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Sparen in der Energiekrise

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Von: Benjamin Lemper

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Die Mittelhessen Netz GmbH kann bisher keinen Anstieg des Gasverbrauchs in der Region feststellen. Symbolfoto: dpa © Red

Laut Bundesnetzagentur ist der Gasverbrauch zuletzt wieder deutlich gestiegen. Wie sparsam aber sind die Menschen in Gießen und Umgebung?

Gießen (bl). Nach dem heißen Sommer sind die Temperaturen Mitte September schlagartig in den Keller gerauscht. Auch wenn sich der Oktober aktuell durchaus golden präsentieren mag, fällt es bisweilen schwer, zumindest abends nicht schon die Heizung aufzudrehen, um die Wohnung mollig warm zu machen. Doch das Credo lautet eben angesichts der Energiekrise mit angespannter Versorgungslage, nachhaltig zu sparen - nicht nur beim Heizen.

Und da ließ jüngst die Warnung der Bundesnetzagentur aufhorchen, dass der Gasverbrauch in Deutschland vor allem im privaten Bereich zuletzt sogar wieder gestiegen sei und sich deutlich über dem Verbrauch der Jahre 2018 bis 2021 bewege. Ohne erhebliche Anstrengungen, sich in Zurückhaltung zu üben, sei es wiederum kaum zu schaffen, »eine Gasmangellage im Winter zu vermeiden«, kommentierte deren Präsident Klaus Müller die »sehr ernüchternden« Zahlen. Dabei komme es »auf jeden Einzelnen« an. Erforderlich sei ein Rückgang von mindestens 20 Prozent. Und die richtig kalten Monate stehen uns erst noch bevor.

Inwieweit die Menschen in der Region die Sparappelle beherzigen, kann im Moment indes noch nicht umfassend beurteilt werden. Auffälligkeiten beobachtet der Netzbetreiber, die Mittelhessen Netz GmbH (MIT.N), bisher zumindest nicht. Allerdings könnten für die Haushaltskunden auch noch keine verlässlichen Aussagen getroffen werden, berichtet auf Anfrage Ulli Boos, Unternehmenssprecher der Stadtwerke Gießen (SWG), zu denen die MIT.N gehört. »Die finalen Verbrauchswerte liegen uns erst mit Erstellung der Jahresschlussrechnung in der hierfür notwendigen Genauigkeit vor«, so Boos. Eine Tendenz könne er auch nicht bieten, dies würde nämlich »zu einem großen Teil nur auf Schätzungen beruhen« und sei daher nicht belastbar. Im Segment der Gewerbekunden, wo die Werte regelmäßiger abgerufen werden können, stelle die MIT.N derweil einen rückläufigen Gasverbrauch von circa 25 Prozent fest.

Dass insgesamt in allen Segmenten Einsparungen erfolgt sein müssen, deute im Übrigen auch ein anderer Wert an: So hat die MIT.N die Mengen an Gas verglichen, die jeweils im September 2021 und 2022 ins Netz eingespeist worden sind. Hier sei kein Unterschied festzustellen: Das heißt, es sei nicht mehr Gas verbraucht worden, obwohl der diesjährige September zwei Grad kühler war und für gewöhnlich mehr geheizt wird, je kälter es ist, erläutert Ulli Boos.

Und wie hat sich der Stromverbrauch entwickelt? Gegenwärtig scheinen diese Bemühungen, sich sparsamer zu verhalten, zwar ebenfalls noch ausbaufähig zu sein. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichnet die MIT.N aber immerhin ein leichtes Minus von etwa drei Prozent.

Noch nichts sagen kann Ulli Boos dazu, wie sich die angekündigte Gaspreisbremse vor Ort auswirken wird. Denn zunächst muss sich natürlich die Bundesregierung darüber abstimmen, wie sie die Vorschläge der Expertenkommission zur Entlastung der Bürgerinnen und Bürger umzusetzen gedenkt.

An das Netz der MIT.N sind 26 468 Kundinnen und Kunden in Gießen, Buseck, Fernwald, Heuchelheim, Linden, Pohlheim, Reiskirchen, Staufenberg und Lahnau angeschlossen.

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