. »Das Modell war mir schon ein Dorn im Auge, bevor ich mit Rollator unterwegs war«, ärgert sich eine Teilnehmerin und zeigt auf die gelben Griffe, die sie beim einsteigen kaum erreichen kann: »Die Griffe sind zu weit hinten bei den Bustüren, die nach außen aufgehen. Man muss schon halb im Bus stehen, damit man sich festhalten kann.«

Ein weiteres Problem, über das sich alle Teilnehmerinnen ärgern: Der mitunter zu große Spalt zwischen Gehweg und Bus. Der Busfahrer, der das Übungsgefährt vorbeigebracht und sich anschließend auf seinem Fahrrad in den Feierabend verabschiedet hat, hat vorbildlich am Straßenrand gehalten. Der Spalt zwischen Bus und Gehweg ist klein, der Gehweg an der Bushaltestelle vergleichsweise hoch. Oft sei der Abstand viel größer oder der Fahrer senke den Bus nicht ab, kritisiert eine Allendorferin. »Einmal ist eine Mutter mit ihrem Kinderwagen in der Lücke hängen geblieben. Es brauchte zwei starke Männer, um die Räder wieder rauszubekommen.«

Hat man es dann aber mit dem Rollator in den Bus geschafft, muss man irgendwann auch wieder raus. »Ganz wichtig beim Aussteigen: Immer rückwärts«, sagt Thomas Bätz und zeigt, wie es geht: Rollator mit der Bremse sichern und rückwärts aussteigen. Erst dann die Bremse lösen und den Rollator rückwärts aus dem Bus auf den Gehweg ziehen. Auch wenn das Aussteigen mit dem Rücken zum Gehweg für einige der Teilnehmerinnen ungewohnt war, lasse sich so die Sturzgefahr verringern.

Übung macht den Meister

Den Bus hat die SWG-Tochtergesellschaft Mit.Bus GmbH zur Verfügung gestellt, Busfahrer Bätz führt das Training ehrenamtlich durch. »Ziel ist, das Training jährlich anzubieten.« In den vergangenen beiden Jahren machte die Corona-Pandemie dem Beuerner jedoch leider einen Strich durch die Rechnung.

Zum Abschluss des Trainings darf auch die Passantin, die mit ihrem Rollator zufällig an dem Bus vorbei kam, sich ausprobieren: »Wie weit habe ich noch nach hinten?«, fragt sie, während sie vorsichtig die Füße in Richtung Kante bewegt. Bislang sei sie nur einmal mit dem Rollator im Bus unterwegs gewesen: »Rein ging es gut, aber raus war sehr schwierig.« Letztendlich, so Thomas Bätz, gelte auch hier: »Man muss es sich aneignen. Übung macht den Meister.«

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