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Ein 25-Jähriger musste sich wegen mehrerer Straftaten vor dem Amtsgericht verantworten.

»Sie haben ein hohes Aggressionspotenzial«

Gießen . Seit 2013 wurde der junge Mann immer wieder straffällig: Gewalt, Nötigung, Erpressung, Körperverletzung: Daher hat der 25-Jährige auch schon einige Jugendstrafen hinter sich. Jetzt kommt noch eine Haft von drei Jahren und drei Monaten wegen einer Vielzahl ähnlicher Delikte hinzu, die er nach Überzeugung des Schöffengerichts unter Vorsitz von Dr.

Dietrich Claus Becke zwischen Dezember 2020 und Juni 2021 begangen hat. Außerdem ordnete das Gericht - wie gutachterlich empfohlen - die Unterbringung in einer Therapieeinrichtung an, um seinen problematischen Alkohol- und Drogenkonsum unter Kontrolle zu bekommen.

Am Ende des zweiten Verhandlungstages war ein klares Bild des Angeklagten zu erkennen: Seit seinem qualifizierten Hauptschulabschluss arbeitet er im Gartenbaubetrieb seines Vaters, ohne jemals eine reguläre Ausbildung zum Garten- und Landschaftsgärtner absolviert zu haben. Seit seinem 14. Lebensjahr ist er starker Raucher, Cannabis konsumiert er seit seinem 16. Lebensjahr, regelmäßiger Alkohol- und Amphetamingenuss kamen später noch dazu, hatte der Gutachter dargelegt. Und: »Er ist ein gesunder, junger Mann mit einem Substanzproblem. Er weiß, dass er gegen geltendes Recht verstößt«. Hier bestehe ein enger Zusammenhang zu den Straftaten. Er sei jedoch voll schuldfähig, seine psychotischen Anfälle seien eindeutig das Ergebnis des stetigen Alkohol- und Drogenkonsums. Ohne eine Therapie sei ihm eine negative Prognose zu bescheinigen.

Zuvor hatte die Tochter der Vermieterin des Angeklagten, die er massiv bedroht und beleidigt hatte, versichert, er sei ein »netter Junge« gewesen, bevor er mit den Drogen angefangen habe. Vorgeworfen wurde ihm unter anderem ein Angriff auf ihren 14-jährigen Bruder, der dabei stürzte und sich am Rücken verletzte.

Verantworten musste sich der 25-Jährige darüber hinaus wegen Auseinandersetzungen mit Minicarfahrern: Dem einen drohte er, ihn umzubringen, wenn er nicht 300 Euro aushändige, den anderen schlug er sogar zusammen. An einer Tankstelle wiederum soll er eine andere Person heftig attackiert und einen Ring, den Geldbeutel, eine Kette und eine Designer-Umhängetasche gestohlen haben.

Staatsanwältin Nathalie Dohmen forderte insgesamt drei Jahre und zehn Monate Haft sowie die Zahlung von 2400 Euro als Wertausgleich für die entwendeten Gegenstände. Verteidiger Henner Maaß plädierte für ein milderes Urteil, das unter drei Jahren liegen sollte. Einigkeit bestand jeweils darin, dass der 25-Jährige Hilfe in einer Entzugsklinik brauche.

Das Schöffengericht wählte letztlich einen Mittelweg. Angerechnet wird die Untersuchungshaft, in der sich der Angeklagte seit diesem Juli befindet. Als Wertausgleich soll er 1000 Euro zahlen. Zwar wertete das Schöffengericht die Attacke auf den 14-Jährigen nicht als Vorsatz, sondern als Zufall, weil der Junge einfach im falschen Moment an der falschen Stelle gestanden habe. Gleichwohl weise sein Verhalten auf »ein hohes Gewalt- und Aggressionspotenzial hin, das allen Taten zugrunde liegt«, so der Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Und er fügte hinzu: »Aber Sie haben eine Familie, die Sie unterstützt und die hinter ihnen steht. Das ist nicht immer so. Nutzen Sie diese Chance«.

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