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SPD wird weiblicher

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Von: Eva Pfeiffer

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Sie sollen für den SPD-Unterbezirk Gießen die Direktmandate holen: Nina Heidt-Sommer (r.) und Melanie Haubrich. Foto: Pfeiffer © Pfeiffer

Gießen . Wann genau die Hessinnen und Hessen im kommenden Jahr zur Landtagswahl aufgerufen sind, steht noch nicht fest. Seit dem gestrigen Freitag ist aber bekannt, wer 2023 von den SPD-Wahlplakaten der Direktkandidaten in Stadt und Kreis Gießen lächeln wird: Nina Heidt-Sommer und Dr. Melanie Haubrich. Die beiden Frauen wurden vom SPD-Unterbezirksvorstand Gießen nominiert.

Heidt-Sommer wird als Kandidatin im Wahlkreis 18 (Gießen I) antreten, zu dem neben der Universitätsstadt auch Biebertal, Heuchelheim, Lollar, Staufenberg und Wettenberg gehören. Das Kreuz bei Haubrich wird man im Wahlkreis 19 (Gießen II) machen können - also in Allendorf (Lumda), Buseck, Fernwald, Grünberg, Hungen, Langgöns, Lich, Linden, Pohlheim, Rabenau und Reiskirchen.

»Wahlkampf wird nicht leicht«

Es ist das erste Mal, dass die Sozialdemokraten nicht zwei Männer ins Rennen schicken. Heidt-Sommer sitzt zwar bereits im Landtag in Wiesbaden, sie war jedoch nicht direkt gewählt worden. Nachdem Parteikollege Frank-Tilo Becher ins Gießener Rathaus eingezogen war, rückte sie für den Oberbürgermeister nach. »Wir werden die Ersten, aber nicht die Letzten sein«, sagte Heidt-Sommer in Anlehnung an ein Zitat der US-amerikanischen Vizepräsidentin Kamala Harris. Mitstreiterin Haubrich betonte: »Ich hoffe, dass wir jungen Frauen signalisieren können, dass sie eine Chance in der SPD haben.«

Unterbezirksvorsitzender Felix Döring und Stellvertreter Gerald Dörr zeigten sich bei der Vorstellung der Kandidatinnen im Henriette-Fürth-Haus besonders erfreut darüber, dass beide am Abend zuvor einstimmig nominiert worden seien. »Das zeigt die große Geschlossenheit innerhalb der Gießener SPD«, sagte Döring. Gleichzeitig sorge dieser Rückhalt auch für zusätzliche Motivation und Kraft bei den Kandidatinnen. »Der Wahlkampf wird nicht leicht«, prophezeite der Bundestagsabgeordnete.

Nina Heidt-Sommer ist 44 Jahre alt, in Biebertal aufgewachsen, seit 19 Jahren verheiratet und Pflegemutter zweier Söhne. Der Jüngere ist seit der vergangenen Woche »stolzes Schulkind«, wie sie sichtlich erfreut berichtete. Bereits als Teenagerin sei sie - auch wegen des in den 1990er Jahren aufflammenden Rechtsextremismus - politisiert worden und habe begonnen, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Ihr sei früh bewusst geworden, dass sie Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen wolle.

Ihre ersten Schritte in der Partei machte die 44-Jährige vor über 25 Jahren bei den Jusos. Seit 2010 ist sie Stadtverordnete in Gießen und seit dem Parteitag vergangene Woche alleinige Vorsitzende des Stadtverbands. Zuvor hatte sie eine Doppelspitze mit Christopher Nübel gebildet.

Heidt-Sommer hat an der Justus-Liebig-Universität Lehramt studiert und ab 2005 an der Grundschule Gießen-West unterrichtet. Durch ihre Erfahrung als Lehrerin, Personalrätin und Pflegemutter wisse sie, »dass Hessen weit entfernt« ist »von Chancengleichheit für alle Kinder«. Um ein gutes Lernumfeld zu schaffen, müssten auch die Arbeitsbedingungen der Lehrer und der anderen Beschäftigten in den Schulen verbessert werden.

Mit Blick auf die aktuellen Krisen sagte die Landtagsabgeordnete: »Hessen braucht eine richtige Landesregierung, keine Landesverwaltung.« Politiker müssten die Sorgen und Nöte der Menschen ernst nehmen.

Melanie Haubrich ist 39 Jahre alt, kommt gebürtig aus dem Westerwald und ist für ihr Jura-Studium nach Gießen gezogen - »und hier geblieben«. Nach ihrer Promotion an der Justus-Liebig-Universität arbeitete sie als Rechtsanwältin in Frankfurt am Main, ehe sie 2017 Richterin am Verwaltungsgericht Gießen wurde. Derzeit ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe abgeordnet, werde aber demnächst ans Gießener Gericht zurückkehren.

Auch Haubrich hat ihre ersten Schritte bei den Jusos gemacht, damals war sie 18 Jahre alt. »Die Zeit bei den Jusos hat mich stark politisiert. Dort kann man sich austoben«, erinnert sie sich. Seit 2016 sitzt Haubrich im Kreistag, zwei Jahre lang war sie zudem Fraktionsvorsitzende.

Wichtig sei ihr, sich für die Lebensbedingungen der Menschen im Kreis einzusetzen. Diese dürften sich »nicht verschlechtern, der Landkreis muss weiterhin lebenswert sein«. Angebote wie das 9-Euro-Ticket nützten nichts, »wenn der Bus nur zweimal am Tag fährt«.

Die Wahlkreiskonferenzen finden am 5. November im Kulturzentrum in Großen-Buseck (Wahlkreis 19) beziehungsweise am 19. November im Bürgerhaus Kleinlinden (Wahlkreis 18) statt. Dann sollen neben den beiden Kandidatinnen auch ihre Stellvertreter bestätigt werden: Für Gießen I fiel die Wahl auf den Gießener Stadtverordneten Kamyar Mansoori, Stellvertreter von Haubrich wird der frühere ehrenamtliche Kreisbeigeordnete Istayfo Turgay. Mit Blick auf das diverse Team für die Landtagswahl sagte Gerald Dörr: »Viel mehr SPD geht nicht.«

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