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Solothurner Dreikönigsspiel

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Karina Fischer als Prologsprecher und Michael Eberle als Narr im Dreikönigsspiel. Foto: Theatergruppe Germanistik © Theatergruppe Germanistik

Die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der JLU lädt zur Weihnachtsgeschichte ohne Maria und Josef ein. Premiere ist am 3. Dezember in Grünberg, Aufführung in Gießen ist am 12. Dezember.

Gießen (red). Eine Weihnachtsgeschichte ohne Maria und Josef? Geht das denn überhaupt? In diesem Jahr bringt die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität (JLU) unter der Leitung von Prof. Cora Dietl wieder ein zur Adventszeit passendes Stück auf die Bühne. Hanns Wagners »Solothurner Dreikönigsspiel« führt sein Publikum in die Zeit der Geburtsstunde Jesu zurück, erzählt dort jedoch nicht die zu erwartende Weihnachtsgeschichte. Viel mehr eröffnet das Bühnenwerk einen Einblick hinter die Kulissen des klassischen Stoffs und zeigt, was sonst nie gezeigt wird.

Ereignisse am Königshof

Denn was passiert eigentlich, nachdem die heiligen drei Könige am Königshof in Jerusalem eintreffen? Wie reagiert man dort, wo man nichts von der Geburt des Heilands weiß? Beginnend im Orient bei den heiligen drei Königen, die sich nach der Entdeckung des Sterns von Bethlehem sofort auf den Weg ins Heilige Land machen, bis hin zu den Ereignissen am Königshof in Jerusalem, beantwortet das Spiel genau diese Fragen. König Herodes, durch seine in der Bibel beschriebenen Gräueltaten nur allzu berüchtigt, ist von der Geburt des Heilands nicht im Mindesten begeistert und übernimmt die Hauptrolle im Stück. Schon bald beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem alle Beteiligten versuchen, durch Täuschung und List ihre ganz eigenen Ziele zu verwirklichen, die verschiedener nicht sein könnten.

Wie in seinen späteren Stücken schafft es der Autor Hanns Wagner - der dem Gießener und Grünberger Theaterpublikum von der Aufführung der Theatergruppe im vergangenen Sommer bereits vertraut sein dürfte - auch in dem 1561 entstandenen Werk, ganz eigene Zwischentöne in die Handlung einfließen zu lassen. So verweist er auf den aktuellen Glaubenskonflikt seiner Zeit, der zwischen den Katholiken und Protestanten ausgetragen wurde, ohne dabei zu verheimlichen, auf welcher Seite er sich selbst sieht. Damit entsteht nicht nur ein mehrdimensionales Werk, das auch ohne Maria und Josef zurechtkommt, sondern auch ein Subtext, der zum Nachdenken anregt und uns im 21. Jahrhundert ebenso den ein oder anderen Denkanstoß geben kann.

Das Theaterprojekt wird gefördert durch das Museum im Spital Grünberg, den Freundeskreis Museum Grünberg, das Hessische Landestheater Marburg, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), das Literarische Zentrum Gießen (LZG) und die Universitäten Bamberg und Gießen.

Mitwirkende sind: Cora Dietl (Arphaxat, Othoniel), Michael Eberle (Lalus = Narr, Bennaias), Melissa Heerz (Achisemech), Karina Fischer (Prolog, Epilog), Swantje Luhn (Herodes), Hannah Lutsch (Pharnabatz, Zacharias), Theresa Matthes (Jonabath), Timo Miosga (Balthasar), Simon Thomas Taraz Schmidt (Caspar, Pontifex), Tim-Christopher Sinkel (Melchior, Adonizebeck) und Anna Zuth (Elimas, Rabinus).

Premiere am 3. Dezember

Die erste Aufführung findet am 3. Dezember in Grünberg, Hospitalkirche (Hintergasse 22) statt. Beginn ist um 16 Uhr. In Gießen ist das Stück am 12. Dezember in der Pankratiuskapelle (Georg-Schlosser-Straße 5) zu sehen. Hier hebt sich der Vorhang um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Eine weitere Aufführung findet am 14. Januar an der Universität Bamberg im Rahmen des gemeinsamen mediävistischen Nachwuchsforums der Universitäten Bamberg, Gießen, Chemnitz und Karlsruhe statt.

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