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Sie hat den Dreh raus

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»Mona Motion« in Aktion: Vor der Pandemie führte die Gießener Studentin ihre Hula-Hoop-Tanzshow auch auf Festivals auf. Für besondere Effekte sorgt dabei ein LED-Reifen. © Kai Dekoeper

Gießener Studentin tanzt mit dem Reifen

Gießen . Wer »Mona Motion« in Aktion sieht, der kann es eigentlich kaum glauben: »Ich bin ein ziemlicher Sportmuffel«, sagt die 28-Jährige und lacht. Vor fünf Jahren hat sich die Studentin beim Allgemeinen Hochschulsport (AHS) der Justus-Liebig-Universität erstmals am Hula-Hoop-Dance ausprobiert. Mittlerweile zeigt »Mona Motion«, die eigentlich Mona Jawan heißt, auch anderen, wie sie den neuen Trendsport selbst erlernen können. Sie findet: Hula-Hoop-Dance ist der perfekte Sport für Menschen, die eigentlich keinen Sport mögen.

Während wohl als Kind jeder mal probiert hat, einen Reifen um seine Taille rotieren zu lassen, geht es beim Hula-Hoop-Dance um mehr: Hier ist der Reifen quasi der »Tanzpartner«. Er wird auch über Brust und Hüfte gedreht oder mit den Händen und Füßen bewegt. Der Fantasie sind dabei nahezu keine Grenzen gesetzt. Und genau das ist es, was die Studentin an ihrem Sport so begeistert: »Man macht immer etwas anderes. Beim Hula-Hoop-Dance kommt keine Monotonie auf.« Stundenlang auf dem Ergometer sitzen oder joggen? Viel zu langweilig!

Auch wenn die Tricks auf den ersten Blick kompliziert aussehen, ist sich Jawan sicher: »Jeder kann das hinbekommen.« Da es eine Vielzahl verschiedener Kunststücke gibt, können zum Beispiel auch Menschen, die im Rollstuhl sitzen, »hoopen« - so nennen die Hula-Hoop-Begeisterten ihr Hobby.

Jawans erste Versuche mit dem runden Trainingsgerät klappten gut. Auch weil beim AHS die richtigen Reifen zur Verfügung standen. »Wichtig ist die passende Größe. Man rechnet den Bauchumfang plus mindestens 15 Zentimeter, wenn man den Reifen um den Körper kreisen lassen will.« Der falsche Reifen könne nicht nur dazu führen, dass das »Hullern« nicht so recht klappen will, sondern auch blaue Flecken verursachen.

Gerade beim Fitness-Hula-Hoop würden manche zu zu schweren Reifen greifen, weil sie sich dadurch einen größeren Trainingseffekt erhoffen. »Durch die Fliehkraft wirkt dabei ein sehr großes Gewicht auf den Körper ein. Schwerer als 1,5 Kilogramm sollten auch Fitness-Reifen nicht sein«, gibt sie zu bedenken. Ohnehin gilt: Je leichter der Reifen, desto fordernder ist die Übung.

Jawan trainierte auch abseits der AHS-Kurse, lernte immer neue Tricks und als eine der Trainerinnen aufhörte, übernahm sie die Kursleitung. 2019 führte sie erstmals ihre Tanzshow öffentlich vor, etwa beim Familie-im-Takt-Festival in Lich. Spezielle LED-Reifen sorgen dabei für die besondere Optik im Dunkeln. Und sogar Feuer kann die 28-Jährige um ihren Körper kreisen lassen. »2020 wollte ich mit den Festivals richtig durchstarten. Aber dann kam Corona.« Mit den gestrichenen Auftritten kam auch ein Namenswechsel daher. Denn statt als »Mona Motion« trat sie bis 2020 als »Mona Corona« auf - und hatte kurz vor der Pandemie sogar noch einen Stapel Visitenkarten drucken lassen.

Pandemie sorgt für Boom

Als im Frühjahr 2020 auch die Fitnessstudios schließen mussten, hat manch einer das vermeintliche Kinderspielzeug als Fitnessgerät entdeckt. Die Fitnessreifen, die deutlich dicker und schwerer sind als Tanzreifen, wurden reihenweise verkauft und bei Instagram generierten auch deutsche Hula-Hoop-Influencer Hunderttausende Follower.

»Hoopen« ist plötzlich trendig - das spürt die Trainerin auch durch die gestiegene Nachfrage nach Online-Kursen in der Pandemie. »Früher war es oft schwierig, neue Teilnehmer für die Kurse zu finden«, erinnert sie sich. Doch viele, die über einen Fitnessreifen zu dem Sport kommen, entdecken über kurz oder lang auch das Tanzen für sich und wollen Reifen-Tricks lernen, anstatt ihn nur wieder und wieder um die Taille kreisen zu lassen.

Die Studentin stellte ein Video in einer Facebook-Gruppe online und erntete viel positives Feedback. Schon bald wurden aus einem Online-Kurs fünf. Interessierte können wöchentlich per Zoom-Videokonferenz live dabei sein, aber auch die fertigen Videos zeitunabhängig nachtanzen. Manchmal scheitere ein Trick trotz zahlreicher Versuche lediglich an einer kleinen Fehlstellung der Hand. Da könne der Blick eines Trainers helfen, damit aus der Hula-Lust kein Hula-Frust wird. Aber auch wer lieber für sich trainiert, findet im Internet zahlreiche Anleitungen.

Ihre Videos dreht Jawan zu Hause, und auch um die Technik kümmert sie sich selbst. »Ich könnte mir keinen besseren Nebenjob neben dem Studium vorstellen.« Zu Beginn der Pandemie hat sie sogar ihr Sofa verkauft, um trotz Corona genug Platz für das Tanzen und ihre Kurse zu haben.

Dabei kommt man übrigens richtig ins Schwitzen: »Ich bekomme immer noch Muskelkater, wenn ich lange am Stück hoope.« Aussagen, wonach Hula-Hoop kein richtiger Sport sei, widerspricht sie daher vehement: »Dabei werden viele verschiedene Muskeln beansprucht, nicht nur am Bauch.« Außerdem sei gerade der Tanz auch eine Art »Gehirnjogging«, da zeitgleich verschiedene Bewegungen ausgeführt werden. »Wer sagt, dass das kein Sport ist, der hat es nur noch nicht probiert.«

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