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Spannender Bücherwinter

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Kommt zur Lesung am Weltfrauentag: Nicole Seifert. © Nagel/ Hertfelder/ Werner/ Weise

Gießen. »Freuen Sie sich auf einen Bücherwinter mit fesselnden Neuerscheinungen und einer bunten Fülle an Themen, von der emotionalen Familiengeschichte über den autobiographisch gefärbten Schelmenroman bis hin zum feministischen Sachbuch«. Das versprach die Geschäftsführerin des Literarischen Zentrums Gießen (LZG), Janine Clemens, im Rahmen einer Pressekonferenz, in der sie gemeinsam mit LZG-Vorsitzendem Sascha Feuchert die sechs Veranstaltungen im kommenden Quartal vorstellte.

Mit dabei auch Hannah Brahm und Anika Binsch, die von Februar ab die Geschäftsstelle von Janine Clemens übernehmen werden (siehe auch Bericht unten).

Los geht es bereits am Donnerstag, 13. Januar. Um 19.30 Uhr wird Dimitrij Kapitelman (*1986 in Kiew) im KiZ (Kongresshalle) zu Gast sein, der aus seinem aktuellen Roman »Eine Formalie in Kiew« vorlesen wird. Der Autor erzählt mit seinem autobiographischen Text die Geschichte des in Leipzig aufgewachsenen Dima, der nach einem 25-jährigen Aufenthalt in Deutschland die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen will. Die dafür notwendige Reise in seine Geburtsstadt Kiew konfrontiert ihn mit Erinnerungen aus der Kindheit und den Bräuchen des Ostens. Komisch und zum Nachdenken anregend - auf alle Fälle ist dieser Roman hochaktuell und lässt den Leser einen Blick hinter die Kulissen der angespannten politischen Situation zwischen der Ukraine und Russland werfen. Es moderiert Tessa Schäfer.

Eine deutsch-deutsche Kindheit steht dann am Donnerstag, 3. Februar, um 19 Uhr auf dem Programm. Klaus Weise (*1951 in Gera), bisher vor allem als Drehbuchautor sowie Theater- und Filmregisseur in Erscheinung getreten, liest im KiZ aus seinem Debütroman »Sommerleithe«. Dies ist der Name der Straße in Gera, in der Metzgersohn Dieter in den 50er und 60er Jahren bis zur Flucht der Eltern in den Westen aufwächst. Der Erinnerungsroman erzählt von den kleinen und großen Wirrungen dieser Zeit, vom Kalten Krieg, von Kapitalismus und Kommunismus, präsentiert mit philosophischen, aber durchaus auch komischen und parodistischen Elementen. Es moderiert Hans-Jürgen Linke (LZG).

Die nächste Lesereihe führt noch weiter in den Osten. Die Theaterautorin und Essayistin Sasha Marianna Salzman (*1985 in Wolgograd) stellt ihren neuen, für den Buchpreis 2021 nominierten Roman vor mit dem Titel »Im Menschen muss alles herrlich sein«. Mit diesem bei Tschechov entlehnten Titel verweist die Autorin in ironischer Art auf das menschenverachtende Regime der Sowjetunion.

Sie zeichnet den Lebensweg von vier Frauen auf. Nina fragt sich, was ihre Mutter Tatjana und deren Freundin Lena wohl sehen, wenn sie mit ihren Sowjetaugen auf ihre jetzige ostdeutsche Heimatstadt Jena blicken. »Wie soll man herrlich sein in einem Land, in dem Korruption und Unterdrückung herrschen?« Es moderiert Sandra Binnert (LZG). Anfang März folgt ein ungewöhnliches Format zu einem ungewöhnlichen und traurigen Anlass, gewidmet der Gründungsliteratin des Literarischen Zentrums, Katja Behrens (1942 bis 2021).

Anlässlich ihres ersten Todestages laden das LZG und der Verein »Gefangenes Wort« mit Grußworten und Ausschnitten aus ihren bekanntesten Texten ein. Katja Behrens war ein oft und gern gesehener Gast in Gießen. Bereits 2008 war die damalige Vize-Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland und Writers-in-Prison-Beauftragte zu Gast im Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität und gab den Anstoß für die Entstehung von »Gefangenes Wort«. Die Veranstaltung findet am Sonntag, 6. März, um 11 Uhr im Netanya Saal des Alten Schlosses statt. Leserin ist Antje Tiné, Musik von Gwendolyn Schneider-Rothhaar und Daria Goldwerk. In Kooperation mit dem Verein »Gefangenes Wort« und dem Kulturamt der Stadt Gießen.

Eine besondere Lesung folgt zum Internationalen Frauentag am 8. März, 19 Uhr. Es liest die promovierte Literaturwissenschaftlerin Nicole Seifert (*1972), die sich in ihrem Blog »Nacht und Tag« mit den Chancen von Schriftstellerinnen auseinandersetzt. Ihre Beobachtung: Noch immer werden literarische Werke von Frauen seltener verlegt, besprochen und mit Preisen versehen als die ihrer männlichen Kollegen. In »Frauenliteratur« analysiert Nicole Seifert frauenfeindliche Strukturen im Literaturbetrieb, nachdem sie sich drei Jahre lang mit der Literatur von Frauen, mit klassischen und zeitgenössischen Texten, bekannten und unbekannten, beschäftigt hat. Ihre These: Wir sollten endlich auch in unseren Bücherregalen eine Frauenquote einführen. Die Veranstaltung findet im Hermann-Levi-Saal des Rathauses statt. Es moderiert die Frauenbeauftrage der JLU, Nadyne Stritzke, ein Grußwort spricht die Vizepräsidentin für Studium und Lehre der JLU, Katharina Lorenz.

»Vater und ich« ist der Titel des Romans von Dilek Güngör (*1972 Schwäbisch Gmünd), der den Reigen der vom LZG vorgestellten Bücher in diesem Quartal beschließt. Die Autorin liest am 21. März, 19 Uhr, in der Stadtbibliothek Gießen zum Internationalen Tag gegen Rassismus. Sie beschreibt in ihrem aktuellen Roman, der auch für den Buchpreis 2021 nominiert war, die immer offensichtlicher werdende Entfremdung zwischen einer Tochter und ihrem Vater, der in der 70er Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland kam. Es moderieren Vera Stelter und Ekatherina Doulia vom Büro für Integration der Universitätsstadt Gießen.

»Wir hoffen sehr, die Leserinnen und Leser nach den Absagen im Dezember wieder »in persona« bei uns begrüßen zu dürfen«, bekräftigte Sascha Feuchert. Zugleich versicherte er, dass die Dezember-Veranstaltungen nachgeholt werden. Alle Veranstaltungen werden nach dem 2G-Plus-Modell durchgeführt. Ausgenommen von der Testpflicht sind nur »geboosterte« Gäste. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich, entweder im LZG-Büro, Südanlage 3A, Tel. 0641/97282517, die Tourist-Info Gießen oder über E-Mail oder auf www.lz-giessen.de.

Das aktuelle LZG-Programm ist jetzt auch im Internet abzurufen und liegt als gedruckte Broschüre vor.

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Klaus Weise © Red
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Dimitrij Kapitelman © Red
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Dilek Güngör beschließt die Reihe am 21. März. © Red

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