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»Situation bleibt angespannt«

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Kein Grund zu feiern: Finanziell darf sich die JLU im kommenden Jahr keine allzu großen Sprünge erlauben. © Mosel

Gießen. Aufgrund mangelnder Rohstoffe sind Bauvorhaben zuletzt deutlich teurer geworden. Und auch die Energiepreise sind stark gestiegen. Nicht nur in Privathaushalten schlagen sich diese Entwicklungen auf dem Kontostand nieder, auch an Institutionen wie der Justus-Liebig-Universität (JLU) gehen die finanziellen Mehrbelastungen nicht spurlos vorüber.

»Die Situation bleibt angespannt«, leitet Uni-Präsident Joybrato Mukherjee die Vorstellung des Budgetplans im Senat ein. Für 2022 stehen der Hochschule insgesamt 474 Millionen Euro zur Verfügung.: gegenüber dem Vorjahr ein Aufwuchs um vier Prozent aus dem Hessischen Hochschulpakt. Durch die enormen Preissteigerungen in verschiedenen Bereichen sowie »einer Wundertüte an neuen Aufgaben« gibt es dennoch kaum Grund zur Freude. »Wir werden große, große Haushaltsdisziplin üben müssen, damit wir unsere Strukturen, Studiengänge, Professuren - alles was uns als Universität ausmacht - in der Breite halten können«, sagt Mukherjee und blickt damit auch sorgenvoll auf die Folgejahre. Nicht zuletzt spielen die Corona-Pandemie und der Hackerangriff vom Dezember 2019 bei der Budgetverwendung nicht zu unterschätzende Rollen.

Eigene Einnahmen

Zur Finanzierung der JLU stehen unterschiedliche Mittel zur Verfügung. Als »Erstmittel«, beziehungsweise Grundfinanzierung, gelten die vom Land Hessen zugewiesenen Landeszuschüsse. Dazu erhält die Uni vom Hochschulträger ebenfalls Mittel, die in der Regel temporär sind und konkreten Zweckbindungen unterliegen (»Zweitmittel«). Als Drittmittel werden außerdem die Erträge bezeichnet, die zur Förderung von Forschung und Entwicklung sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Lehre von öffentlichen oder privaten Stellen für konkrete Projekte eingeworben werden. Nach Abzug aller zweckgebundenen Mittel, den dezentral zuzuweisenden Erträgen sowie dem Globalbudget des Fachbereichs Medizin verbleibt dem Präsidium für 2022 ein Budget von 259,6 Millionen Euro (2021: 243,4 Millionen Euro).

Wie Kanzlerin Susanne Kraus zu dieser Berechnung ausführt, stehen für den konsumtiven Bereich - also etwa für Personal- und Energiekosten - zunächst 343,6 Millionen Euro zur Verfügung. Bei den Drittmitteln werden für das kommende Jahr Erträge in Höhe von 84 Millionen Euro prognostiziert, gegenüber 2021 ist das ein Plus von vier Millionen. Eigene Einnahmen erzielt die JLU unter anderem aus der Patientenbehandlung in der Veterinärmedizin, Umsätzen der landwirtschaftlichen Betriebe, den Behandlungen der verhaltenstherapeutischen Ambulanz, Kostenerstattungen, Gebühren und Leistungsentgelten. Für 2022 wird hier nach Erfahrungswerten ein Betrag von 25,8 Millionen Euro angenommen.

Kostensteigerungen

Für unvorhergesehene Ausgaben gibt es beispielsweise Strategie- und Risikofonds (1,4 und zwei Millionen Euro). Letzterer habe »bei der IT-Krise sehr geholfen«, sagt Kraus. »Wir haben bekanntlich keinen Ersatz vom Land bekommen.« Auch für das kommende Jahr habe das Hochschulrechenzentrum bereits Bedarfe geltend gemacht »die sehr nachvollziehbar sind«. Ein weiteres #JLUoffline-Szenario soll so vermieden werden. Dazu seien durch die Pandemie ebenfalls erhebliche Mehrkosten entstanden. Für die Anmietung der Hessenhallen für Prüfungen unter Abstandsgebot sowie der Beschäftigung eines Sicherheitsdiensts rechnet das Präsidium mit 2,75 Millionen Euro. Neben Personalkosten (etwa 80 Prozent des Budgets) bilden Infrastruktur und Instandhaltung einen großen Block. Insgesamt 18,1 Millionen Euro werden für Instandhaltungskosten - zum Beispiel für die Mensa - veranschlagt. »Wir sind hier allgemeinen Kostensteigerungen ausgesetzt«, so Kraus. Mit 92,8 Millionen Euro ( 2021: 87,3 Millionen) Globalbudget entfällt außerdem »schon eine richtige Hausnummer« auf den Fachbereich Medizin.

Die JLU verfügt 2022 insgesamt über 24,5 Millionen Euro Investitionsmittel. Dem stehen »unabweisbare investive Bedarfe in Höhe von 29,7 Millionen Euro«, und damit nicht genügend Geld, gegenüber. Das Präsidium sieht deshalb, insbesondere zur Sicherung von Baumaßnahmen und IT-Infrastrukturen sowie notwendiger Maßnahmen für die IT-Sicherheit vor, das Finanzierungsdelta in der Investitionsplanung durch eine Zuweisung aus dem konsumtiven Budget im Umfang von 5,2 Millionen Euro auszugleichen. »Es bleibt herausfordernd«, fasst Kraus zusammen.

Für die kommenden Jahre sei maßgeblich, dass die Studierendenzahlen nicht unterschritten würden, da dies eine unmittelbare Budgetreduktion im Folgejahr verursachen würde. Insbesondere vor dem Hintergrund des bundesweiten Studierenden-Rückgangs im aktuellen Wintersemester seien »alle Anstrengungen zu unternehmen, um diesen Trend nicht fortzusetzen«, heißt es im Budgetplan.

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