1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Sind schockiert über Zustände«

Erstellt: Aktualisiert:

giloka_eaeh_2901_olz_290_4c
In der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen in Gießen gibt es derzeit 268 positiv getestete Bewohner. © Berghöfer

Corona-Ausbrüche in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen sorgen für massive Kritik. Das Regierungspräsidium weíst sie zurück.

Gießen. Corona zieht durch Stadt und Kreis. Und macht auch vor der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (EAEH) nicht halt. Von 2004 Bewohnern des Gießener Standortes wurden aktuell bislang 268 positiv auf das Virus getestet. Von den 4595 Bewohnern aller Standorte der EAEH sind 410 infiziert. Das sorgt für scharfe Kritik. »Die Bedingungen in der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Gießen sind aufgrund der Omikron-Welle inzwischen unhaltbar geworden«, erklärt Nadine Gersberg, asyl- und flüchtlingspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag. Tim van Slobbe, Vorsitzender des Kreisausländerbeirats, pflichtet bei: »Wir sind schockiert über die menschenverachtenden Zustände, unter denen die Menschen während der Pandemie dort leben müssen.« Seit Beginn der Corona-Pandemie »werden alle Anstrengungen unternommen, um die Geflüchteten und die Mitarbeiter bestmöglich vor dem Coronavirus zu schützen und ausreichende Möglichkeiten der Isolierung zur Verfügung zu stellen«, reagiert das zuständige Regierungspräsidium Gießen.

»Nicht weiter verwunderlich«

Überrascht ist Nina Heidt-Sommer nicht. »In der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen ist während der Unterbringung Abstand halten überhaupt nicht möglich. Verschiedene Zimmer sind nur durch Vorhänge voneinander getrennt und nach oben hin offen, wodurch kein Schutz vor Aerosolen gewährleistet werden kann. Dass jetzt hier die massiven Ausbrüche geschehen, ist nicht weiter verwunderlich«, erläutert die heimische Landtagsabgeordnete der SPD in einer Mitteilung. Darin heißt es auch, dass die Infizierung mit dem Coronavirus in der Einrichtung erschreckend schnell und in hohem Ausmaße geschehe. »Die geflüchteten Menschen in Gießen haben keine andere Möglichkeit, als in einer Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht zu werden. Vor diesem Hintergrund ist das Land in besonderem Maße dazu verpflichtet, für ihren Gesundheitsschutz zu sorgen«, führt Heidt-Sommer aus.

Ganz ähnlich bewertet die Landtagsfraktion der »Linken« die Situation. »Schon in den vergangenen Corona-Wellen haben sich immer wieder Massenausbrüche in Sammelunterkünften ereignet«, legt Saadet Sönmez ebenfalls in einer Mitteilung dar. Immer wieder habe die »Linke« hygienische Bedingungen und beengte Verhältnisse in den Unterkünften angeprangert. »Passiert ist jedoch nichts. Die schwarzgrüne Landesregierung lernt offenbar nicht aus ihren Fehlern. Statt Menschen endlich dezentral in kleineren Wohneinheiten unterzubringen, ist sie im Begriff, neue Lager in Betrieb zu nehmen«, meint der migrationspolitische Sprecher der Fraktion. Van Slobbe kritisiert unter anderem die Verimpfung von Johnson & Johnson. »Anfangs war das noch okay. Mittlerweile ist aber klar, dass der Impfstoff nur einen sehr schwachen Schutz bietet«, meint der Beiratsvorsitzende.

Mit Ausbruch der Pandemie habe das RP ein umfassendes Hygiene- und Sicherheitskonzept erstellt, informiert die Behörde. Es werde regelmäßig angepasst. »Darüber hinaus hat sich das Land Hessen zu Beginn der Pandemie in 2020 dazu entscheiden, dass alle neuankommenden Geflüchteten sich zunächst in eine zehntägige Ankunftsquarantäne begeben. Dies entspricht auch der Quarantänepflicht nach der Hessischen Corona-Quarantäneverordnung. Außerdem wird jeder Neuankommende durch die Ärzte der EAEH untersucht und bei Vorliegen von Symptomen wird ein PCR-Test durchgeführt«, informiert das Regierungspräsidium. Bewohner, die Symptome zeigten, würden untersucht, getestet, umgehend isoliert und versorgt. Auch Kontaktpersonen teste und isoliere man gegebenenfalls. Um Abstände zu ermöglichen, seien die Standorte nicht mehr voll belegt, eine dezentrale Unterbringung sei jedoch rechtlich nicht möglich. »Derzeit bietet die EAEH den Impfstoff von Johnson & Johnson im Rahmen der Erstuntersuchung als Erstimpfung an und hat damit in der zurückliegenden Zeit sowohl hinsichtlich der Akzeptanz der Neuankommenden, der Verträglichkeit, da kaum Nebenwirkungen, und dem zügig eintretenden Impfschutz gute Erfahrungen gemacht«, so das RP..Darüber hinaus werde in Zusammenarbeit mit den örtlichen Impfambulanzen in regelmäßigen Abständen auch mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna geimpft. Die aktuellen Ausbruchsgeschehen in der EAEH zeigten, dass es bei allen derzeit verwendeten Impfstoffen zu Impfdurchbrüchen in der Bewohnerschaft gekommen sei. »Die Betroffenen zeigen jedoch lediglich milde Verläufe oder sind symptomfrei«, resümiert das RP.

ANZGLOKSTADT301-B_141744_4c_4
Große Sorgen : Studenten mit ukrainischen und russischen Wurzeln äußern sich zum Konflikt. Hochschule/Seite 22 © Frank-Oliver Docter
giloka_GutenMorgen_Stadt_ov
giloka_GutenMorgen_Stadt_ov © Red

Auch interessant