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Auch im Hotel-Restaurant Altes Eishaus am Wißmarer Weg sind Besuche und Buchungen zurückgegangen.

Gastronomie und 2Gplus

Spontane Besuche sind rar

Macht »2G plus« alles noch schwieriger für Gastronomiebetriebe? Wie verhalten sich die Gäste? Was bedeutet das für den Umsatz? Der Anzeiger hat sich bei gießener Wirten umgehört.

Gießen. Für die Gastronomie soll der Zugang bundesweit und unabhängig von der Inzidenz weiter eingeschränkt werden. Dann dürfen Restaurants, Cafés und Bars nur noch von Geimpften und Genesenen betreten werden, die einen tagesaktuellen Negativtest oder eine Auffrischungsimpfung (Booster) nachweisen können (2Gplus).

Der Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) kritisiert das als »unverhältnismäßig«. Mit der flächendeckenden Einführung werde das »Gastgewerbe an die Wand gedrückt«. Bundestag und Bundesrat müssen dieser Verschärfung noch zustimmen. In Hessen allerdings gilt diese Regelung schon seit Mitte Dezember - zumindest für Hotspot-Regionen, deren Inzidenzwert an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 350 liegt.

Im Landkreis Gießen ist diese Zahl nun erstmals überschritten worden. Wie wird die Lage in der Gießener Gastroszene beurteilt? Macht »2G plus« alles noch schwieriger? Wie verhalten sich die Gäste? Was bedeutet das für den Umsatz? Der Anzeiger hat sich umgehört.

Das »Benediktiner Weissbräuhaus« in der Bahnhofstraße ist den endgültigen Beschlüssen bereits zuvor gekommen. Beim Blick auf die Internetseite findet sich nach der Begrüßung sofort folgender Hinweis: »Damit wir einen sicheren Besuch in gemütlicher Atmosphäre für alle gewährleisten können, gilt ab sofort die 2Gplus-Regel im Benediktiner Weissbräuhaus. Das bedeutet: Zutritt für Geimpfte oder Genesene mit Testnachweis; Personen, die die Booster-Impfung bereits erhalten haben, sind von der Testnachweispflicht befreit.«

Auch das Enchilada, ein mexikanisches Lokal in der Ludwigstraße, will laut Homepage in der aktuellen Situation seinen Gästen »die größtmögliche Sicherheit« bieten. »Unsere Mitarbeiter werden im Rahmen der Teststrategie von Bund und Länder täglich pro Woche auf das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) getestet. Wir verfügen über eine leistungsfähige Lüftungsanlage, die frische Luft von draußen ansaugt und verbrauchte Luft nach außen transportiert. Wir haben große Fenster, die wir regelmäßig öffnen, um stoßzulüften und damit frische Luft von draußen reinkommt. Den Status unserer Raumluft messen wir über CO2-Messgeräte, die die Sättigung mit Kohlendioxid anzeigen.«

Marko Beslic von »Restaurant Croatica« am Ludwigsplatz meint dazu nur: »Ich muss das alles akzeptieren.« David Bulut, Juniorchef vom »Newscafé« in der Plockstraße: »Wir müssen da irgendwie mitspielen. Da kann man nix machen.« Er befürwortet 2G plus ausdrücklich; und zwar bezüglich einer noch stärkeren Sicherheit. Auch wenn der Umsatz geringer als letzten Sommer oder vor zwei Jahren im Winter gewesen sei. (Anmerkung: Im letzten Winter herrschte Lockdown.) 2G habe sich bisher bewährt, obwohl weniger Gäste gekommen seien. Doch alle fühlten sich sicherer. Zu den Abständen im Lokal kämen noch Trennwände zwischen den Tischen hinzu, merkt er dazu an.

Vom Au Lac in der Bootshausstraße gibt Achmed Kaya, Bruder des Betreibers Yusuf Kaja, Auskunft. »Wir versuchen, über die Runde zu kommen und unser Personal - an die zehn Mitarbeiter - zu halten.« Doch beklagt er, dass die Gäste generell »zu faul« seien, den Test vor dem Lokalbesuch durchzuführen. »Die Leute kommen nicht. Die reine Katastrophe!« Ältere hätten nicht selten angeblich ihren Impfausweis vergessen. Sie zeigten kein Verständnis dafür, dass sie nicht bedienen werden dürften. »Wenn eine Kontrolle kommt, sind sie dran und auch wir bekommen eine saftige Strafzahlung aufgebrummt.« Im Dezember hätten sie stets »volles Haus« gehabt, doch »dieses Jahr nichts.« Firmen und selbst Behörden hätten alle Weihnachtsfeiern abgesagt.

Dies bestätigt auch Petros Kammargianis von Restaurant Knossos am alten Schlachthof. »Bis auf kleine Gruppen bis 15 Personen wurde alles storniert.« Die meisten der Gäste fänden 2G gut. Doch viele seien auch genervt. Er benennt noch ein weiteres Problem. »Wenn einer ständig kommt, wird er nicht mehr kontrolliert, weil wir den Impfstatus kennen. Andere Gäste regen sich dann auf, weil sie das nicht wissen.« Seitdem 2G Vorschrift geworden sei, sei der Umsatz »weniger geworden.« Wenn nun 2Gplus Pflicht wäre, würden noch mehr Gäste ausbleiben, befürchtet er. Seine Hoffnung ist, »dass alle infiziert werden. Dann sind wir durch.«

Toricio Corbone von der »Nudelstube«, einem kleinen Lokal in der Ludwigstraße, weist auf ein ganz anderes Problem hin: »Wir haben viele junge Leute. Die haben zwei Impfungen, die dritte bestimmt nicht. Wie soll man das machen?« fragt er. Und die älteren Leute blieben ganz weg, aus Angst zuhause. 30 Prozent weniger Umsatz verzeichnet er.

Monika Heine betreibt das »Alte Eishaus« im Wißmarer Weg. Um ihren Mitarbeitern eine Verschnaufpause zu geben, macht sie immer kurz vor Weihnachten 14 Tage lang dicht. Seit Montag sind Restaurant- und Hotelbetrieb wieder geöffnet. Die Belegung des Hotels sei wegen ihrer vielen Berufsreisenden »ganz okay«, der Umsatz im Restaurant »sehr, sehr zurückgegangen«, so ihr Resümee der letzten Monate. Die großen Buchungen für Tagungen und Fortbildungen seien zu 50 Prozent storniert worden; auch alle Weihnachtsfeiern mit mehr als einem Dutzend Gäste. Die »spontanen Besuche« seien rar geworden. »Und 2Gplus ist für die Gäste noch umständlicher.« Trotzdem gibt sich Heine optimistisch. »Im Januar und Februar werden wir nochmal eine schwere Zeit haben.« Guter Hoffnung sei sie, dass »die Impfkampagne vorangeht, sich viele Menschen doch noch impfen lassen. »Dann können wir ab März zum normalen Regelgeschäft zurückkehren.«

Kein zusätzlicher Arbeitsaufwand auf Seiten der Lokale stellt die Prüfung auf das »Plus« bei »2G« dar. Denn ein zusätzlicher Blick genügt. Und für alle, die geboostert sind, ändert sich durch das »Plus« eh nichts.

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