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Spektakuläre Ergebnisse

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»Zeichen«: ein wuchtiges Gestell aus Hölzern, deren filigrane Rillen von Schönheit und Zerstörung erzählen. © Schultz

Abschlussarbeiten des Instituts für Kunstpädagogik werden am heutigen Donnerstagabend im Gießener KiZ eröffnet.

Gießen. Fast ist es schon wieder selbstverständlich, doch nur fast: das Institut für Kunstpädagogik (IfK) zeigt Abschlussarbeiten seiner Studierenden in einer Ausstellung mit Kontakt zu den Besuchern. Wieder ist es eine sehr gut inszenierte Schau geworden, die attraktive, substanzielle Arbeiten enthält. Heute Abend um 18 Uhr wird die Präsentation eröffnet.

Prof. Ariane Wachholz und Jörg Wagner vom IfK erinnern sich im Pressegespräch vorab an schwierige Zeiten, als die Studierenden ihre Arbeiten vor einem Jahr noch umständlich auf Video inszenieren mussten, um sie dann auf der Institutswebseite der Öffentlichkeit präsentieren zu können. »Das hier ist jetzt natürlich ein Geschenk«, sagte sie über die öffentliche Ausstellung. Die darstellerische Präsentation der Werke gehöre schließlich zu den Examensaufgaben. »Hier im KiZ kommt noch die Erfahrung des Aufbaus einer Gruppenausstellung hinzu, das ist auch sehr nützlich,« sagte Wachholz. »Man kann sich allerdings aussuchen, wo man ausstellt,« fügte Wagner hinzu.

So waren bereits einige Examensarbeiten in der Galerie am Hardthof, auf dem Lollarer Bahnhof oder an anderen städtischen Orten zu sehen. In der Lockdownphase fanden die Ausstellungen zuvor praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wagner: »Da waren zuweilen nur die zwei Prüfer dort, sonst niemand.«

Insgesamt 15 künstlerische Positionen sind nun bei der Ausstellung im KiZ vertreten. Von Malerei, Fotografie und Druckgrafik über skulpturale, installative und konzeptionelle Arbeiten eröffnen die gezeigten Werke sowohl technisch als auch thematisch ein breites kreatives Spektrum. Am eindrucksvollsten ist das Bild, das sich beim Eintritt durch den Haupteingang bietet. Da steht ein wuchtiges Gestell aus Splinthölzern ohne Rinde. Statt ihrer weisen die Hölzer der Plastik »Zeichen« von Lea-Marie Frey eine mäandernde Zeichnung auf, die an Tätowierungen erinnert. Es sind die nachgezeichneten Rillen, verursacht vom Fichtenborkenkäfer, einem Schädling, der menschengleich seine eigene Lebensgrundlage vernichtet.

Auch der Hintergrund lohnt einen zweiten Blick. Ein großes Acrylbild von Ramsheke Thillainathan ohne Titel aus ihrer Reihe »Feelings« zeigt eine aus einem Video stammende dramatische Szene, in der sie die realistischen Elemente gekonnt auflöst. Daneben widmet sich Sarah Tellhelm mit »Das ist kein Voyeurismus« diversen »Halböffentlichen Räumen, die sich abseits der Norm befinden.« Gemeint sind Dominastudios, mit denen sie sich in künstlerischen Fotografien »dokumentarisch auseinandersetzt«. Zu sehen sind durchaus fantasievolle Bilder von grundsätzlicher Ernsthaftigkeit.

Beachtlich ist auch, wie Mara Weinert ihre Porträts erarbeitete: Sie ließ ihre Subjekte traditionell für die Bilder sitzen und fing so eine eigene Version von Realismus ein. Mehrere Arbeiten sind spektakulär, auch wenn sie formal nicht zu den größten gehören. Etwa Anna-Maria Doliwas Keramik »Kontur«, eine Bündelung von rechteckigen Rahmenelementen, die bei jedem Aufbau anders zusammenfinden und die Installation jedes Mal neu entstehen lassen.

Faszinierend sind Jana Noltes »Chimären«, zwei aus dem 3D-Drucker entstandene fragile, netzähnlich gemachte Plastiken aus rätselhaftem Material, die Tierköpfe zeigen. In einer Arbeit einen Löwen-, einen Ziegen- und einen beunruhigenden Schlangenkopf. Dank einer speziellen Technik ist er von mehreren Seiten aus zu erkennen, die Schlange schaut dem Betrachter, wenn er ein Auge schließt, sogar hinterher. Ein reizvolles Erlebnis.

Mutig an die Kitschgrenze geht Lea Penzel in ihrer Bilderserie im Untergeschoss, wenn sie sich bei »Ornamentik« dem Thema »Gold zwischen Symbolik und Dekoration« widmet. Die minuziös detaillierten, hochstilisierten Bilder, allesamt in süffiger Farbenpracht angelegt, vermitteln zugleich eine spezielle Ästhetik und eine sanfte Ironie.

Zu der rundum gelungenen Inszenierung der Schau kommt eine vorbildliche Dokumentation mit kurzen Texten der Studierenden, die diese Schau leicht zugänglich und zu einem lohenden Erlebnis macht.

Die Ausstellung wird heute Abend um 128 Uhr eröffnet und ist bis zum 29. Mai im KiZ (Kongresshalle) jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei. Zur Eröffnung sprechen heute Abend Kulturamtsleiter Dr. Stefan Neubacher und Gastprofessorin Ariane Wachholz.

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