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Splatter-Szenen vom Literaturpreisträger

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Der aus Staufenberg stammende Autor Thomas Hettche scheut nicht vor drastischen Beschreibungen zurück. © Zylla

Der aus Staufenberg stammende und vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Thomas Hettche präsentierte in seiner »alten Heimat« ein Best-of seiner bislang erschienenen sieben Werke.

LICH (zye). Im Rahmen der »Licher Kultur Tage« besuchte der mehrfach ausgezeichnete Autor und heutige Wahl-Berliner Thomas Hettche das Kino Traumstern. Dabei stellte der ehemalige Staufenberger nicht nur Auszüge aus seinen Werken vor, sondern auch seinen Spleen für die menschliche Anatomie.

Die Liste der Auszeichnungen von Hettche ist lang. In über 30 Jahren ist da so einiges zusammen gekommen. Vom bayerischen Buchpreis bis zum Wolfgang-Koeppen-Preis. Klar, dass der Veranstalter, die Kulturwerkstatt Lich, ihn als einen der »bedeutendsten literarischen Erzähler unserer Zeit« vorstellte.

»Ich dachte mir, wenn ich schon in meiner alten Heimat bin, dann mache ich so eine Art Best-Of«, begann Hettche und stellte darauf Textpassagen aus seinen sieben bisher veröffentlichten Romanen vor. Nur wegen der Corona-Maßnahmen mussten da noch einige Plätze im Kinosaal frei bleiben. Fragen zu Hettches künstlerischen Prozessen stellte Sänger und Songwriter Sven Görtz. Seine ersten Romane schrieb Hettche in seinen Zwanzigern, In denen beschäftigte er sich viel mit der menschlichen Anatomie. Diese Faszination erlangte er durch Freunde, die damals Medizin studierten. Diese Obsession für den menschlichen Körper zeigte sich später auch noch im Roman »Nox« (1995), der am Tag des Mauerfalls spielt. Hier beschreibt seine Erzählfigur mit medizinischer Präzision, wie er von einer jungen Mörderin die Kehle aufgeschlitzt bekommt: »Von links nach rechts schnitt sie und die scharfrandige Wunde klaffte sofort weit auf. Tief schnitt sie in Muskeln und Fleisch, trennte den Kehldeckel vom Kehlkopf, durchschnitt die Halsschlagader und Schilddrüsenschlagader, kappte mir Luftröhre und Speiseröhre und schnitt tief noch in den Halswirbel hinein.« Hettche beschrieb den Prozess des Mordes sehr detailliert, inklusive der Geräusche, die das Mordopfer bis zu seinem letzten Atemzug von sich gab. Applaus gab es dann schließlich am Ende, als die Mörderin die 16 Zentimeter lange Klinge fallen ließ und vom Tatort verschwand. Klar, immerhin faszinierte es, dass der Protagonist schon am Anfang das Zeitliche segnet. Das sprach auch Görtz im Anschluss an: »Was für ein Romananfang!« Diese sehr grafische Erzählweise, ob nun bei Mord oder auch dem Liebesakt, wie etwa beim Krimi »Der Fall Arbogast« (2001), kam gut beim Publikum im Kino Traumstern an und setzte sich auch noch bis zu seinem aktuellen Werk »Herzfaden« (2020) fort. Hettches besonderer Stil sorgte für Erstaunen, gebanntes Zuhören, teils aber auch erschrockene und schmerzverzerrte Blicke,

Weiter geht es mit den »Licher Kultur Tagen« im Kulturraum »Dazwischen« (Gießener Straße 5): Am Freitag um 19 Uhr wird ein Gong-Konzert von SUKAwave eingeläutet. Am Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr findet »Kunst & Markt« statt. Hier finden Interessierte »Gemälde, Skulpturen, Schmuck und vieles mehr«.

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