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Spitzenunterhaltung mit Radiopotenzial

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Dieses Instrument eignet sich auch für Hip Hop - wie Cordula Poos in der Johanneskirche zeigte. © Schultz

Gießen. Es sind oft vermeintliche Kleinigkeiten, die sich als wesentliche Beiträge zur Lebensqualität erweisen. Wie die Reihe der »Feierabendkonzerte« mit dem Titel »HimmelHoch frizzante«« in der Johanneskirche. Jetzt war die Gießener Harfenistin Cordula Poos zu Gast, und siehe, das Publikum war hin und weg.

Rund 60 Gäste hatten sich eingefunden, für das Konzert wurde eigens das Seitenschiff bestuhlt. »Da hallt es nicht so sehr«, hatte Veranstalter und Kantor Christoph Koerber am Rande bemerkt. Und richtig, der übliche Großhall der Kirche war fast verschwunden. Dafür zog gelegentlich der Krach eines Freiluft-Remmidemmis nebenan in den Saal. Dennoch war die Atmosphäre fast intim.

Cordula Poos, renommierte Musikerin und erfahrene Bühnenkünstlerin, verströmte mit ihrem Harfen-Soloprojekt Daisy and her Farm so viel positive Energie, dass an diesem Abend sowieso nichts schiefgehen konnte. »Feierabendkonzert: Das klingt doch viel schöner als After Work«, startete sie ihren Auftritt.

Sie moderiert stets eine kleine Geschichte um ihre meist eigenen Titel. Auch zum Start mit »L’isle sur la Sorgue«, in dem es um ein Weingut in Südfrankreich geht. Das war ein optimistisches, fröhliches Fließen und Perlen, mit klassischem Aufbau, fast besinnlich. In Cordula Poos’ Spiel gewinnt die Harfe eine natürliche Selbstverständlichkeit des Ausdrucks. Der Klang ihres Instruments konnte sich gut entfalten, was den vorgetragenen Titeln zugute kam, etwa »Take care«, das ums Zu-sich-kommen kreist. »Kopfstand, Anstand, nur kein Stillstand« hetzte sie da durch den Alltag und schloss mit einem zarten Flageolettausklang.

In »Scarborough Fair« - geht’s um Gewürze. Dem Stück verlieh Poos mit ihrem moderat verstärkten Instrument mediterranes Flair. Typisch für sie sind ein oft gitarrenorientierter Sound und attraktive Arrangements. Auch ihren klaren Sopran setzte sie differenziert ein. Überraschend intensiv und schmerzvoll etwa in dem Stück »Wo gehst du hin«, das dramaturgisch gut gemacht und anregend ist.

Der Höhepunkt des stilistisch vielfältigen Konzerts war zweifellos »Schnee von gestern«, ein Hip-Hop-Titel, der beim Joggen entstanden ist. Mit Sätzen wie »Du machst mich fertig, ich mach dich fertig« lässt sie, mit sanftem Tempo, eine hektische Beziehungsdynamik anklingen: »Du denkst, das ist ein Test, Mann, schnall’ dich lieber fest an« sang sie, und damit ist schon fast alles klar. Hinzu kam eine selbstbewusste Synthese aus deutschen und englischen Textzeilen und ein schmunzelnd in den Schlussakkord gerauntes »Yo man!« - Spitzenunterhaltung mit Radiopotenzial.

Die Zugabe war fast noch besser, Hubert von Goiserns »Wia die Zeit vergeht«, großartig gesungen und gejodelt, kraftvoll emotional, mitten ins Herz.

Die Reihe »HimmelHoch frizzante« in der Johanneskirche wird am Mittwoch, 9. März, um 18.30 Uhr mit Klavierquartetten und dem Ensemble Quatuor soleil fortgesetzt.

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